Heimliches Helles und Wahlkampf-Zigaretten: Was man beim Nockherberg im TV nicht sah

Maxi Schafroth kommt fast nicht mehr in den Saal, das Klo ist eine Gendertoilette, wie die Promis heimlich Helles trinken, wo die Moderatorin schummelt und wer der allerletzte Gast war: Was Sie vom Derblecken im Fernsehen nicht gesehen haben
Ruth Frömmer,
Autorenprofilbild Christina Hertel
Christina Hertel,
Franziska Hofmann,
Felix Müller
Felix Müller
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Der allerletzte Gast: OB-Kandidat Clemens Baumgärtner zieht den Abend voll durch – ohne Alkohol, aber mit vielen Zigaretten.
Der allerletzte Gast: OB-Kandidat Clemens Baumgärtner zieht den Abend voll durch – ohne Alkohol, aber mit vielen Zigaretten. © Felix Müller

Die Stimmung beim Derblecken? Hat oft etwas von einem großen Familientreffen. Man kennt sich, freut sich, sich wiederzusehen – und draußen beim Rauchen wird dann doch der ein oder andere Giftpfeil abgeschossen bei der Lästerei über die anderen Großkopferten, die gerade drinnen sitzen. Im Saal kann man erkennen, wo der BR ein bisserl schummelt – bei der Größe von Moderatorin Ursula Heller, die auf einem Schemel steht. Viele von denen, die im Fernsehen im Mittelpunkt stehen – wie Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sind später, wenn die Kameras aus sind, schnell wieder weg.

Ausgleichende Gerechtigkeit: Damit das BR-Moderatorenpaar ordentlich ins Bild gesetzt ist, muss bei Moderatorin Ursula Heller ein bisschen nachgeholfen werden.
Ausgleichende Gerechtigkeit: Damit das BR-Moderatorenpaar ordentlich ins Bild gesetzt ist, muss bei Moderatorin Ursula Heller ein bisschen nachgeholfen werden. © Ben Sagmeister

Andere aber machen es sich so richtig gemütlich. Der Saal leert sich zwar auch nach diesem Derblecken recht schnell. Aber die, die bleiben, lassen sich dann doch noch das ein oder andere Maßerl Salvator schmecken. Die Grundlage wurde auch heuer mit einer klassisch-bayerischen Brotzeit gelegt, im Backstage-Bereich gibt es am frühen Abend auch noch Mini-Burger, Gemüse und Kaffee aus Pappbechern.

Doch solche unbayerischen Geschmacksverirrungen sind im Saal natürlich nicht drin. Was hingegen schon drin ist: Heimliches Helles, eingefüllt im gleichen Steinkrug wie das hauseigene Starkbier, das offenbar doch recht viele Kritiker hat. Auch Schnitt wird eifrig bestellt – und auch Alkoholfreies.

Ex-Derblecker Maxi Schafroth sorgt für einen Lacher

Für einen Lacher sorgt ausgerechnet Maxi Schafroth, der so viel kritisierte Ex-Fastenredner. Der wuselt den ganzen Abend aufgeregt rum – und muss am Ende der kleinen Pause vor dem Singspiel offenbar aufs Klo. Offenbar hat er seine Karte für den Wiedereinlass in den Saal verlegt. "Ihr lassts mich ja noch rein, oder?", fragt er den Sicherheitsmann ganz demütig. "Das überleg i mir no", antwortet der lachend.

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Überhaupt die Ehemaligen, sie machen an diesem Abend einen sehr entspannten Eindruck. Luise Kinseher hat ja inzwischen nur eine dankbare kleine Moderationsrolle für den Abend. Ansonsten bleibt sie hier irgendwie die Mama Bavaria, wird beim Gang durch den Saal überall herzlichst begrüßt. Auch Ex-Paulaner-Chef Andreas Steinfatt ist gekommen. Er hat hier viele Jahre das Derblecken auf der Bühne eingeleitet. Und auch er gehört irgendwie zum Inventar, schaut etwas nostalgisch drein und wird ebenfalls an jeder Ecke begrüßt.

Schon während des Singspiels wird die XXL-München-Tapete von der Fastenpredigt fein säuberlich im Foyer zusammengefaltet.
Schon während des Singspiels wird die XXL-München-Tapete von der Fastenpredigt fein säuberlich im Foyer zusammengefaltet. © Michael Schilling

Während das Singspiel noch in vollem Gang ist, wird im Foyer bereits wieder kräftig gewerkelt. Der rote Teppich ist bereits verräumt und das XXL-Bühnenbild mit München-Silhouette von der Fastenpredigt wird sorgsam zusammengefaltet – immerhin ist es brandneu.

