Münchner Boazn-Wirte fordern: Gebt der Gastro im Freien eine Chance!

Mit einer großen Protest-Aktion an der Bavaria machen die Wirte kleinerer Gaststätten auf ihre Lage aufmerksam. In der AZ berichten sie, wo ihre Probleme liegen – und was sie jetzt von der Politik fordern.
| Irene Kleber Eva von Steinburg
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Aufstand mit Abstand: Münchner Wirte am Mittwoch bei der Protest-Aktion unter der Bavaria.
Aufstand mit Abstand: Münchner Wirte am Mittwoch bei der Protest-Aktion unter der Bavaria. © Bernd Wackerbauer

München - Kleine Boazn-Wirte demonstrieren an der Theresienwiese – und wünschen sich, die Freischankflächen jetzt öffnen zu dürfen.

Eigentlich wär bestes Schanigarten-Wetter an diesem Mittwochmittag, zumindest eins für launige Mittagsschorlen oder ein Stehbier vor der Lieblings-Boazn: 19 Grad, Sonne und blitzblauer Himmel über der Theresienwiese. Und was geht? Nix geht. Noch immer sind die Kneipen und Freischankflächen zu.

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Motto: "Ohne uns wird's trocken"

Vor allem die rund 500 kleinen Münchner Wirte, die die Stammkneipen am Eck, die Craftbier-Bars, Cafés und Nachtboazn betreiben (oft ohne Essen und To-go-Geschäft), fühlen sich vergessen bei den Öffnungsstrategiedebatten. Jetzt glangt's! Sie wollen Freischankflächen öffnen und wieder da sein für ihre Münchner – oder zumindest wahrgenommen werden.

Um das zu demonstrieren, haben die jungen Wirte Maximilian Heisler (Geyerwally) und Tilman Ludwig (Frisches Bier) rund 30 Kollegen vor allem aus der Nacht-Szene an die Bavaria gerufen, Motto "Ohne uns wird's trocken". Ein Forderungspaket gibt es nicht, weil jeder mit anderen Widrigkeiten kämpft. Die AZ hat nachgefragt – welche Probleme die Wirte haben, sehen Sie in der folgenden Bilderserie.

Aufstand mit Abstand: Münchner Wirte am Mittwoch bei der Protest-Aktion unter der Bavaria.
© Bernd Wackerbauer
Aufstand mit Abstand: Münchner Wirte am Mittwoch bei der Protest-Aktion unter der Bavaria.
Maximilian Heisler (34) führt die Geyerwally im Glockenbachviertel. Mit Tilman Ludwig-Munzig (36) betreibt er auch die Bar Frisches Bier im Schlachthofviertel und die Bierkiste, die Getränkemarkt und Kneipe in einem ist. Was Tilman Ludwig-Munzig ärgert: "Sonntags sehen wir von der Bierkiste aus auf die Andreaskirche, da stehen Trauben von Menschen. Wie kann es sein, dass die Politik Menschenmengen in Kirchen und im ÖPNV erlaubt, also viele Ausnahmen macht? Was soll das, wenn das Virus uns niedermäht? Gleichzeitig muss die Außengastro zubleiben, obwohl wir Wirte auf Abstandsregeln achten können? Das macht keinen Sinn." Max Heisler: "Ich will mehr Sensibilität im Rathaus und vom OB - für die Lage für uns kleinen Wirte, gerade die der Nacht-Kneipen. Man betrachtet uns, anders als die großen Brauereiwirte, offenbar als Spaßvereine, als Paradiesvögel, sie haben uns nicht auf dem Schirm. Obwohl wir es sind, die Lebensfreude in die Stadt bringen, wir sind essenziell für die Psyche dieser Stadt. Da kann man etwa eine Entscheidung über Schanigärten nicht auf irgendwann vertagen."
