Interview

Israels Generalkonsulin Carmela Shamir: "Hanukkah auf dem Christkindlmarkt"

Carmela Shamir ist Israels Generalkonsulin in München. Zu ihrem Antritt spricht sie über ihre Pläne, warum sie nach München wollte und wieso sie dem Radeln noch skeptisch gegenüber steht.
| Paul Nöllke
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Die israelische Generalkonsulin Carmela Shamir
Die israelische Generalkonsulin Carmela Shamir © Sigi Müller

München - AZ-Interview mit Carmela Shamir: Die Generalkonsulin ist für den gesamten Süden Deutschlands zuständig.

Sie wollte nur nach München: Als sich Carmela Shamir für eine Stelle als Generalkonsulin bewirbt, soll sie drei Wunschorte angeben. Doch sie gibt nur einen Ort an: München. In ihrem ersten Interview seit dem Amtsantritt erzählt Shamir, wieso sie unbedingt in die Stadt wollte, was sie hier vorhat und was Israel von München lernen kann.

AZ-Redakteur Paul Nöllke im Gespräch mit Carmela Shamir.
AZ-Redakteur Paul Nöllke im Gespräch mit Carmela Shamir. © Sigi Müller

Carmela Shamir: "München ist eine sehr entspannte Stadt"

AZ: Willkommen in München Frau Shamir! Sie sind seit August Israels neue Generalkonsulin. Wie gefällt es Ihnen?
CARMELA SHAMIR: Unglaublich gut! München ist eine sehr entspannte Stadt. Ich habe das Gefühl, hier arbeitet man hart, aber man weiß auch, wie man sich entspannt. Das hätte ich gar nicht so erwartet.

Sie wollten unbedingt nach München und haben sich nur hier beworben. Warum?
Ich habe davor im israelischen Außenministerium gearbeitet und war dort für Länder in ganz Mitteleuropa zuständig. Von all diesen Ländern fand ich die Beziehung zu Deutschland besonders wichtig und spannend. Israel und Deutschland haben eine ganz besondere Bindung - auch abseits der schrecklichen gemeinsamen Geschichte. Und München ist eine tolle Stadt.

Carmela Shamir: "Der Verkehr ist in München sehr angenehm"

Sie scheinen die Stadt sehr zu mögen. Gibt es denn etwas, was Israel von München lernen kann?
Ja, ich glaube diese entspannte und besonnene Art, Probleme anzugehen, kann ein Vorbild sein. München ist eine sehr aktive Stadt, aber hier weiß man auch sehr gut, wie man das Leben genießt. Zudem ist es hier sehr sauber und ordentlich, das ist in Israel leider nicht überall so. (lacht) Und der Verkehr ist in München sehr angenehm, finde ich. Ich habe sogar versucht, Fahrrad zu fahren - das ist in Israel gar nicht so populär - ich bin aber leider gescheitert.

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Wie das?
Ich hatte versucht, im Englischen Garten Fahrrad zu fahren, bin aber gestürzt. Ich glaube aber, ich werde das Radeln noch einmal versuchen! Ich gebe noch nicht auf.

Und kann München etwas von Israel lernen?
Vielleicht das kreative Denken. Und dass man nicht immer den Regeln folgen muss und auch einmal Fehler machen darf. Zudem ist Israel ein Vorreiter, was Erneuerbare Energien angeht. Ich glaube, da können Deutschland und Israel gut zusammenarbeiten.

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Carmela Shamir: "Als Generalkonsulin vertrete ich Israel in Süddeutschland"

Was genau ist jetzt Ihre Aufgabe als Generalkonsulin in München?
Viele Leute denken, dass man als Generalkonsulin Visa ausstellt, Reiseanträge bearbeitet oder sich um solche Angelegenheiten kümmert. Doch das ist falsch! Als Generalkonsulin vertrete ich Israel in Süddeutschland. Ich treffe mich mit Leuten und versuche, die deutsch-israelische Beziehung und den kulturellen, wissenschaftlichen, wirtschaftlichen und akademischen Austausch zu fördern.

In Deutschland hat Israel zwei Vertretungen, eine in Berlin, eine in München.
Genau! Deutschland ist das einzige Land in Europa, in dem Israel neben der Botschaft in Berlin auch ein Generalkonsulat hat.

Wen haben Sie als Generalkonsulin zuerst getroffen?
Charlotte Knobloch. Das war mir besonders wichtig. Frau Knobloch ist für mich eine sehr beeindruckende Frau. Ich hatte sie davor schon einmal in Israel getroffen, da wusste ich noch gar nicht, dass sie die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde hier ist. Obwohl sie eine ältere Dame ist (89, d. Red.), hat sie eine unglaubliche Energie. Das ist mir damals schon im Gedächtnis geblieben. Uns ist es wichtig, ein gutes Verhältnis zu den jüdischen Gemeinden hier zu haben.

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Was sind Ihre Pläne für die kommenden Monate?
Wir überlegen gerade, wie wir Israel wieder erlebbarer machen können. Gerade durch Corona hat das in den letzten Jahren gelitten. Wir wollen nun vielleicht sogar ein Stück Israel auf die Christkindlmärkte in Süddeutschland bringen.

Wie das?
Mit einem eigenen Stand! Mit israelischem Gebäck und Hanukkah-Dekorationen. Das jüdische Fest beginnt dieses Jahr Ende November - also wenn auch der Christkindlmarkt beginnt. Wir überlegen sogar, ob wir auf dem Christkindlmarkt den großen Hanukkah-Leuchter anzünden können. Das wäre toll!

Anders als in Berlin ist in München Israel oft gar nicht so präsent. Wie kann ich in München am besten Israel erleben?
Ich glaube, wenn man eine Kultur kennenlernen will, kann man gut beim Essen anfangen! In München gibt es einige israelische Restaurants. Israelisches Essen hat auch Wurzeln in der deutschen Küche, da gibt es viel zu entdecken. Zudem würde ich natürlich empfehlen, folgen Sie uns auf den Sozialen Medien und nehmen Sie an unseren Veranstaltungen teil!

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