Gut haltbares Provisorium? Die Münchner Isarphilharmonie eröffnet

Rings um die neue Isarphilharmonie ist München nicht schick und schön. Die Interimsspielstätte der Münchner Philharmoniker ist ein urbaner Ort mit viel Potenzial und alles andere als provisorisch. Braucht es da noch ein viele Millionen teures neues Konzerthaus? 
| Cordula Dieckmann, dpa/AZ
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Der Entwurf einer Isarphilharmonie am Deutschen Museum sieht schön aus: Der Bedarf ist angesichts von vier bereits existierenden Konzertsälen aber umstritten.
Der Entwurf einer Isarphilharmonie am Deutschen Museum sieht schön aus: Der Bedarf ist angesichts von vier bereits existierenden Konzertsälen aber umstritten. © HPP Architekten

München - Um die Errichtung von Kulturbauten wird oft jahre- wenn nicht jahrzehntelang gerungen, Unsummen werden ausgegeben und die Fertigstellung zieht sich. Die neue Isarphilharmonie in München dagegen steht nach gerade mal drei Jahren, für nur 70 Millionen Euro.

Am Freitag (8. Oktober) werden die Münchner Philharmoniker mit Chefdirigent Valery Gergiev ihre Interimsspielstätte mit einem Konzert eröffnen. An die fünf Jahre will das berühmte Orchester auf dem früheren Fabrikgelände im Münchner Süden nahe der Isar bleiben, bis das Kulturzentrum Gasteig samt Philharmonie fertig saniert ist.
Viele hoffen, dass die Kulturstätte danach erhalten bleibt. 

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Ein Bau aus Holz, Glas, Beton und Stahl

Die Isarphilharmonie besteht aus Holzmodulen, Glas, Beton und Stahl - eine Übergangslösung, die aber alles andere als provisorisch wirkt.
Nüchtern grau und schlicht schließt der Bau an das denkmalgeschützte Fabrikgebäude aus rotem Backstein an, das als Foyer und weiterer Veranstaltungsort dient. Industriecharme, passend zur Kulisse des Kraftwerks in Blicknähe. 

Ein Provisorium sei die Isarphilharmonie nicht, betont Architekt Stephan Schütz. «Der Bau ist so robust konzipiert und umgesetzt, dass er nicht früher oder später saniert werden müsste, als ein Haus, das komplett aus Beton, Stahl oder Ähnlichem gebaut wurde.» Die Akustik plante der Klangexperte Yasuhisa Toyota, so wie in der Hamburger Elbphilharmonie. Kernstück ist der große Konzertsaal mit rund 1900 Plätzen, dessen schwarze Wände grob strukturiert sind, um den Schall der Musik bestmöglich zu verteilen. 

Chefdirigent Valery Gergiev ist begeistert, ebenso wie sein Orchester. «Als wir angefangen haben, zu spielen, waren die Musiker sehr glücklich», erklärt er. Dazu noch die Nähe zur Isar, das Rauschen des Wassers, das viele Grün.

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Braucht es noch ein Konzerthaus?

Braucht es dann überhaupt noch das Konzerthaus, das der Freistaat Bayern im Münchner Werksviertel für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO) unter dem designierten Chefdirigenten Simon Rattle plant? Anfangs war von bis zu 400 Millionen Euro Kosten die Rede, mittlerweile stehen Größenordnungen bis zu einer Milliarde Euro im Raum. Ein dicker Batzen - erst recht in Zeiten leerer öffentlicher Kassen wegen der Corona-Pandemie. 

Die Eröffnung der Isarphilharmonie mache es notwendig, den Bau eines weiteren Konzertsaals zeitnah noch einmal auf den Prüfstand zu stellen, findet deshalb Volkmar Halbleib (SPD) vom Landtagsausschuss für Wissenschaft und Kunst. Mit Blick auf die Kosten, aber auch wegen der Perspektiven, die sich eröffneten, vor allem wenn die Isarphilharmonie nach der Sanierung des Gasteigs erhalten bleibe. 

Halbleibs Gedanke: Die Philharmoniker und das BRSO könnten Gasteig und Isarphilharmonie gemeinsam belegen. Sogar ein finanzielles Engagement des Freistaats bei der Sanierung des städtischen Kulturzentrums könnte er sich dann vorstellen. Denn das Geld ist knapp, vor allem auch im Kulturbereich. «Aus kulturpolitischer Sicht muss ausgeschlossen werden, dass wegen des Konzertsaales wichtige andere Kulturprojekte in Bayern hinten runter fallen.» 

Zudem brauche es ausreichende Mittel, um durch Corona entstandene Lücken in der Kultur mit einer deutlich verbesserten Förderung zu schließen, sagt Halbleib. Das werde man in der SPD intensiv diskutieren und dann einen Vorschlag zur Klärung der Konzertsaalfrage machen. 

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