Ausstellung im Jüdischen Museum: Warum uns die Wiesn gefehlt hat

Das Jüdische Museum widmet eine Ausstellung der ewigen Faszination Oktoberfest.
| Felix Müller
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Stolze Münchnerinnen unter der Bavaria: (v.l.) Valeriya, Dora, Naomi, Yael, Elena.
Stolze Münchnerinnen unter der Bavaria: (v.l.) Valeriya, Dora, Naomi, Yael, Elena. © Lydia Bergida

München - Die Wiesn-Zeit geht an diesem Wochenende zu Ende. Was für ein komisches Gefühl, heuer, da es ja gar keine Wiesn gab.

Wer trotzdem noch Lust auf ein wenig Wiesn hat, dem sei die sehenswerte Ausstellung "Judn ohne Wiesn - Begegnungen mit Münchnerinnen und Münchnern in Tracht" mit Fotos von Lydia Bergida empfohlen, in der etliche Münchner von ihrem ganz besonderen Bezug zum Fest erzählen - und in tollen Porträts in Tracht gezeigt werden.

Bier - vor allem aber in Schokolade getunkte Erdbeeren

Elena: "Die Menschen, die sich zutrinken, sind in ihrem Alltag wahrscheinlich einfach viel zu oft viel zu kontrolliert. Irgendwann bricht es aus ihnen heraus."
Naomi: "Bei mir ist das so: Ich trinke einmal im Jahr Bier. Und das ist eben auf der Wiesn, Vor allem aber hole ich mir gerne in Schokolade getunkten Erdbeeren. Früher bin ich immer mit der Achterbahn gefahren. Seit ein paar Jahren mache ich das nicht mehr. Mir wird da jetzt einfach immer schlecht."
Dora: "Auch wenn es auf der Wiesn vor allem bayerisch zugeht, möchte ich zeigen, dass ich Jüdin bin. Ich ziehe mein Dirndl an - und dazu die Davidstern-Kette. Ich lebe fast mein ganzes Leben in München, aber das Jüdische bleibt ein Teil von mir. Außerdem finde ich, dass der Stern ausgesprochen gut zu meinem Dirndl passt."
Yael: "Was ich auf der Wiesn normal jedes Jahr mit Interesse beobachte, ist, dass viele den Alkohol brauchen, um ausgelassen zu sein. Eigentlich traurig, oder?"

Roman war schon als kleiner Junge mit einer Lederhosn unterwegs.
Roman war schon als kleiner Junge mit einer Lederhosn unterwegs. © Lydia Bergida

Endlich wieder eng zusammensitzen

Roman: "Im Grunde könnte man meinen, dass die Wiesn eine jüdische Erfindung ist. Man sieht sich endlich wieder, sitzt eng zusammen, redet viel, und Essen und Trinken ist eh das wichtigste jüdische Thema überhaupt. Was allerdings schon ein bisschen ärgerlich ist und gegen den jüdischen Ursprung der Wiesn spricht, ist, dass unser Jom Kippur meistens mitten in der Wiesnzeit liegt."

Für Michi sind Lederhosn inzwischen fast Pflicht
Für Michi sind Lederhosn inzwischen fast Pflicht © Lydia Bergida

Michi: „Ich bin, was man ein echtes Münchner Kindl nennt. Ich bin mit der Wiesn aufgewachsen. Was die Kleidung anbelangt, muss ich sagen, dass ich nicht von Anfang an in Lederhosn gegangen bin. Das
war damals auch gar nicht üblich gewesen. Da hat man ein Trachtenjankerl hingetan, darunter ein T-Shirt, dazu eine Jeans und Sportschuhe, fertig. Das mit der Lederhosn und allem, was noch dazugehört, kam erst später, und irgendwann war es fast eine Pflicht.“

Extra für die Wiesn geschneidert

Esther fühlt sich als jüdische Münchnerin.
Esther fühlt sich als jüdische Münchnerin. © Lydia Bergida

Esther: "Was ich hier trage, ist ein elegantes Trachtenkostüm, extra für die Wiesn geschneidert. Ich habe das entworfen und dann machen lassen. Ich war ja mal Geschäftsführerin und dann musste ich was darstellen. Das der halbe Busen raushängt, das geht ja nicht. Würde ich auch als jüdische Frau nie machen. Das passt nicht."

Steckerlfisch oder Hendl gibt es immer

Ischo: "Bayerisch sein und jüdisch sein, das geht wunderbar zusammen. Schlendern wir über die Wiesn, gibt es immer Steckerlfisch oder Hendl. Ich geh am liebsten ins Augustiner und trink da den Edelstoff. Wenn du irgendein jüdisches Symbol auf der Wiesn trägst, weißt du genau, du wirst angepöbelt. Wenn ich auf die Wiesn gehe, hänge ich keinen Davidstern um."
Ruth: "Manchmal ist mir der Trubel auf der Wiesn zu viel, zu laut. Deshalb gehen wir meistens auf die Mittagswiesn. Da ist es einfach noch viel ruhiger."

Isak (Ischo) und Ruth ist der Trubel auf der Wiesn manchmal zu viel.
Isak (Ischo) und Ruth ist der Trubel auf der Wiesn manchmal zu viel. © Lydia Bergida

Bis 18. Oktober, St.-Jakobs-Platz 16, täglich außer Montag 10 Uhr bis 18 Uhr

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