© Bernd Wackerbauer
Maximilian Heisler (34) führt die Geyerwally im Glockenbachviertel. Mit Tilman Ludwig-Munzig (36) betreibt er auch die Bar Frisches Bier im Schlachthofviertel und die Bierkiste, die Getränkemarkt und Kneipe in einem ist. Was Tilman Ludwig-Munzig ärgert: "Sonntags sehen wir von der Bierkiste aus auf die Andreaskirche, da stehen Trauben von Menschen. Wie kann es sein, dass die Politik Menschenmengen in Kirchen und im ÖPNV erlaubt, also viele Ausnahmen macht? Was soll das, wenn das Virus uns niedermäht? Gleichzeitig muss die Außengastro zubleiben, obwohl wir Wirte auf Abstandsregeln achten können? Das macht keinen Sinn." Max Heisler: "Ich will mehr Sensibilität im Rathaus und vom OB - für die Lage für uns kleinen Wirte, gerade die der Nacht-Kneipen. Man betrachtet uns, anders als die großen Brauereiwirte, offenbar als Spaßvereine, als Paradiesvögel, sie haben uns nicht auf dem Schirm. Obwohl wir es sind, die Lebensfreude in die Stadt bringen, wir sind essenziell für die Psyche dieser Stadt. Da kann man etwa eine Entscheidung über Schanigärten nicht auf irgendwann vertagen."
Philipp Jüngling (43), Wirt des Japaners Usagi in der Thalkirchner Straße: "Seit fünf Jahren sind wir eine Anlaufstelle. Ich mag den Hospitality-Gedanken, das Gastgebersein. Unsere Kunden haben Nachholbedarf und reden sich beim Abholen viel von der Seele. Aber so macht es keinen Spaß. Das Restaurant zulassen ist aber auch keine Option. Kostendeckend ist es natürlich nicht, wenn wir mit Lieferservice und Straßenverkauf im Moment 25 Prozent unseres Umsatzes machen. Aber besser als nichts. Ich fordere ein Öffnungsdatum für die Gastronomie in München und den Erhalt von Schanigärten. Das ist lebenserhaltend. Für meine Motivation muss ich wissen, wann ich wieder öffnen darf. Ich sehe die Leute in Parks und an der Isar in Massen herumhängen - und die absurd volle S-Bahn. Es wäre verantwortlicher, auf Schanigärten mit wenigen Tischen zu setzen. Das ist besser, als wenn sich Leute mit Take-aways auf eine Bank quetschen oder in eine WG. Felix Kammerer (31), Restaurantleiter: "Der Frust ist groß. Eine Täglich-grüßt-das-Murmeltier-Geschichte - eintönig und anstrengend."
© Bernd Wackerbauer
Philipp Jüngling (43), Wirt des Japaners Usagi in der Thalkirchner Straße: "Seit fünf Jahren sind wir eine Anlaufstelle. Ich mag den Hospitality-Gedanken, das Gastgebersein. Unsere Kunden haben Nachholbedarf und reden sich beim Abholen viel von der Seele. Aber so macht es keinen Spaß. Das Restaurant zulassen ist aber auch keine Option. Kostendeckend ist es natürlich nicht, wenn wir mit Lieferservice und Straßenverkauf im Moment 25 Prozent unseres Umsatzes machen. Aber besser als nichts. Ich fordere ein Öffnungsdatum für die Gastronomie in München und den Erhalt von Schanigärten. Das ist lebenserhaltend. Für meine Motivation muss ich wissen, wann ich wieder öffnen darf. Ich sehe die Leute in Parks und an der Isar in Massen herumhängen - und die absurd volle S-Bahn. Es wäre verantwortlicher, auf Schanigärten mit wenigen Tischen zu setzen. Das ist besser, als wenn sich Leute mit Take-aways auf eine Bank quetschen oder in eine WG. Felix Kammerer (31), Restaurantleiter: "Der Frust ist groß. Eine Täglich-grüßt-das-Murmeltier-Geschichte - eintönig und anstrengend."