Ein bisserl gelästert wird an den langen Tafeln, als die Kameras aus sind, natürlich auch noch. Die Konservativen sind etwas milder gestimmt als noch zu Maxi-Schafroth-Zeiten, aber natürlich wird trotzdem beklagt, dass an der ein oder anderen Stelle der böse, woke, linksliberale Zeitgeist durchgeschimmert habe. Da dürfte der eine oder die andere beim Gang auf die Toilette im Untergeschoss einen kleinen Schock bekommen haben. Dort hängt – wie auch schon im Vorjahr – ein Schild, dass auf dem Klo "alle Geschlechter" willkommen seien.

Die höchste Trachtendichte haben die Grünen

Droben macht der eine oder die andere so kurz vorm Tag der Wahrheit natürlich auch noch ein bisserl Wahlkampf. Die Grünen sind mit voller Kapelle angereist, alle Referenten sind da, viele Stadträte, man macht Fotos, steht in Gruppen rum – und hat – Überraschung! – die höchste Trachtendichte aufzubieten.

Der Saal leert sich, doch „Aiwanger“ ist noch da: Stefan Murr um halb zwölf am Mittwochabend auf dem Nockherberg.
Der Saal leert sich, doch „Aiwanger“ ist noch da: Stefan Murr um halb zwölf am Mittwochabend auf dem Nockherberg. © Ben Sagmeister

Und: viele Frauen. Das fällt am Nockherberg schnell auf, denn im Saal – gerade in den hinteren Reihen – dominieren weiterhin Tische voller Herren. Den umtriebigsten Wahlkampf-Eindruck machen an diesem Abend aber keine Grünen, sondern ein Schwarzer. CSU-Mann Clemens Baumgärtner geht für viele Einzelgespräche auf eine Zigarette vor die Tür, schüttelt überall Hände, pflegt sein Netzwerk.
Dem Alkohol aber hat Baumgärtner in diesem Wahlkampf ganz abgeschworen. Das kann man von manch anderem Politiker nun nicht behaupten. Der eine oder andere scheint es sich ganz ordentlich schmecken zu lassen.

Und einer betont sogar ganz ausdrücklich, wie sehr er das Starkbier möge: Wiesn-Chef Christian Scharpf von der SPD sagt der AZ, er komme auch deshalb hierher, weil er das Bier so gerne möge.

Einer, der am späten Abend noch durch die leeren Gänge von Gruppe zu Gruppe streift, ist der Kabarettist Simon Pearce (mit Trachtenhut). Pearce sagt über Stephan Zinners erste Fastenpredigt: "Für ein erstes Mal war das wirklich richtig super." Ob er sich irgendwann auch dort oben sieht, Fastenredner wird? Pearce denkt nur einen ganz kurzen Augenblick nach, dann sagt er: "Es ist schon eine sehr krasse Aufgabe, ich glaube, ich würde mich nicht trauen."

Jutta Speidel nimmt Michaela May mit nach Hause

Viele andere Promis sind nach dem Singspiel schnell weg (Schauspielerin Jutta Speidel nimmt kurzerhand Kollegin Michaela May mit nach Hause). Aber mancher VIP-Gast bleibt noch lange sitzen. Während auf der Bühne bereits der Abbau beginnt und sich die Tischreihen weitestgehend geleert haben, schlendert etwa Leslie Mandoki noch durch den Saal. Der will eigentlich nur noch seine Tochter, Schauspielerin Lara aufgabeln, sagt er der AZ. Die scheint sich hingegen an den Promi-Tischen mit Kollegen wie Eberhofer-Schauspieler Johannes Berzl festgequatscht zu haben.

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Eine Einheit bilden vor, während und nach dem Singspiel auch Eva Karl Faltermeier, Franziska Wanninger und Martin Frank. Während an den Promi-Tischen grundsätzlich eine große Servus- und Hallo-Fluktuation herrscht, hütet das bayerische Kabarett-Trio seine Plätze. Für Martin Frank war es die Nockherberg-Premiere, wie er der AZ nach dem Singspiel erzählt. Sein Fazit: "Absolut grandios – Dieter Reiter alias Gerhard Wittmann war mein Highlight", so der niederbayerische Kabarett-Star. Und er selbst auf der Kanzel? Da schüttelt Frank vehement den Kopf: "Ich glaub, da bin ich zu unpolitisch!"

Der allerletzte Gast übrigens ist Clemens Baumgärtner, der CSU-Mann. Als er lange nach Mitternacht geht, sind sogar die Schauspieler schon weitergezogen, die sich noch im Saal haben blicken lassen. Wie Stefan Murr. Der sieht mit Jeans und Basketball-Kappe so gar nicht mehr nach Hubert Aiwanger aus – und spricht, als er sich ganz hinten im Saal zur AZ an den Tisch setzt, plötzlich Hochdeutsch. Viertel nach elf ist es, als er sich noch eine Maß bestellt. Super sei es gelaufen, sagt er, Murr ist rundum zufrieden. Ob gar nichts schief gelaufen sei, was man im Fernsehen nicht gesehen habe? Nein, sagt Murr, anders als bei der allerletzten Probe. Da, erzählt er, ist der Drache runtergefallen. Na dann, Prost!

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