"Das Bier ohne Reue": Die sechs Oktoberfestbiere im Vergleich
Das Münchner Kindl sitzt schon auf dem Ross und winkt den Menschen zur Begrüßung. Die Besucher des Löwenbräukellers sind an diesem Donnerstagabend fast ausschließlich in Tracht, und die Fotografen reißen sich um die fein herausgeputzten Wirte und Politiker.
Es ist fast wie auf dem Oktoberfest, dabei dauert es noch eine Woche bis zum Anstich. Trotzdem ist die Wiesn schon präsent – zumindest ihr wichtigstes Herzstück: das Bier. Zur offiziellen Oktoberfestbier-Probe des Vereins Münchner Brauereien sind sie alle ins Traditionshaus am Stiglmaierplatz gekommen. Vielleicht ist es der größte aller Vor-Wiesn-Termine – ganz sicher einer der schönsten.
Sorge vor dem Prozess um die Zeltvergabe
"Zwischen so a Wiesn macht man einiges mit", ruft Andreas Maisberger, Geschäftsführer des Vereins Münchner Brauereien, in den Bennosaal. Es geht um die Entnahme von Grundwasser, um die Gestaltung von Fahrgeschäften auf der Wiesn und um all die anderen Themen, die das größte Volksfest der Welt vorab beschäftigen.

Und dann müsse man auch noch "vor Gericht das verteidigen, was eigentlich urmünchnerisch ist", sagt Maisberger. Der Gerichtsprozess um das Vergabeverfahren der Wiesn, der am Folgetag ansteht, ist freilich eines der großen Themen unter Wirten und Brauereivertretern.
Wiesn-Chef Christian Scharpf (SPD) warnt: Sollte das Gericht entscheiden, dass die Zeltvergabe europaweit ausgeschrieben werden muss, könnten Klagen zahlreicher europäischer Brauereien folgen – selbst wenn die Stadt vorschreibt, nur Münchner Biere zuzulassen. Es sind düstere Aussichten, die da skizziert werden und über diesem Abend schweben.
Sechs Oktoberfestbiere im Blindtest
Doch nachdem das eine oder andere Bier gereicht und feierlich eingeläutet wurde, schafft es das Wiesnbier trotzdem, wieder die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Traditionell werden die sechs Festbiere blind verkostet. Nummerierte Krüge müssen den Brauereien Paulaner, Hacker-Pschorr, Augustiner, Hofbräu, Spaten und Löwenbräu zugeordnet werden.
Gar nicht so einfach, merkt auch der AZ-Wiesn-Reporter. Bei dürftigen Lichtverhältnissen Farbunterschiede erkennen? Bis auf das eindeutig dunklere Hacker-Pschorr sehen die goldgelben Biere in den Gläsern fast identisch aus. Und auch den geschmacklichen Unterschied zwischen "elegant malzbetont" und "ausgeprägt malzaromatisch" zu erkennen, ist keine leichte Aufgabe.