Greg E. Fransson (44), Wirt im Hopdog, Bierbar mit fränkischem Fassbier in der Au: "Ich bin wütend. Auf bairisch gesagt, dieses 'Ja mei' reicht nicht mehr. Der Politik fehlt Vernunft. Die Aerosolforschung hat gezeigt, das draußen die Ansteckungsgefahr sehr gering ist. Wieso dürfen wir dann nicht draußen öffnen mit Hygienekonzept? Friseure und die Fußpflege dürfen im Innenraum arbeiten - mit weniger Abstand. An der Isar und am Gärtnerplatz kann jeder sehen, dass nicht nur Leute aus zwei Haushalten zusammensitzen, sondern große Gruppen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und wir alle leiden! Jetzt frage ich die Politik: Ist die Luft auf meiner Terrasse anders als am Isarufer? Nein!"
© Daniel Loeper
Greg E. Fransson (44), Wirt im Hopdog, Bierbar mit fränkischem Fassbier in der Au: "Ich bin wütend. Auf bairisch gesagt, dieses 'Ja mei' reicht nicht mehr. Der Politik fehlt Vernunft. Die Aerosolforschung hat gezeigt, das draußen die Ansteckungsgefahr sehr gering ist. Wieso dürfen wir dann nicht draußen öffnen mit Hygienekonzept? Friseure und die Fußpflege dürfen im Innenraum arbeiten - mit weniger Abstand. An der Isar und am Gärtnerplatz kann jeder sehen, dass nicht nur Leute aus zwei Haushalten zusammensitzen, sondern große Gruppen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Und wir alle leiden! Jetzt frage ich die Politik: Ist die Luft auf meiner Terrasse anders als am Isarufer? Nein!"
Joe (45) und Sandra (42) Sorrento führen seit 17 Jahren die Ideal-Espresso-Bar in der Fußgängerzone der Weißenburger Straße in Haidhausen: "Es ist absurd, wir sehen 60 Meter von uns weg, am Weißenburger Platz, Trauben von Menschen sitzen, oft ohne Abstand. Die würden viel sicherer bei uns auf den Biergartenplätzen sitzen, mit Hygieneregeln und Registrierung. Wir sollten sofort aufmachen dürfen! Stattdessen stehen wir jetzt zwölf Stunden am Tag im Café, um fürs To-go-Geschäft Marmelade selber zu machen und Brot zu backen. Noch was Absurdes? Bitte: Wir hatten einen Schanigarten beantragt, damit wir erweitern können. Geht nur, wenn wir 12.000 Euro "Stellplatzablöse" zahlen. Das Geld haben wir nicht, also haben wir den Antrag zurückgezogen. Fürs Bearbeiten des Rückzugs hat das Planungsreferat eine Rechnung über 80 Euro geschickt. Im Ernst?"
© Bernd Wackerbauer
Joe (45) und Sandra (42) Sorrento führen seit 17 Jahren die Ideal-Espresso-Bar in der Fußgängerzone der Weißenburger Straße in Haidhausen: "Es ist absurd, wir sehen 60 Meter von uns weg, am Weißenburger Platz, Trauben von Menschen sitzen, oft ohne Abstand. Die würden viel sicherer bei uns auf den Biergartenplätzen sitzen, mit Hygieneregeln und Registrierung. Wir sollten sofort aufmachen dürfen! Stattdessen stehen wir jetzt zwölf Stunden am Tag im Café, um fürs To-go-Geschäft Marmelade selber zu machen und Brot zu backen. Noch was Absurdes? Bitte: Wir hatten einen Schanigarten beantragt, damit wir erweitern können. Geht nur, wenn wir 12.000 Euro "Stellplatzablöse" zahlen. Das Geld haben wir nicht, also haben wir den Antrag zurückgezogen. Fürs Bearbeiten des Rückzugs hat das Planungsreferat eine Rechnung über 80 Euro geschickt. Im Ernst?"
