10 Jahre und immer noch keine Wiesnpläne: Haderner Bräu feiert am Stürzerhof
Um es gleich vorwegzunehmen: "Für uns war noch nie das Ziel, auf die Wiesn zu gehen", sagen Marta und Thomas Girg, "wir wollen einfach das beste Bier machen." Zehn Jahre ist es her, dass die beiden ihre kleine Brauerei in Hadern gegründet haben. Und nicht nur das. Haderner Bräu ist die erste Münchner Bio-Brauerei. Zum Jubiläum steigt an diesem Wochenende ein großes Brauereifest.
Angefangen hat alles mit einer Mischung aus Pragmatik und Leidenschaft. Marta Girg arbeitete in einem Bio-Hotel am Starnberger See. Als Weinsommelière trank sie lieber Wein als Bier. Ihr Mann Thomas musste beruflich viel in der ganzen Welt herumreisen, war Biersommelier und braute in seiner Freizeit Bier. Die beiden haben zwei Söhne und suchten nach einem Weg, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.
"Wenn man das macht, was man liebt, kann man auch zu Hause bleiben", dachte sich auch Thomas Girg und die Gründung einer eigenen Brauerei war beschlossen.
Schon bald fanden sich viele Abnehmer in der Haderner Nachbarschaft. Gemeinsam mit ihnen stimmten sie schließlich über ihren Namen ab. "Da gab es ganz lustige Vorschläge", erinnert sich Marta Girg, "Sündenbock und solche Sachen." Aber am Ende ist es dann doch Haderner Bräu geworden.

"Aber was unsere Kinder später mal machen, ist noch offen"
Anders als die sechs Münchner Traditionsbrauereien, Giesinger und Münchner Kindl Bräu, haben sie keinen eigenen Tiefbrunnen. Aus einem solchen müssen Brauereien das Wasser zum Brauen verwenden, damit ihr Bier das Siegel "Münchner Bier" bekommt.
Das wiederum wäre Voraussetzung, um auf der Wiesn Bier ausschenken zu dürfen. Für solche Dimensionen ist der Stürzerhof dann aber doch zu klein. "Aber was unsere Kinder später mal machen, ist noch offen", sagt Marta Girg und schmunzelt.
Im Moment reicht es ihnen, ihr Bier nach dem Reinheitsgebot zu brauen, und zwar nur mit bayerischem Hopfen, Malz und Hefe, noch dazu bio-zertifiziert. Im Lauf der Jahre sind einige Biersorten dazugekommen.
Bis schließlich ein Traum für das Paar in Erfüllung ging. Am Ende der Großhaderner Straße befindet sich der Stürzerhof. Marta Girg hat ihn schon immer bewundert. Im Jahr 1770 kam dort der spätere Brauereigründer Joseph Pschorr auf die Welt. Als die Besitzer des denkmalgeschützten Dreikant-Hofes den Girgs anboten, ihre Brauerei dort zu betreiben, mussten sie nicht lange überlegen.

Brauereiführungen und Braukurse
Drei Jahre ist das jetzt her. Seitdem braut Thomas Girg dort gemeinsam mit seinen Braumeistern Biersorten von Hell über Dunkel, IPA und Weißbier bis Alkoholfrei sowie diverse Saisonbiere. Und nicht nur das. Dazu gibt es einen Hofladen mit Bio-Produkten und eine kleine Brauhaus-Gaststätte mit Freischankbereich. Dort wird von Mittwoch bis Samstag frisch gekocht. Viele Stammgäste aus der Nachbarschaft kommen häufig.
Außerdem werden regelmäßig Brauereiführungen und Braukurse angeboten. Die Räumlichkeiten sind auch für Veranstaltungen buchbar.
An diesem Wochenende findet auf dem Stürzerhof die große Jubiläumsfeier statt. Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes Lothar Ebbertz hat bereits gratuliert, die Bayerische Bierkönigin Katharina Kastenmüller das erste Fass Jubiläumsbier angezapft.
Von Freitag bis Sonntag ist ganz München willkommen. Neben Schmankerln von indisch bis Steckerlfisch und natürlich Bier gibt es Musik, ein Kinderprogramm und viele Handwerksstände. Der Eintritt ist frei. Ebenso die Brauereiführungen, die mehrmals am Wochenende stattfinden. Eröffnet wird am Freitag um 15 Uhr mit den Böllerschützen.
Großhaderner Str. 56a
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