Letztlich gelingt es aber doch dem einen oder anderen Anwesenden, die Biere richtig zuzuordnen. Mit Wiesn-Wissen glänzt dabei Peter Inselkammer, Sprecher der Wiesnwirte. Er wird zum Gesamtsieger des Abends und darf ein Tragerl mit allen Bieren sowie einen Preis seiner Wahl mit nach Hause nehmen.
Braumeister stellen ihre Kreationen vor
Die Wirte und freilich auch die Braumeister sind natürlich voreingenommen, wenn es um die Frage geht, welches Bier am Ende der Geschmackssieger des Abends ist. Auch der AZ-Reporter kann und möchte sich nicht festlegen. Letztlich ist es ohnehin egal, welches Bier das vermeintlich beste ist. Fest steht: Ab nächster Woche werden von allen sechs Sorten wieder Millionen Liter in die Krüge fließen.
Und so beschreiben die Braumeister der sechs Brauereien ihre Kreationen:
Augustiner
"Leuchtend strohgelb" strahle das Augustiner-Wiesnbier im Glas. Für Augustiner-Braumeister Andreas Brunner gehört die sehr helle Farbe – die hellste aller Oktoberfestbiere – zu den wichtigsten Merkmalen. Drei Hopfengaben sorgen beim Augustiner für ein "würzig-blumiges Hopfenaroma". Zudem beschreibt Brunner sein Werk als das Wiesnbier mit der mildesten und weichsten Bittere und einem schlanken Malzcharakter. Der sorge dafür, dass es beim Augustiner "physikalisch gesehen fast keinen Trinkwiderstand" gebe, resümiert der Braumeister erheitert.
Stammwürze: 13,8 Prozent; Alkohol: 6,3 Prozent
Hacker-Pschorr
Während das Augustiner mit seiner sehr hellen Farbe heraussticht, ist das Hacker-Wiesnbier eindeutig das dunkelste von allen. "Bernsteinfarben-golden" lautet die offizielle Farbbeschreibung. Noch wichtiger als die Farbe ist allerdings: "Der Trinkfluss von dem Bier ist brutal", wie Braumeister Max Mirlach sagt. Es geht aber auch etwas detailreicher: Das Hacker soll mit einem ausgeprägten Malzaroma punkten, das durch den hohen Anteil an Münchner Malz entsteht. Eine deutliche, feinherbe Hopfenbittere präge das Hacker-Bier, die man zugleich "gscheid ausbalanciert" bekommen habe, so Mirlach.
Stammwürze: 13,7 Prozent; Alkohol: 5,9 Prozent
Hofbräu
"Wir sind nicht die Hellsten, aber auch nicht ganz die Dunkelsten", sagt Sebastian Utz, Braumeister bei Hofbräu, und meint seine "strahlend goldgelbe" Wiesnbier-Kreation. Der Geruch erinnere ihn an den Zwetschgenbaum seines Opas, der einen einzigen Zweig gelber Früchte hatte. Nach dem ersten Schluck folge der "süße, vollmundige Körper", eine "erfrischende Süffigkeit" mit einer "kräuterigen, zugleich fruchtigen" Hopfennote. Der zweite Schluck sorge für "Wärme im Bauch", die "Aktivierung des Belohnungszentrums im Hinterkopf" und das "Hochziehen der Mundwinkel".
Stammwürze: 13,7 Prozent; Alkohol: 6 Prozent

Löwenbräu
Nicht besonders sein wollen, keine künstliche Show, sondern authentisch sein, so beschreibt Löwenbräu-Braumeister Max Hübner Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp – und sein Oktoberfestbier. "Das sind genau die Attribute, die irgendwo ein gutes Wiesnbier ausmachen", sagt er. Auf allerhöchstem Niveau und mit Charakter sei das Löwenbräu. "Am Gaumen wunderbar ausbalanciert", dazu eine "charaktervolle, deutliche und blumige Hopfennote". Die Farbe wird als "leuchtend goldgelb" beschrieben. Am wichtigsten ist laut Hübner aber, dass das Bier Spaß bringt, Erinnerungen schafft und für einen wunderbaren Abend sorgt.
Stammwürze: 13,7 Prozent; Alkohol: 6,1 Prozent
Paulaner
Das Goldgelb des Paulaner-Wiesnbieres ist nicht "leuchtend", "strahlend" oder "kräftig", sondern "sonnig". Man sei ein "Vertreter der Tradition", sagt Braumeister Christian Dahncke. Vier Wochen Lagerung bei einem Grad unter null sorgen für besondere Bekömmlichkeit, erklärt Dahncke: "Paulaner ist das Bier ohne Reue – da geht schon mal a Maß mehr." Dazu kommt ein sehr dezentes Hopfenaroma, das erst nach dem zweiten und dritten Schluck hervortrete. Weiter: elegant malzbetont. Alles in allem ein Bier, "das gleichzeitig gesellig macht, durstig macht und glücklich macht".
Stammwürze: 13,6 Prozent; Alkohol: 5,9 Prozent

Spaten
Der Schaum steht – auch nachdem sich seine fünf Kollegen ganz schön Zeit mit der Vorstellung gelassen haben –, betont Spaten-Braumeister Thomas Kreutz. Weniger Obstkorb, dafür "malzige Karamellnoten" steigen beim Spaten-Wiesnbier in die Nase. Beim ersten Schluck sei man "auf der süßeren Seite", bei gleichzeitig im Hintergrund eingebettetem Hopfenaroma. Im Abgang lasse die Malzsüße dann nach und sorge dafür, "dass wir gleich den nächsten Schluck trinken möchten".
Stammwürze: 13,7 Prozent; Alkohol: 5,9 Prozent

