Münchner Bier und Tiefenwasser: Brauereien wehren sich gegen Sparforderungen
Das Thema Wassersparen geht auch am Bier nicht vorbei. Wie berichtet, dürfen und müssen Münchner Brauereien Tiefenwasser abpumpen, um ihren Gerstensaft mit dem Siegel "Münchner Bier" zu versehen. Kürzlich hat die Fraktion ÖDP gefordert, dass die Brauereien das Tiefenwasser nur für ihr Bier, nicht aber für die Reinigung der Brauanlagen verwenden dürfen. Schließlich sei dieses tertiäre Grundwasser eine eiserne Reserve für Krisenzeiten.
Physische Trennung der Wasserkreisläufe würde "tiefgreifende Umbauten" bedeuten
Nun meldet sich der Verein der Münchner Brauereien zu Wort. Die Forderung nach einer Umstellung auf normales Stadtwasser für Reinigungsprozesse vernachlässige die gewachsenen Strukturen der oft jahrhundertealten Braustätten innerhalb der Stadtgrenzen, heißt es in einem Schreiben. Die Leitungsnetze in den historischen Gebäuden seien hochkomplex. Eine physische Trennung der Wasserkreisläufe würde tiefgreifende Umbauten und das Entkoppeln ganzer Produktionsbereiche erfordern.
In historischen Gebäuden brauen allerdings nur noch Augustiner Bräu im Westend sowie Spaten und Löwenbräu in der Maxvorstadt. Paulaner, Hacker und Hofbräu betreiben längst moderne Brauereien am Stadtrand.
"Verlagerung auf normales Stadtwasser würde Trinkwasserversorgung belasten"
Für ein wissenschaftliches Fundament habe der Verein nun ein umfassendes hydrogeologisches Gutachten in Auftrag gegeben. Das werde gerade erstellt, aber ein erstes Zwischenergebnis stehe schon fest. Demnach würde eine Reduzierung der Tiefenwasserentnahme "in diesem trägen System" nicht dazu führen, dass sich nutzbare Reserven im Boden aufstauen. Das ungenutzte, hochreine Wasser würde stattdessen einfach über sogenannte Vorfluter ungenutzt in Oberflächengewässer abfließen.
Zudem würde eine Verlagerung des Bedarfs auf normales Stadtwasser die öffentliche Trinkwasserversorgung Münchens zusätzlich belasten, ohne im Gesamtsystem auch nur einen einzigen Liter Wasser einzusparen.
Grundsätzlich liege ein schonender Umgang mit Wasser im Interesse der Münchner Brauereien. Durch Kreislaufsysteme und moderne Brautechnologien hätten sie ihren Wasserverbrauch bereits drastisch von acht Litern Wasser pro Liter Bier in den 1990er Jahren auf drei bis vier Liter halbiert.