Eng stehen, feiern, Freunde finden, so war das zwei Jahre lang in der Cocktail-Kneipe Schwarzer Dackel im Westend – bis Corona kam. Wirt David Metz (33) hat jetzt über ein Jahr zugesperrt: "Es war gerade alles gut abbezahlt, der Laden war voll bis zur letzten Runde. Wir haben sogar zwei Tage früher zugesperrt als wir mussten im ersten Lockdown, um sicher zu gehen, dass sich keiner ansteckt. Im Sommer öffnen, das hat nichts gebracht, wir haben keine Außenflächen, und to-go verkaufe ich Drinks aus Prinzip nicht, weil das nur Lärm für die Nachbarn bedeuten würde und sich Leute vorm Lokal versammeln. Sicher, bei mir sind Hilfen angekommen, der Staat macht schon was. Ich finde aber, er sollte jetzt einmal richtig durchgreifen, richtig alles runterfahren, damit der Irrsinn aufhört, und wir wieder wie früher aufmachen können. Nicht immer dieses halbe Auf und Zu. Die Stille des Coronajahrs habe ich genützt, um eine Sommelier-Ausbildung zu machen. Nichts tun geht nicht für einen Wirt."
© Daniel Loeper
Eng stehen, feiern, Freunde finden, so war das zwei Jahre lang in der Cocktail-Kneipe Schwarzer Dackel im Westend – bis Corona kam. Wirt David Metz (33) hat jetzt über ein Jahr zugesperrt: "Es war gerade alles gut abbezahlt, der Laden war voll bis zur letzten Runde. Wir haben sogar zwei Tage früher zugesperrt als wir mussten im ersten Lockdown, um sicher zu gehen, dass sich keiner ansteckt. Im Sommer öffnen, das hat nichts gebracht, wir haben keine Außenflächen, und to-go verkaufe ich Drinks aus Prinzip nicht, weil das nur Lärm für die Nachbarn bedeuten würde und sich Leute vorm Lokal versammeln. Sicher, bei mir sind Hilfen angekommen, der Staat macht schon was. Ich finde aber, er sollte jetzt einmal richtig durchgreifen, richtig alles runterfahren, damit der Irrsinn aufhört, und wir wieder wie früher aufmachen können. Nicht immer dieses halbe Auf und Zu. Die Stille des Coronajahrs habe ich genützt, um eine Sommelier-Ausbildung zu machen. Nichts tun geht nicht für einen Wirt."
Sieben Jahre schon betreibt Gianluca Massa (45) seine Ambar-Bistro-Craftbierbar mit neapolitanischer Küche in Obergiesing: "Letzten Sommer konnte ich keinen Schanigarten beantragen, weil die Tegernseer Landstraße 50er-Zone war. Jetzt ist bei mir vor der Tür Tempo 30 - ich bekomme trotzdem keinen Schanigarten genehmigt. Die Begründung ist absurd: Weil vor meinem Lokal auf zwei Parkplätzen eine Lieferzone sei, die wird angeblich gebraucht, damit die Cafés in der Tela Ware anliefern lassen können. Welche Cafés, es ist alles zu! Und könnte man die Lieferzone nicht ein paar Meter verschieben, weg von meiner Tür? Bis Corona ist mein Lokal mit innen 20 und draußen sechs Plätzen toll gelaufen. Jetzt halten wir uns über Wasser, indem wir freitags Essen to-go anbieten. Bitte, kann ich für den Sommer draußen 15 Plätze haben? Dann könnten wir auch überleben."
© Bernd Wackerbauer
Sieben Jahre schon betreibt Gianluca Massa (45) seine Ambar-Bistro-Craftbierbar mit neapolitanischer Küche in Obergiesing: "Letzten Sommer konnte ich keinen Schanigarten beantragen, weil die Tegernseer Landstraße 50er-Zone war. Jetzt ist bei mir vor der Tür Tempo 30 - ich bekomme trotzdem keinen Schanigarten genehmigt. Die Begründung ist absurd: Weil vor meinem Lokal auf zwei Parkplätzen eine Lieferzone sei, die wird angeblich gebraucht, damit die Cafés in der Tela Ware anliefern lassen können. Welche Cafés, es ist alles zu! Und könnte man die Lieferzone nicht ein paar Meter verschieben, weg von meiner Tür? Bis Corona ist mein Lokal mit innen 20 und draußen sechs Plätzen toll gelaufen. Jetzt halten wir uns über Wasser, indem wir freitags Essen to-go anbieten. Bitte, kann ich für den Sommer draußen 15 Plätze haben? Dann könnten wir auch überleben."
