Münchner Stadtrat beschließt finanzielle Mittel für Kulturförderung

Der Kulturausschuss des Stadtrats hat neben dem Förderbudget für Kultureinrichtungen auch eine städtische Künstlerhilfe beschlossen: Künstler sollen einen Teil der Gage für ausgefallene Veranstaltungen aus der Stadtkasse zurückerhalten. Doch es gibt wichtige Einschränkungen.
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Münchner Künstlerhilfen - klingt erst einmal gut. Doch kommen die bei Weitem nicht allen Kulturschaffenden zugute. (Archivfoto: Tänzer Ivo Dmichef)
Münchner Künstlerhilfen - klingt erst einmal gut. Doch kommen die bei Weitem nicht allen Kulturschaffenden zugute. (Archivfoto: Tänzer Ivo Dmichef) © Tanzwerkstatt

München - Münchner Künstlerinnen und Künstler sollen nun auch von städtischen Hilfen profitieren können - unter bestimmten Voraussetzungen. Das hat der Kulturausschuss der Stadt am Donnerstag (3. Dezember) beschlossen. Den Anstoß gab ein Antrag der SPD/Volt-Fraktion.

Die Messlatte für die städtischen Künstlerhilfen legen dabei nicht - wie bei früheren Landes- oder Bundeshilfen - die Betriebsausgaben oder der Einkommensvergleich zum Vorjahr fest. Die städtische Künstlerhilfe soll bei Verdienstausfällen greifen, die von Veranstaltungen stammen, die in von der Stadt betriebenen oder unterstützten Spielstätten stattgefunden hätten.

Einnahmen aus Ticketspenden fließen an den Veranstalter

Wenn Tickets gespendet oder nicht zurückgegeben werden, sollen die Einnahmen an den Veranstalter zurückfließen, der seinerseits die Künstler beteiligen könne. 

Es geht um eine nennenswerte Summe: Nach Angaben der SPD-Stadtratsfraktion wurden allein bei München-Ticket seit Pandemie-Beginn Tickets im Wert von über 160.000 Euro gespendet. Dazu käme "eine große Anzahl" an Eintrittskarten, die nicht zurückgegeben wurden und verfallen seien. 

Nicht tolerabel ist es für den SPD-Stadtrat Roland Hefter, wenn "nicht einmal der vereinbarte Anteil der gespendeten und nicht zurückgegebenen Tickets beim Künstler landet".
Nicht tolerabel ist es für den SPD-Stadtrat Roland Hefter, wenn "nicht einmal der vereinbarte Anteil der gespendeten und nicht zurückgegebenen Tickets beim Künstler landet". © Youtube

Kommt die Hilfe bei den Künstlern an?

Allerdings tut sich hier offenbar in der Folge ein Verteilungsproblem auf: Die Tickets würden zwar mit dem Veranstalter so abgerechnet, als ob die Veranstaltung stattgefunden hätte. Allein: "Die Künstler*innen erhalten leider oft nicht den im Vertrag vereinbarten Anteil", schreibt die SPD-Stadtratsfraktion.

Im Klartext: Es gibt keinen rechtsverbindlichen Verteilerschlüssel, nachdem Kulturschaffende an den Ausfällen zu beteiligen sind - und selbst wenn einer ausgehandelt wurde, scheint er in der Praxis nicht immer zu greifen.

Gängige Praxis bei Ausfällen "nicht zu tolerieren"

"Dass es leider Fälle gibt, in denen nicht einmal der vereinbarte Anteil der gespendeten und nicht zurückgegebenen Tickets beim Künstler landet, ist gegenüber Spendern und auch dem Künstler nicht zu tolerieren", so SPD-Stadtrat Roland Hefter in dem schriftlichen Statement.

Dass die städtische Initiative nicht ausreiche, sei der Rathauskoalition bewusst, so Hefter weiter. Denn auch die November- und Dezember-Hilfe greift bei vielen Kulturschaffenden nicht. 

Die Fraktion fordert daher von Bund und Freistaat, Soloselbständige "endlich angemessen" für die durch die Corona-Pandemie verursachten Verdienstausfälle zu entschädigen. 

Bis es so weit ist,  werden von der Pandemie betroffene Künstler zur Sicherung ihres Lebensunterhaltes wohl weiterhin auf Hartz IV zurückgeworfen sein.

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Stadtkultur 2021: Diese Institutionen werden unterstützt

Auch über die Vergabe der Zuwendungen im Kulturbereich im Jahr 2021 wurde im Kulturausschuss des Stadtrats nun entschieden: Das städtische Budget für Fördermittel für Vereine, Initiativen und Kultureinrichtungen aller Sparten, die das Münchner Kulturleben maßgeblich und langfristig mitprägen, beträgt 2021 insgesamt 20,7 Millionen Euro.

Der größte Teil der Zuwendungen, rund 12,5 Millionen Euro, wird dabei an Kultureinrichtungen und Projektförderungen aus dem Bereich der Künste fließen. Hiervon profitieren neben Stätten für Tanz, Theater und Puppenspiel - wie etwa dem Metropol, dem Marionettentheater, dem Internationalen Dokumentarfilmfestival und der Tanzwerkstatt Europa - das Münchner Kammerorchester, die Münchner Symphoniker sowie das Muffatwerk, der Jazzclub Unterfahrt, das Feierwerk und andere. Auch das Literaturhaus, das Literaturfest und der Kunstverein gehören zu den Geförderten.

Die Stadtteilkultur wird mit 3,7 Millionen Euro unterstützt werden, darunter die Seidlvilla in Schwabing, das Pelkovenschlössl in Moosach, die Mohrvilla in Freimann, das Kulturhaus Milbertshofen, der Giesinger Bahnhof, das Kulturzentrum Trudering, das Bürgerforum Messestadt, Kulturbunt in Neuperlach, das Kulturzentrum 2411 im Hasenbergl, der Neuhauser Trafo, die Glockenbachwerkstatt in der Innenstadt und das Kulturzentrum Luise, das 2021 in der Isarvorstadt eröffnet wird.

Weitere 2,7 Millionen fließen in diverse Theaterprojekte und Malwerkstätten für Kinder sowie weitere Orte der kulturellen Bildung - wie etwa das Münchner Umweltzentrum oder die Volkssternwarte. Für Bürgerschaftliches Engagement bleiben 920.000 Euro - und hier allen voran für das Eine-Welt-Haus.

Kulturreferent Anton Biebl bekommt derzeit eine Menge Post von Münchens Kreativen.
Kulturreferent Anton Biebl bekommt derzeit eine Menge Post von Münchens Kreativen. © Robert Haas

Brauchtumspflege bleibt Kernanliegen

Knapp eine halbe Million wird in die Pflege der bairischen Volkskultur fließen, etwa in die Münchner Schule für bairische Musik. Eine Viertelmillion kommt den Stadtteilgeschichten zugute, etwa der Geschichtswerkstatt Neuhausen.

"Wichtig war mir in Abstimmung mit dem Stadtrat, dass wir trotz der erforderlichen Einsparungen 2021 im Bereich der Kulturförderung auf pauschale Kürzungen verzichten", so Kulturreferent Anton Biebl in einem schriftlichen Statement. "Insbesondere der Erhalt von Räumen, kultureller Infrastruktur und spartenübergreifenden Netzwerken darf nicht gefährdet werden."

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