Grünen-Politikerin im Porträt: Bezirksausschuss-Chefin Anna Hanusch

Die Grüne Anna Hanusch ist Chefin des Bezirksausschusses Neuhausen-Nymphenburg. In ihrer Freizeit sattelt sie einen Haflinger.
| Eva von Steinburg
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Anna Hanusch hat gleich drei Jobs: BA-Chefin, Stadträtin und Architektin.
privat/anf Anna Hanusch hat gleich drei Jobs: BA-Chefin, Stadträtin und Architektin.

Neuhausen-Nymphenburg - "Wow, das ist jetzt mal eine Herausforderung", durchblitzt es die Architektin Anna Hanusch vor zwei Jahren. Der Bezirksausschuss (BA) Neuhausen-Nymphenburg wählt die junge Grünen-Politikerin überraschend zur Vorsitzenden – als Nachfolgerin der legendären Ingeborg Staudenmeyer (SPD). "Im Gegensatz zu ihr bin ich eine softe Chefin", sagt Anna Hanusch. Bei der monatlichen BA-Sitzung in der Gaststätte "Goldener Hirsch" in der Renatastraße hat sie – ganz in der grünen Debatten-Tradition – anfangs immer jeden ausschweifend ausreden lassen. Inzwischen zieht sie Sitzungen auch straffer durch.

Ihr Bezirk ist der zweitgrößte in München

In Jeans und Pulli, ungeschminkt und ohne jeden Schmuck, wirkt die 40-Jährige wie eine Studentin, natürlich und unprätentiös. Denn diese Power-Frau aus Neuhausen hat gleich drei spannende Jobs: Im Glockenbachviertel arbeitet sie als Architektin in einem kleinen Büro. Für ihre Partei sitzt Hanusch seit 2014 im Stadtrat. Als BA-Chefin ist die Grüne zuständig für ein riesiges Stück München: Mit mehr als 100.000 Einwohnern ist der BA 9 Münchens zweitgrößter Bezirk. "Ich habe immer viel im Kopf. Allein mit meinem Ehrenamt für Neuhausen und Nymphenburg könnte ich ganze Tage füllen."

Besonderes Kennzeichen der ruhigen Hanusch: ihre sachliche und ausgleichende Art. Das Rauschen der Landshuter Allee hört sie bei offenem Fenster – ihre Altbauwohnung liegt an der Schlörstraße. Wenn sie ihre Fensterscheiben mit Zeitungspapier putzt, erschrickt sie über den schwarzen Abgasdreck. "Der ist leider extrem. Feinstaub und Stickoxide müssen hier weniger werden." Ihr Fuhrpark: das Radl und ein Elektroroller in Mintgrün. Mit einer Ladung Strom kommt sie 50 Kilometer, das reicht für die meisten Termine. "Von der Welt lernen", heißt eine Rubrik auf Hanuschs Homepage. Hier steht, was sie sich für München wünscht: Fahrradschnellwege wie in Kopenhagen, City-Maut-Modelle wie in London, Künstler-Quartiere wie in Helsinki.

Eltern waren Alt-68er

Auf das Kreativquartier zwischen Dachauer, Schwere-Reiter, Heß- und Lothstraße hat die Denkmalschützerin ein waches Auge: Sie mag den unfertigen Charakter des Geländes und hofft, dass hier kreativere Wohnbauten wachsen als im sterilen Arnulfpark. Aber ihr liebster Platz im Viertel bleibt der Münchenstift mit der Christuskirche, "weil das so dörflich wirkt".

Kein Wunder, wenn man weiß, wie sie aufwuchs: Hinterm Schliersee, als Kind studierte sie dort stundenlang Ameisenstraßen und baute Staudämme. Ihre Eltern waren Alt-68er. Der Vater Pfarrer, die Mutter in der Frauenpolitik engagiert. Das progressive Frauenstatut der Grünen war für Hanusch ein Grund, politisch aktiv zu werden: "Neuen Mitgliedern erkläre ich persönlich, dass es unsere hohe Frauen-Quote braucht, um die Gesellschaft zu verändern." Nach Erich Kästner lautet ihr Credo: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es."

Drum setzt sie sich so oft sie kann in Reitklamotten in die S-Bahn, fährt raus auf einen kleinen Reiterhof in Aubing. Dort gibt es Felder, es riecht würzig nach Heu und Pferd. Hanusch legt "Schlumpf", einem kräftigen Haflinger, den Sattel auf – und rutscht in den Rhythmus der Hof-Welt. "Alles verschwindet. Die sensible Kommunikation Mensch-Pferd macht meinen Kopf richtig schön frei."

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