Alexa Steinke (39) betreibt mit ihrer Schwester Laura (34) seit letztem Sommer das Bauwagen-Café Steinchen in Laim: "Wir haben so viele Monate gekämpft, das brachliegende Grundstück in Laim von der Stadt pachten zu dürfen und viel in die Bauwagen und Container investiert. Dann lief es super letzten Sommer. Als Outdoor-Café sind wir ja ein perfektes Pandemiecafé mit viel Abstandsmöglichkeiten unter freiem Himmel. Bei uns kommt jeder gerne: junge Leute, Eltern mit Kindern, die Rentner aus der Nachbarschaft, einfach schön. Die Leute lieben unsere bayerischen Tapas in Gläschen, die Salate, die Kuchen. Vier Monate waren wir ab Juli offen. Dann war alles vorbei. Wir haben anfangs ein To-go-Geschäft versucht, aber das lohnt sich nicht bei uns. Jetzt sind acht Aushilfen ohne Jobs, wir müssen trotzdem die Betriebskosten weiter zahlen, die Blumen gießen, die Buchhaltung machen. Und den Abwasserkanal abzahlen, den wir haben legen lassen. Trotzdem leben wir noch, weil wir Hilfen bekommen haben und Rücklagen hatten. Aber wir wollen arbeiten. Wir könnten die Außengastro sofort aufmachen! Die Leute können bei uns viel geschützter sitzen als ohne Hygieneregeln irgendwo im Park. Die Außengastro geschlossen zu lassen, macht doch überhaupt keinen Sinn."
© Bernd Wackerbauer
Alexa Steinke (39) betreibt mit ihrer Schwester Laura (34) seit letztem Sommer das Bauwagen-Café Steinchen in Laim: "Wir haben so viele Monate gekämpft, das brachliegende Grundstück in Laim von der Stadt pachten zu dürfen und viel in die Bauwagen und Container investiert. Dann lief es super letzten Sommer. Als Outdoor-Café sind wir ja ein perfektes Pandemiecafé mit viel Abstandsmöglichkeiten unter freiem Himmel. Bei uns kommt jeder gerne: junge Leute, Eltern mit Kindern, die Rentner aus der Nachbarschaft, einfach schön. Die Leute lieben unsere bayerischen Tapas in Gläschen, die Salate, die Kuchen. Vier Monate waren wir ab Juli offen. Dann war alles vorbei. Wir haben anfangs ein To-go-Geschäft versucht, aber das lohnt sich nicht bei uns. Jetzt sind acht Aushilfen ohne Jobs, wir müssen trotzdem die Betriebskosten weiter zahlen, die Blumen gießen, die Buchhaltung machen. Und den Abwasserkanal abzahlen, den wir haben legen lassen. Trotzdem leben wir noch, weil wir Hilfen bekommen haben und Rücklagen hatten. Aber wir wollen arbeiten. Wir könnten die Außengastro sofort aufmachen! Die Leute können bei uns viel geschützter sitzen als ohne Hygieneregeln irgendwo im Park. Die Außengastro geschlossen zu lassen, macht doch überhaupt keinen Sinn."
Christiane Zabler (53), Wirtin der Fortuna-Cafébar in der Metzstraße in Haidhausen und der Polka: "Die Industrie läuft weiter. Die Gastronomie und der Einzelhandel schließen. Ich kann das nicht nachvollziehen und fühle mich ungerecht behandelt. Mein Café und die Lokale in Haidhausen sind gut für München und beleben die Stadt. Die Politik macht jedoch, dass man sich ersetzbar fühlt, nach der Regel: Geht ein Lokal pleite, kommt das nächste Lokal. Ich hatte vor einem Jahr 13 Mitarbeiter in meinem Café. Die Angestellten sind nun auf 60 Prozent Kurzarbeit. Die Minijobber konnte ich nicht halten. Sie warten, bis es endlich wieder losgeht. Macht bald die Schanigärten auf! Ich habe täglich geöffnet, verkaufe Panini und Kaffee. Allerdings mache ich aber nur 30 Prozent des normalen Umsatzes."
