Neueröffnung in München: Obacht - endlich wieder eine Boazn

Kein Fußball, kein Chichi – und keine Tracht: Die Betreiber des Stadion an der Schleißheimer eröffnen im Sommer das Obacht.
| Anja Perkuhn
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare Empfehlungen

Maxvorstadt - Mit dem Schlaf wird’s jetzt natürlich richtig schwierig, aber mei, da müssen sie durch, da wollen sie irgendwie auch durch: Holger Britzius und Michael Jachan, die gefühlt schon 28 Stunden am Tag in ihrer Fußballkneipe "Stadion an der Schleißheimerstraße" verbringen, haben nun offiziell eine weitere Kneipe: Sie pachten das Augustiner-Wirtshaus in der Schwindstraße.

Der neue Laden mit den Namen "Obacht" entsteht dort, wo 2016 noch im "Hexenkessel" das Bier in Gläser floss, bis das Betreiber-Ehepaar in Ruhestand ging. Schon das Stadion ist 2006 entstanden, weil Britzius und zwei Freunde die Lücke schließen wollten, die die Schließung des "Vollmond" hinterließ.

"Wir wollen den Menschen hier aus der Gegend eine Heimat bieten", sagt Britzius. "Es gibt in der Maxvorstadt viel zu wenig Angebote, viel zu wenige normale Kneipen." Jachan ergänzt: "Die Stüberl wie zuletzt das Du & I haben zugemacht, es gibt keine normalen Kneipen ohne Chichi mehr."


Offiziell Pächter: Britzius und Jachan bei der Vertragsunterzeichnung mit Augustiner Anfang Mai. Foto: privat

Das soll nun eben anders werden: Einen "ganz normalen Laden" wollen die beiden aufziehen, "mit ganz normalem Essen", also süddeutscher Hausmannskost, zu bezahlbaren Preisen. Die Hausmannskost wird zwar ein ehemaliger Sternekoch zubereiten – Stadion-Stammgast Jochen Laaß, der zuvor im "Meschugge" gekocht hat. Aber der sieht’s schon passend entspannt: "Man kann alles mit Liebe zum Detail und Sorgfalt zubereiten, auch ein Schnitzel."

Karten soll man spielen dürfen im Obacht, auch Dart – "aber nicht elektrisch, sondern mit Selberrechnen!", wirft Jachan ein. Vielleicht gibt’s mal ein Pubquiz, vielleicht auch mal eine Lesebühne.

Der halbe Augustiner-Braukessel bleibt an der Wand

Aber alles eben: mit so wenig Chichi wie möglich – und auch ohne das, was die zwei verstehen unter "Brauhaus-Gedöns". Zum Beispiel werden die Bedienungen auf gar keinen Fall in Tracht herumlaufen. "Das war eine wichtige Bedingung von uns", sagt Jachan.


Hält sich noch bedeckt: Unter dem Braukessel-Rest entsteht der Stüberl-Anteil des Obacht. Foto: Daniel von Loeper

Augustiner-Bräu, obwohl traditionell ja auch brauhausig-trachtlerisches Brauhaus, scheint diese Ansage nicht gestört zu haben: Als Britzius und Jachan ihr Konzept vorstellten, sei vor allem Thema gewesen, dass sie aus dem Viertel kommen.

Anfang Juli soll es losgehen, am liebsten schon am 1. – aber das ist wie bei allen Gastro-Neueröffnungen eher ein Richtwert. Aktuell baut Augustiner um: Der halbe Braukessel mit Deckel an der Wand darf bleiben, darunter soll das entstehen, was der Stüberl-Anteil des Obacht wird – der Rest ein Wirtshaus. "Und wenn alles gutgeht, haben wir dann auch endlich eine Draußenfläche", seufzt Jachan. Die fehlt dem Stadion nämlich sehr.

Fußballzentriert wird der neue Laden der beiden übrigens auf keinen Fall, maximal EM- und WM-Spiele gibt’s zu sehen. Aber wer Sehnsucht hat nach Rasensport, dem rosa Flausch an der Damenklotür oder – für ganz Bizarre – dem Spaten-Bier, das im Stadion ausgeschenkt wird, weil das Gebäude Spaten-Franziskaner-Bräu gehört: Die Schwindstraße mit dem Obacht ist ja gleich um die Ecke. Wie das so ist in einem normalen Viertel mit normalen Läden.

Lesen Sie auch: Trinktourismus in Regensburg - Kneipenwirte verbieten Junggesellenabschiede

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 0  Kommentare – mitdiskutieren Empfehlungen
0 Kommentare
Artikel kommentieren