Lindwurmstraße: Hier dürfen Radler Millionen-Radweg nicht mehr benutzen
Seit einem Jahr haben die Radfahrer auf der Lindwurmstraße mehr Platz: Zwischen Sendlinger-Tor-Platz und Goetheplatz gibt es neue, breite Radwege. Doch nun soll die neue Errungenschaft schon wieder zurückgenommen werden – jedenfalls teilweise.
Wie das Mobilitätsreferat am Freitag (17. Juli) mitteilte, soll der Abschnitt stadteinwärts auf Höhe des Nußbaumparks in Richtung Innenstadt zur Busspur werden. Und zwar voraussichtlich schon ab Dienstag, 21. Juli. Die Radler müssen dann wieder auf dem alten, holprigen und sehr schmalen Radweg direkt neben dem Gehweg fahren. Und auch die Fußgänger haben dann wieder deutlich weniger Platz. Der Plan stößt beim Fahrradclub ADFC auf großes Unverständnis.

Andreas Schön, der 1. Vorsitzende des ADFC München, sagt dazu: "Ein sicherer Radweg ist keine Übergangslösung auf Abruf. Wer ihn bei der ersten Herausforderung wieder zurücknimmt, macht deutlich, dass die Sicherheit von Radfahrenden offenbar jederzeit zur Disposition steht." Man schicke "Tausende Radfahrende zurück auf einen unsicheren, völlig unterdimensionierten und teilweise beschädigten Radweg".
Hintergrund für die Maßnahme ist die Sanierung der beiden U-Bahnhöfe Goetheplatz und Poccistraße. Die U3 und U6 können während der noch etwa einjährigen Bauphase zwischen Sendlinger-Tor-Platz und Implerstraße nicht fahren. "Seit Mitte Mai verkehrt ein Schienenersatzverkehr (SEV) mit Bussen zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße. Immer wieder kommt es dabei zu Konflikten, die Verkehrsbelastung in der Lindwurmstraße ist hoch", so eine Sprecherin des Mobilitätsreferats. "Vor allem in den Hauptverkehrszeiten kommt es zu erheblichen Verzögerungen."

Im Auftrag von Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) hätten das Mobilitätsreferat und die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) nun "verschiedene Optimierungsmaßnahmen" geprüft, um "die
Fahrzeitverluste beim SEV zu reduzieren und die Verkehrssicherheit für alle zu erhöhen". Wenn das Wetter es zulässt, soll der Abschnitt zwischen Reisingerstraße und Sendlinger Tor am Dienstag neu markiert werden. Ist das geschehen, wird für Radler die Benutzung des früheren Radwegs Pflicht.
Die Stadt will ab diesem Zeitpunkt auch die Ampeln anders schalten, damit das Einfädeln für Radler, Busse und Autos "möglichst sicher" ist. Vor Ort soll Ordnungspersonal eingesetzt werden, auch sollen Durchsagen auf "gegenseitige Rücksichtnahme" hinweisen.
Im Juni hatte die Stadt bereits eine zusätzliche SEV-Haltestelle in der Sonnenstraße (Fahrtrichtung Norden) eingerichtet und die Haltestelle Goetheplatz vor die Kreuzung verlegt, um Staus zu minimieren.
Die Sicherheit auf dem Radweg hat sich deutlich verbessert.
Der ADFC sieht den geplanten Rückbau des Radwegs als falsches Signal. Die Verkehrssicherheit auf einem der meistbefahrenen Radwege Münchens habe sich "deutlich verbessert". Und gerade jetzt während der U-Bahnsperrung würden viele Menschen auf das Fahrrad umsteigen. "Hier wird mal wieder die Leistungsfähigkeit des Kfz- und Busverkehrs über die Verkehrssicherheit des Radverkehrs gestellt und letztlich der ÖPNV gegen den Radverkehr ausgespielt", kritisiert Andreas Schön. Solche Ad-hoc-Entscheidungen würden das Vertrauen in eine verlässliche Verkehrspolitik untergraben.
Laut Mobilitätsreferat werden noch weitere Maßnahmen für mehr Sicherheit des Verkehrs auf der Lindwurmstraße geprüft. Die neue Busspur auf dem Radweg soll erst mal bis zum Start des Oktoberfestes bleiben.
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