© Bernd Wackerbauer
Christiane Zabler (53), Wirtin der Fortuna-Cafébar in der Metzstraße in Haidhausen und der Polka: "Die Industrie läuft weiter. Die Gastronomie und der Einzelhandel schließen. Ich kann das nicht nachvollziehen und fühle mich ungerecht behandelt. Mein Café und die Lokale in Haidhausen sind gut für München und beleben die Stadt. Die Politik macht jedoch, dass man sich ersetzbar fühlt, nach der Regel: Geht ein Lokal pleite, kommt das nächste Lokal. Ich hatte vor einem Jahr 13 Mitarbeiter in meinem Café. Die Angestellten sind nun auf 60 Prozent Kurzarbeit. Die Minijobber konnte ich nicht halten. Sie warten, bis es endlich wieder losgeht. Macht bald die Schanigärten auf! Ich habe täglich geöffnet, verkaufe Panini und Kaffee. Allerdings mache ich aber nur 30 Prozent des normalen Umsatzes."
Xaver Amler (33), Wirt der Freisinger Bierkneipe Sammamera und Isarkindl-Inhaber: "Gemischte Gefühle habe ich in diesen Zeiten. Für viele von uns ist es eine wirtschaftliche Gratwanderung. Ich weiß noch nicht, ob es sich lohnt, in die Außengastronomie, in Schani- oder Biergarten zu investieren. Wenn Fördergelder nicht ankommen, dann könnte es passieren, dass ich im Herbst pleite bin. Wenn wir uns nicht wehren, dann kann es bald zu spät für uns sein, weil wir womöglich den Betrieb schließen müssen. Mein Wunsch ist, dass die Politik der Gastronomie ähnlich wie den Firmen mehr zutraut. Wir haben gute Hygienekonzepte und Systeme, um Kontakte nachzuverfolgen. Bitte öffnet draußen."
© Daniel Loeper
Xaver Amler (33), Wirt der Freisinger Bierkneipe Sammamera und Isarkindl-Inhaber: "Gemischte Gefühle habe ich in diesen Zeiten. Für viele von uns ist es eine wirtschaftliche Gratwanderung. Ich weiß noch nicht, ob es sich lohnt, in die Außengastronomie, in Schani- oder Biergarten zu investieren. Wenn Fördergelder nicht ankommen, dann könnte es passieren, dass ich im Herbst pleite bin. Wenn wir uns nicht wehren, dann kann es bald zu spät für uns sein, weil wir womöglich den Betrieb schließen müssen. Mein Wunsch ist, dass die Politik der Gastronomie ähnlich wie den Firmen mehr zutraut. Wir haben gute Hygienekonzepte und Systeme, um Kontakte nachzuverfolgen. Bitte öffnet draußen."
Leon Otremba (30), Bar-Chef vom Frisches Bier: "Ich bin erschöpft. Die Ansteckungsgefahr ist draußen kaum da, trotzdem sind Freischankmöglichkeiten mit Schanigärten noch nicht möglich. Es braucht Perspektiven für uns. Mein Wunsch ist es, konkrete und nachvollziehbare Ansagen zu bekommen. Seitens des KVR hatten wir ein Pfandsystem zur Umsetzung angefragt und bewilligt bekommen. Eine Woche später kam die Polizei. Die Regeln sind zu unübersichtlich."
© Daniel Loeper
Leon Otremba (30), Bar-Chef vom Frisches Bier: "Ich bin erschöpft. Die Ansteckungsgefahr ist draußen kaum da, trotzdem sind Freischankmöglichkeiten mit Schanigärten noch nicht möglich. Es braucht Perspektiven für uns. Mein Wunsch ist es, konkrete und nachvollziehbare Ansagen zu bekommen. Seitens des KVR hatten wir ein Pfandsystem zur Umsetzung angefragt und bewilligt bekommen. Eine Woche später kam die Polizei. Die Regeln sind zu unübersichtlich."
