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Erneut ÖPNV-Streik in München: Kämmerer sieht schwarz für die Kasse

Mit dem Streik will Verdi vor der fünften Verhandlungsrunde für den kommunalen Nahverkehr Druck machen, in München fahren mehr Linien als erwartet. Ein Brandbrief der Kommunen an Verdi lässt aufhorchen.
Carmen Merckenschlager,
Guido Verstegen
Guido Verstegen
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Der Verdi-Streik schließt sich direkt an die Sperrung der Stammstrecke in München an. (Archivbild)
Der Verdi-Streik schließt sich direkt an die Sperrung der Stammstrecke in München an. (Archivbild) © imago images/Wolfgang Maria Weber

Update, 15 Uhr: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) zieht ein durchaus positives Fazit: "Trotz des ganztägigen Streiks standen die U-Bahnen, Trambahnen und Busse in München nicht still. Die MVG konnte ein Grundangebot mit gut zwei Drittel der Busse auf allen Linien im gesamten Stadtgebiet sicherstellen. Zusätzlich waren U-Bahn und Tram auf einzelnen Linienabschnitten in Betrieb."

Update, 14.38 Uhr: Die Finanzchefs einiger bayerischer Kommunen – unter anderem auch Münchens Kämmerer Christoph Frey (SPD) – gehen auf die Barrikaden und weisen in einem Brandbrief an die Gewerkschaft Verdi auf die klammen Kassen der Städte und Gemeinden hin. "Für zusätzliche Verlustausgleiche aus kommunalen Haushalten besteht derzeit kein Spielraum."

Düstere Prognose von Finanzchefs bayerischer Kommunen  

Man habe Verständnis, dass sich Verdi "mit Nachdruck für die Interessen der Beschäftigten einsetzt und die deutlich gestiegenen Lebenshaltungskosten im Tarifabschluss angemessen berücksichtigt werden müssen". Allerdings müssten alle Betriebskostensteigerungen im ÖPNV und damit ausdrücklich auch Tarifabschlüsse in den kommenden Jahren entweder durch steigende Fahrpreise gegenfinanziert oder durch eine Reduzierung des Angebots kompensiert werden.

"Realistisch betrachtet deutet derzeit vieles auf Letzteres hin", heißt es. Sollten allerdings Bus-, Tram- oder U-Bahn-Linien gestrichen und Takte ausgedünnt werden, dann sei dies "mit erheblichen negativen Folgen für die Verkehrswende" verbunden.

Münchens Kämmerer Christoph Frey: "Dass sich Bund und Land stärker an der Finanzierung der Betriebskosten des ÖPNV beteiligen müssten, ist seit Langem eine berechtigte Forderung der kommunalen Familie." (Archivbild)
Münchens Kämmerer Christoph Frey: "Dass sich Bund und Land stärker an der Finanzierung der Betriebskosten des ÖPNV beteiligen müssten, ist seit Langem eine berechtigte Forderung der kommunalen Familie." (Archivbild) © Stadt München

Update, 9.30 Uhr: Die MVG informiert über die aktuelle Betriebslage. Den Angaben zufolge fährt die U-Bahn auf zwei Abschnitten.

Die U3/U6 verkehrt demnach alle zehn Minuten im Abschnitt Fürstenried West – Implerstraße – Sendlinger Tor – Münchner Freiheit – Fröttmaning. Die U2/U5 verkehrt alle 20 Minuten im Abschnitt Feldmoching – Scheidplatz – Hauptbahnhof – Sendlinger Tor – Giesing Bahnhof – Neuperlach Süd.

Bei der Tram sind drei Linien in Betrieb: Linie 20 im Zehn-Minuten-Takt, Linie 25 im 20-Minuten-Takt und Linie 17 im Abschnitt Sendlinger Tor – St. Emmeram (alle 20 Minuten). "Bitte beachten Sie: Die Fahrten der Linie 17 werden nicht in der Fahrplanauskunft angezeigt", teilt die MVG dazu mit.

Beim Bus sind gut zwei Drittel der Fahrzeuge unterwegs. Die Busse fahren unregelmäßig auf allen Linien.

Heute ÖPNV-Streik in München: MVG weitet U-Bahn-Betrieb aus 

Update, 14. April, 8.29 Uhr: Die Gewerkschaft Verdi hat für den heutigen Dienstag erneut zu einem ganztägigen Warnstreik ausgerufen. Davon sind vor allem die Fahrgäste von U-Bahn, Trambahn und den Buslinien bis zur Nummer 199 betroffen. Zur Erinnerung: Die S-Bahn, die Regionalzüge und die MVV-Regionalbuslinien werden nicht bestreikt.  

