Interview

Habenschaden über die Gasteig-Sanierung: Suche nach einem Investor

Münchens zweite Bürgermeisterin Katrin Habenschaden über den Stand der Dinge bei der Sanierung des Gasteig.
| Robert Braunmüller
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Die Diplombetriebswirtin und Bankkauffrau Katrin Habenschaden wurde 2014 in den Stadtrat gewählt. Von 2017 bis 2020 war sie Vorsitzende der Fraktion Grüne - Rosa Liste, seit 2020 ist sie zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende des Aufsichtsrats der städtischen Gasteig GmbH.
Die Diplombetriebswirtin und Bankkauffrau Katrin Habenschaden wurde 2014 in den Stadtrat gewählt. Von 2017 bis 2020 war sie Vorsitzende der Fraktion Grüne - Rosa Liste, seit 2020 ist sie zweite Bürgermeisterin und Vorsitzende des Aufsichtsrats der städtischen Gasteig GmbH. © Anja Mörk

München – Ende Juli fand das vorläufig letzte Konzert in der Philharmonie statt, kurz danach schloss die Stadtbibliothek. Nur die VHS hält noch eine Weile am Isarhochufer aus, ehe auch sie auf das Interimsgelände an der Hans-Preißinger-Straße in Sendling umzieht. Dort wird am Freitag die Isarphilharmonie HP8 mit einem Konzert der Münchner Philharmoniker eröffnet. Während der Gasteig dann (hoffentlich) in Sendling brummt, steht das sanierungsreife Gebäude in Haidhausen für längere Zeit - wenn nicht Jahre - leer.

AZ: Frau Habenschaden, warum sehe ich am Gasteig weder Bauarbeiter und auch keinen Kran?
KATRIN HABENSCHADEN: Der Stadtrat hat sich im vergangenen Dezember für ein Investorenmodell entschieden. Damit soll die Kostensicherheit bei der Generalsanierung des Gasteig garantiert werden. Derzeit wird die Ausschreibung vorbereitet. Das braucht Zeit, auf der anderen Seite gewinnen wir finanzielle Sicherheit. Denn dem Stadtrat ist es wichtig, dass der Kostendeckel von 450 Millionen Euro eingehalten wird.

Gasteigsanierung: Vor- und Nachteile des Investorenmodells

Was ist aus Ihrer Sicht der Vorteil des Investorenmodells?
Die Stadt reduziert durch einen vorgegebenen Kostendeckel das finanzielle Risiko. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Sanierung von einem Investor in Eigenverantwortung durchgeführt wird. Der Preis dafür ist aber, dass die komplizierte Vorbereitung länger dauert als ursprünglich vorgesehen.

Wie ist der gegenwärtige Stand?
Derzeit ist die Ausschreibung in Arbeit, voraussichtlich im Dezember soll der Stadtrat das Vergabeverfahren beschließen. Deshalb kann im Moment nicht mit der Sanierung begonnen werden.

Wann rücken dann die Bagger an?
Anfang 2022 werden Bauteiluntersuchungen beginnen. Wir rechnen 2024 mit einem Baubeginn.

Habenschaden: "Zuversichtlich, was die Suche nach einem Investor angeht"

Das Investorenmodell war nach gegenwärtigem Wissensstand beim Volkstheater erfolgreich. Aber eine Sanierung gilt als erheblich schwieriger wie ein Neubau.
Schon der Bau des Gasteig war ein Investorenmodell. Eine grundlegende Generalsanierung ist meiner Meinung nach durchaus mit einem Neubau vergleichbar. Daher bin ich zuversichtlich, was die Suche nach einem Investor angeht. Die Landeshauptstadt ist eine sichere Mieterin und eine verlässliche Partnerin. Deshalb kann das gut funktionieren.

Macht die Verzögerung nicht alles unnötig noch teurer und läuft das alles nicht am Ende darauf hinaus, dass der Gasteig nur wenig weiterentwickelt und verändert wird?
Da gilt es die Angebote abzuwarten. Aber steigende Baukosten würden uns auch treffen, wenn die Stadt selber bauen würde und unabhängig vom gewählten Modell.

Könnte es für den leeren Gasteig eine kulturelle Zwischennutzung geben?
In der grün-roten Rathauskoalition gibt es den festen Willen dazu. Für mich ist es ausgeschlossen, den Gasteig leerstehen zu lassen, wenn es so viel Raumbedarf zum Beispiel bei der Freien Szene gibt - etwa für Ateliers oder Probenräume. Dieses Potenzial möchte ich heben lassen und das werden wir im Stadtrat auch politisch klar formulieren.

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Zwischennutzung in der Philharmonie? "Nicht jede Veranstaltung wird genehmigungsfähig sein"

Private Konzertveranstalter würden gerne auch die Philharmonie weiter nutzen, weil sie mehr Plätze hat.
Da muss man das Konzept für eine Zwischennutzung abwarten. Ich würde im Vorfeld keine Variante ausschließen. Allerdings gibt es auch Auflagen beim Brandschutz, die beachtet werden müssen. Nicht jede Veranstaltung wird genehmigungsfähig sein. Dem kann ich nicht vorgreifen.

Der Gasteig steht derzeit leer - kein besonders befriedigender Zustand.
Der Gasteig steht derzeit leer - kein besonders befriedigender Zustand. © imago/Joko

Wenn die Isarphilharmonie ein Erfolg wird, stellt sich die Frage nach dem Sinn des Konzertsaals, den der Freistaat im Werksviertel bauen will.
Es stellt sich durchaus die Frage, wie groß der Bedarf an Sälen mit herausragender Akustik in München ist. Es wäre möglich, dass Corona hier wie in anderen Bereichen festgefahrene Prozesse beschleunigt. Aber die Initiative müsste vom Freistaat ausgehen, als Landeshauptstadt München sind wir gesprächsbereit.

Wann zieht der Gasteig wieder von Sendling nach Haidhausen?
Das Ende dieses Jahrzehnts wäre meine vorsichtige Prognose.

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