Klage vor dem Europäischen Gerichtshof möglich: Sind bald internationale Brauereien auf der Wiesn?

Müssen bald auch internationale Brauereien zum Zug kommen? Ein aktueller Fall sorgt für Unruhe bei Wirten, Brauereien und der Stadt. Die AZ hat nachgefragt, was dran ist
von  Ruth Frömmer, Christina Hertel, Myriam Siegert
Auch um die Bräurosl dreht sich der Bewerbungs-Wirbel.
Auch um die Bräurosl dreht sich der Bewerbungs-Wirbel. © IMAGO

Es ist ein Vorgang mit sehr viel "Was wäre, wenn..." – träte dieses "Wenn" aber tatsächlich ein, dann könnten die Folgen gewaltig sein. Die bisherige Vergaberegelung für die großen Festzelte auf dem Oktoberfest könnte fallen, und damit auch die Vorgabe, dass nur Münchner Brauereien auf dem Oktoberfest ausschenken dürfen. Oder handelt es sich doch mal wieder um einen Fall von viel (Wiesn-)Lärm um nichts?

Darum geht’s: Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, hat sich das Wirtepaar Alexander Egger und Katrin Wickenhäuser-Egger, Wirte der Münchner Stubn am Hauptbahnhof sowie auf der Wiesn, auf zwei große Festzelte beworben, nämlich die Bräurosl (Hacker-Pschorr) und das Paulaner Festzelt. Beide Festzelte sind vergeben, an die Wirte Peter Reichert (Bräurosl), der für die Brauerei auch den Donisl führt, und Lorenz Stiftl, der das Paulaner Festzelt neu übernimmt sowie seit Kurzem den Spöckmeier in der Rosenstraße führt.

Die Münchner Stubn ist seit einigen Jahren auch als kleines Wiesn-Zelt auf dem Oktoberfest vertreten.
Die Münchner Stubn ist seit einigen Jahren auch als kleines Wiesn-Zelt auf dem Oktoberfest vertreten. © IMAGO/Christian Einecke

Kommt es zu einer Klage, könnte das ganze System kassiert werden

Mit der Bewerbungs-Causa der Wickenhäuser-Eggers beschäftigte sich am Dienstag auch der interfraktionelle Arbeitskreis "Oktoberfest" des Stadtrats. Trotz nicht-öffentlicher Sitzung drang von dort nach außen, "die Bewerbung der Wickenhäuser-Eggers lasse darauf schließen, dass diese eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof in Betracht zögen", so die SZ.

Im Rathaus habe dies zumindest einige alarmiert. Denn: Sollte es zu einer Klage kommen, könnte die bisherige Vergabepraxis fallen, dass nur Münchner Brauereien, genauer solche, die Münchner Wasser zum Brauen nutzen, auf der Wiesn Bier ausschenken dürfen. Gibt es also bald Heineken, San Miguel und Co. auf der Wiesn?

Das Szenario, das drohen könnte, dass die Stadt auch ausländische Brauereien auf der Wiesn berücksichtigen muss, sei tatsächlich im interfraktionellen Arbeitskreis zur Wiesn ein Thema gewesen, hört die AZ im Rathaus. Jedoch sei das Ganze mit vielen Konjunktiven verbunden. Es müsste jemand klagen – was bisher nicht der Fall ist. Die Stadt müsste diese Klage verlieren – auch ob das droht, sei unklar. Auch darüber gebe es ebenso verschiedene Rechtsauffassungen.

Alexander Egger und Katrin Wickenhäuser-Egger (v.li.) mit ihrem Geschäftsführer Gerd Schmitz.
Alexander Egger und Katrin Wickenhäuser-Egger (v.li.) mit ihrem Geschäftsführer Gerd Schmitz. © Daniel von Loeper

"Wir sind gespannt, wie entschieden wird"

Die AZ hat zudem Katrin Wickenhäuser-Egger erreicht und nachgefragt. Die Wirtin ist selbst "etwas überrascht" von der Entwicklung und dem entstandenen Trubel.

Es sei richtig, dass sie sich beworben hätten, so Wickenhäuser-Egger, und zwar auf die Schützenlisl auf der Oidn Wiesn, deren Wirt bisher Lorenz Stiftl war und der heuer, wie erwähnt, das Paulaner Festzelt übernimmt, sowie auf einen Platz – kein konkretes Zelt – auf der Wirtsbudenstraße, auf dem die Bräurosl und das Paulanerzelt stehen, wie es die übliche Vorgehensweise sei. Und drittens natürlich auch auf ihr bisheriges kleines Wiesnzelt, die Münchner Stubn, so Wickenhäuser-Egger. "Und dann sind wir gespannt, wie entschieden wird."


Wichtig sei ihr aber: Die Gerüchte, sie plane eine Klage, seien "an den Haaren herbeigezogen", so Wickenhäuser-Egger. "Wir empfinden uns als kooperative Wirte, sind immer gesprächsbereit und machen nichts Schmutziges."
Auch, dass sie von einer Anwaltskanzlei vertreten würden, sei im Rahmen einer solchen Bewerbung ein völlig normales Vorgehen, so Wickenhäuser-Egger. Das sei allein schon deshalb notwendig, um die vielen Formalien korrekt zu erfüllen.

"Hypothetische Konsequenzen": Die Brauerei hält sich zurück

Ansonsten mag sich kaum jemand zu der Sache äußern. Paulaner etwa lässt auf AZ-Anfrage verlauten, die Bewerbungs- und Vergabeverfahren für die Wiesnzelte erfolgten über die Stadt München. Hierzu "sowie zu möglichen rechtlichen Bewertungen oder hypothetischen Konsequenzen" nehme man keine Stellung. Grundsätzlich gilt: "Als Münchner Traditionsbrauerei richten wir uns bei der Vergabe der Wiesnzelte nach den seit Langem etablierten Vorgaben der Stadt München", so eine Sprecherin.

Wie sich das Bewerbungskarussell der Wiesn-Wirte heuer weiter dreht, darf man gespannt abwarten: Mindestens für die Schützenlisl muss, wegen des Wechsels von Lorenz Stiftl ins Paulaner-Festzelt, vor dem diesjährigen Oktoberfest noch ein neuer Wirt oder eine Wirtin gefunden werden. Stiftl will sein Zelt verkaufen, vier Bewerber gibt es aktuell, wie die AZ aus Wirte-Kreisen erfahren hat. Wer diese sind, darf natürlich noch nicht verraten werden.

Die Anwaltskanzlei Schönefelder Ziegler, die Alexander Egger und Katrin Wickenhäuser-Egger vertritt, hat auf jeden Fall Erfahrung mit Wirte-Klagen. Sie vertrat auch Joseph "Beppi" Bachmeier und Martin Jonas, die Wirte des beliebten Herzkasperl-Zelts auf der Oidn Wiesn. Sie waren nach vielen erfolgreichen Jahren für die Saison 2024 beim Vergabeverfahren leer ausgegangen. Ihr Eilantrag beim Verwaltungsgericht München und später Bayerischen Verwaltungsgerichtshof blieb ohne Erfolg.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.