Wie die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mitteilt, ist ein regulärer Betrieb voraussichtlich wieder ab Mittwoch (3.30 Uhr) möglich, wenn der Streik beendet ist. Die MVG empfiehlt, während des Streiks auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Homeoffice einzuplanen, wenn das möglich ist.  

Zur aktuellen Betriebslage meldet die MVG, dass der U-Bahn-Betrieb ausgeweitet werden konnte: Im Abschnitt Fürstenried West–Fröttmaning kommt demnach alle zehn Minuten ein Zug, die Betriebsaufnahme im Abschnitt Feldmoching–Neuperlach Süd wird vorbereitet.  

Auch bei der Tram konnten weitere Linien in Betrieb gehen: Auf der Linie 20 fahren die Züge im Zehn-Minuten-Takt. Auf der Linie 25 sowie im Abschnitt Sendlinger Tor–St.  Emmeram der Linie 17 kommt alle 20 Minuten ein Zug. "Wenn sich zusätzliche Fahrerinnen und Fahrer zum Dienst melden, wird der Betrieb bei U-Bahn und Tram gegebenenfalls auf zusätzliche Abschnitte und Linien ausgeweitet", heißt es.

Im Busverkehr sind mehr als die Hälfte der Fahrzeuge unterwegs. Die Busse fahren unregelmäßig auf allen Linien. Aktuelle Informationen finden Sie auf mvg.de und in der App MVGO. In der Verbindungsauskunft finden Fahrgäste wie immer alle aktuellen Informationen unter "Aktuelle Störungen", auf mvg.de unter "Störungen".

In der App MVGO  ist während des Streiks unter anderem ersichtlich, auf welchen Linien Fahrzeuge unterwegs sind. Die Meldung wird regelmäßig aktualisiert.

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Die aktuelle Verbindungsabfrage auf mvg.de und in der App MVGO zeigt mit farbiger Uhrzeit an, welche Züge und Busse auch im Streikfall fahren (grün = pünktlich; rot = verspätet).  Außerdem informiert die MVG auch über Anzeigen und Ansagen über die Betriebslage.

MVG versucht, Grundversorgung für München sicherzustellen 

Erstmeldung, 13. April: Am Dienstag wird der ÖPNV in München erneut bestreikt. Ein paar Verkehrsmittel sind unterwegs. Dramatisch sind die Auswirkungen vor allem für den Handel in der Innenstadt

Schon zum sechsten Mal hat die Gewerkschaft Verdi in den laufenden Tarifverhandlungen zu Streiks aufgerufen – von Dienstag bis Mittwochfrüh (3.30 Uhr). Unter anderem soll der Arbeitskampf U-Bahn, Bus und Tram in München lahmlegen, wie Verdi mitteilt.

Auch in Nürnberg, Augsburg, Regensburg, Fürth, Bayreuth, Dachau, Passau, Landshut und Schweinfurt werden die öffentlichen Verkehrsmittel der Gewerkschaft zufolge bestreikt. Nicht betroffen sind S- und Regionalbahnen.

In München versucht die MVG, eine Grundversorgung sicherzustellen. Unter anderem durch private Omnibusunternehmen – so sollen zumindest einige Busse Passagiere befördern. Etwa die Hälfte der Fahrzeuge sei im Einsatz, teilt die MVG mit.

ÖPNV-Streik in München: Was noch fährt – und was nicht

Je nach Personalverfügbarkeit sollen außerdem ein paar Tram- und U-Bahnen fahren. Die Priorität liegt dabei wie bei den bisherigen Streiktagen auf der Tramlinie 20 und bei der U-Bahn auf der U6.

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Dennoch empfiehlt die MVG auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Homeoffice einzuplanen, wenn möglich.

Handel in der Münchner Innenstadt: "Der Schaden geht in die Millionen"

Wer aber in die Innenstadt muss, schaut in die Röhre. Und das sind nicht wenige, wie der Verband der Münchner Innenstadthändler Citypartner aus einem Gutachten des Wirtschaftsreferats zitiert: Allein in der Münchner Innenstadt sind circa 100.000 Beschäftigte von dem Streik betroffen.