Xenya Jäger (34), Wirtin vom Sehrwohl, Café und Bar in der Westendstraße: "Letztes Jahr hatte ich 30 Außenplätze. Jetzt möchte ich dringend aufsperren. Beim Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe habe ich dafür ein Konzept eingereicht von zwölf Seiten, denn der Mai ist ein Monat, der gut laufen könnte. Wenn wir nicht bald aufsperren, gibt es uns vielleicht am Ende des Jahres nicht mehr. Samstag und Sonntag bieten wir Kuchen, Sandwiches und Spritz. Unser schlechtester Tagesumsatz waren 20 Euro bei einer Öffnung von über vier Stunden. Da lohnt sich das Aufstehen doch nicht. Dafür lohnt es sich nicht, den Lichtschalter anzumachen und die Kaffeemaschine. Die Gastronomie wird geopfert, dabei können wir die Gäste nachverfolgen. Ich fühle mich ausgeliefert und ohne Perspektive."
© Daniel von Loeper
Xenya Jäger (34), Wirtin vom Sehrwohl, Café und Bar in der Westendstraße: "Letztes Jahr hatte ich 30 Außenplätze. Jetzt möchte ich dringend aufsperren. Beim Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe habe ich dafür ein Konzept eingereicht von zwölf Seiten, denn der Mai ist ein Monat, der gut laufen könnte. Wenn wir nicht bald aufsperren, gibt es uns vielleicht am Ende des Jahres nicht mehr. Samstag und Sonntag bieten wir Kuchen, Sandwiches und Spritz. Unser schlechtester Tagesumsatz waren 20 Euro bei einer Öffnung von über vier Stunden. Da lohnt sich das Aufstehen doch nicht. Dafür lohnt es sich nicht, den Lichtschalter anzumachen und die Kaffeemaschine. Die Gastronomie wird geopfert, dabei können wir die Gäste nachverfolgen. Ich fühle mich ausgeliefert und ohne Perspektive."
Jörg Wizigmann (52) ist Wirt der Polka-Bar in Haidhausen: "Ich bin enttäuscht, dass wir geopfert werden. Die Stadt München hat es nicht geschafft, bis jetzt zu entscheiden, ob die Schanigärten bleiben oder nicht. Unser Schanigarten mit 25 Plätzen hat uns gerettet. Aber ich mache jetzt nur zehn Prozent meines Umsatzes. Freitag und Samstag gibt es Mitnahmeverkauf auf Bestellung und oft To-go-Fischsemmeln. Das Argument, ihr seid doch versorgt, ist eine Respektlosigkeit der Gastro gegenüber. Die Kneipe wird durch die Hilfen zwar aufgefangen, aber nicht ich! Mental ist das schwer. Bitte öffnet jetzt draußen. Das wäre produktiv und stützend. Der Betrieb fehlt mir schlimm. Wenn die Leute im Restaurant draußen sitzen, sind sie wenigstens registriert."
© Bernd Wackerbauer
Jörg Wizigmann (52) ist Wirt der Polka-Bar in Haidhausen: "Ich bin enttäuscht, dass wir geopfert werden. Die Stadt München hat es nicht geschafft, bis jetzt zu entscheiden, ob die Schanigärten bleiben oder nicht. Unser Schanigarten mit 25 Plätzen hat uns gerettet. Aber ich mache jetzt nur zehn Prozent meines Umsatzes. Freitag und Samstag gibt es Mitnahmeverkauf auf Bestellung und oft To-go-Fischsemmeln. Das Argument, ihr seid doch versorgt, ist eine Respektlosigkeit der Gastro gegenüber. Die Kneipe wird durch die Hilfen zwar aufgefangen, aber nicht ich! Mental ist das schwer. Bitte öffnet jetzt draußen. Das wäre produktiv und stützend. Der Betrieb fehlt mir schlimm. Wenn die Leute im Restaurant draußen sitzen, sind sie wenigstens registriert."
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