CSU kritisiert Aiwangers Vorstoß der Mini-Wiesn deutlich

Die Wiesn 2020 wurde offiziell abgesagt, dennoch plädiert Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) für eine kleine Ersatz-Gedenk-Wiesn. Kritik und deutliche Worte gibt es dafür jetzt vom Koalitionspartner.
| AZ/dpa
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Clemens Baumgärtner von der CSU.
Clemens Baumgärtner von der CSU. © privat

MünchenAuch nach der Absage des Oktoberfests durch Staatsregierung und Stadt München will Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) die Hoffnung nicht ganz aufgeben. Er plädierte in der "Bild"-Zeitung am Mittwoch für eine abgespeckte Mini-Wiesn. Die Wiesn-Absage hinterlasse "tiefe Kratzer auf der bayerischen Volksseele", zitiert die Zeitung Aiwanger. "Ich bin unbedingt dafür, sich jetzt den Kopf darüber zu zerbrechen, wie wir eine kleine Ersatz-Gedenk-Wiesn angehen können." Voraussetzung sei, dass sich die Lage weiter entspanne.

Söder: "Irgendwelche Kleinfeste oder Halbalternativen bringen nichts"

Allerdings steht Aiwanger mit seinem Vorschlag allein auf weiter Flur. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wie auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatten derartigen Überlegungen am Dienstag schon eine Absage erteilt. Man sei sich einig, dass "irgendwelche Kleinfeste" oder "Halbalternativen" nichts brächten, sagte Söder. "Die Wiesn ist richtig oder gar nicht."

Ähnlich hatten sich auch Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU) und die Wiesnwirte geäußert. "Die Veranstaltung eines Notfestes würde die Marke Oktoberfest nachhaltig beschädigen. Das Gesamtkunstwerk Oktoberfest gibt es entweder ganz – oder gar nicht", sagte Baumgärtner. Wirtesprecher Christian Schottenhamel sagte: "Ein Oktoberfest light war für uns nie eine Option." Sein Kollege Peter Inselkammer betonte, er könne sich halb leere Bierzelte nicht vorstellen. Das schade der Stimmung und damit dem Image des Festes.

Clemens Baumgärtner von der CSU.
Clemens Baumgärtner von der CSU. © privat

CSU: Aiwanger soll sich um Wirtschaft statt um Feste kümmern

Reichlich Kritik gab es jetzt direkt vom Koalitionspartner, der CSU. Es knirscht gewaltig zwischen den Partnern. CSU-Generalsekretär Markus Blume ging Aiwanger am Donnerstag direkt an: Es sollten sich alle "auf die Kernaufgaben in ihrem Ressort" konzentrieren, sagte Blume. Mit Blick auf Aiwanger fügte der CSU-Generalsekretär hinzu, anstatt über den Bestand von Festen zu philosophieren, solle er sich lieber wirklich um die Belange der bayerischen Wirtschaft kümmern. Das sei für den Erhalt von Hunderttausenden Arbeitsplätzen zentral.

Aiwanger widersprach am Abend: "Das Gastgewerbe mit einer halben Million Arbeitsplätzen gehört zur bayerischen Wirtschaftspolitik, wenn das jemandem noch nicht klar sein sollte", betonte er. Außerdem hoffe er, dass ihm die CSU dabei helfe, beim nächsten Kanzlergespräch eine weitere Öffnung des Handels durchzusetzen.

Schausteller fordern Rettungsschirm und Alternativen

Nach der Absage des Oktoberfestes und anderer Volksfeste fordern die Schausteller einen Rettungsschirm für die Branche. Die finanzielle Situation der Schausteller sei dramatisch, sagte der Präsident des Deutschen Schaustellerbunds, Albert Ritter, dem Bayerischen Rundfunk am Mittwoch. "Wenn von staatlicher Seite ein Berufsausübungsverbot ausgesprochen wird, dann muss auch von staatlicher Seite geholfen werden." Ritter forderte außerdem zu prüfen, ob kleinere Volksfeste im späteren Jahresverlauf nicht doch möglich seien.

Auch der Süddeutsche Schaustellerverband sprach sich gegen ein generelles Aus für Volksfeste aus. Stattdessen könnte man sozusagen temporäre Freizeitparks errichten, die familienfreundlich seien, sagte der Verbandsvorsitzende Lorenz Kalb den "Nürnberger Nachrichten" (Mittwoch). "Natürlich ohne Eintritt. Mit deutlich verbreiterten Besucherstraßen und gesteuertem Zugang zu den einzelnen Betrieben."

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