"Der Schaden geht in die Millionen", sagt Wolfgang Fischer, langjähriger Geschäftsführer von Citypartner, zur AZ. Ganz konkret lasse sich der Schaden nicht beziffern, aber: "Es sind neben Handel, Gastronomie und Dienstleistung auch die Kulturbetriebe betroffen. Sie kommen ja auch nicht mehr in die Kammerspiele, ins Museum. Die Unternehmen sind entsetzt", so Fischer weiter.

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Durch die Sperrung der Stammstrecke zwischen Stachus und Ostbahnhof über die Osterferien – welche an diesem Montag endet – sei die Innenstadt ohnehin gebeutelt gewesen. Fischer: "Die Auswirkungen waren dramatisch. Wir hatten Umsatzrückgänge von bis zu 35 Prozent."

Verständnis für Streik nimmt ab

Man habe zwar Verständnis für die nötigen Baumaßnahmen, für einen weiteren Streik hingegen nicht. "Wenigstens mal ein paar Wochen ohne Einschränkung, das hätten wir uns gewünscht", so Fischer.

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Dass an die Stammstrecken-Sperrung der Verdi-Streik anschließt, kritisiert auch Gregor Lemke, Vorsitzender der Münchner Innenstadtwirte. "Wir predigen auf der einen Seite, dass wir eine autofreie Innenstadt haben wollen, und auf der anderen Seite kannst du scheinbar nur mit der Pferdekutsche oder Esel die Stadt erreichen. So funktioniert das mit der Belebung der Innenstadt definitiv nicht", teilt er der AZ mit.

Tarifverhandlungen gehen weiter

Bei den Gästen herrsche Verdruss, die Wirtshäuser selbst hätten an solchen Tagen Umsatzeinbußen von bis zu 20 Prozent, so Lemke. Genaue Angaben in Zahlen seien schwierig. "Ich kann nur eins sagen: Dass wir im Moment auf einem gefährlichen Weg für die komplette Wahrnehmung der Münchner Innenstadt sind!", kritisiert Lemke.

Die Geduld der Menschen würde zu oft auf die Probe gestellt. Seine Angst: Menschen verlieren die Lust, grundsätzlich in die Innenstadt zu kommen.

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Mit der Aktion am Vortag der fünften Verhandlungsrunde für Bayern will Verdi Druck auf die Arbeitgeber machen. Inzwischen hat die Gewerkschaft ihre Forderungen ein Stück weit reduziert und will eine Erhöhung der Entgelte um 550 Euro in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 24 Monaten sowie eine Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit.

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Auch die Arbeitgeber hatten nach der letzten Verhandlungsrunde mitgeteilt, dass sie ihr Angebot verbessert hätten, die Forderung der Gewerkschaft aber als "realitätsfern" abgelehnt. Man habe "großes Verständnis für den Frust der Fahrgäste" und sei sich der angespannten Situation in Anbetracht der hohen Energiepreise bewusst, heißt es von Verdi. "All diese Probleme können jedoch nur politisch gelöst und nicht auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden." 

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  • Wolff vor 9 Stunden / Bewertung:

    Tja, so geht Erpressung von Arbeitgeberseite. Verweis auf leere Kasse ist ja mal ein ganz innovatives Argument - habe ich seit Jahrezehnten nicht gehört... Dabei ist das, was hier so großspurig "Verkehrswende" genannt wird, mangels Kapazitäten zu den Hauptverkehrszeiten sowieso nicht möglich. Alles Lüge und Augenwischerei.

    Ist doch ganz klar, wer den ÖPNV haben will, der muss ihn auch bezahlen. Ergo, rauf mit den Fahrpreisen. Hier jubilieren doch sowieso schon einige, dass sie mit dem ÖPNV viiiiiel billiger unterwegs wären, als mit dem Auto. Wieso ist das nötig, wenn die Verkehrsbetriebe gleichzeitig massive staatliche Zuschüsse bekommen? Und wenn den Nutzern der ÖPNV das nicht wert ist, dann wird er auch nicht gebraucht. Ganz einfache Schlussfolgerung.

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  • Tak vor 4 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Wolff

    Stell dir vor, 25% würden auf das Auto umsteigen. Dann hast Du Stillstand in der Stadt.
    Ich liebe intelligente Menschen.
    Sicherlich bist Du einer, der sich im anderen Artikel über die hohen Benzinpreise beschwert.

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  • Analyst vor 14 Stunden / Bewertung:

    Oh die kannst du sehr leicht googeln,schaffst auch du.

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