Einbruchserie: Die Tipps kamen aus dem Finanzamt

Eine Serie von 202 Einbrüchen im Raum München und Ingolstadt mit einer Beute im Wert von insgesamt rund 2,4 Millionen Euro. Unglaublich: Die Tipps für lohnende Objekte kamen offensichtlich aus dem Finanzamt.  
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Die Tipps für lohnende Objekte erhielt die Bande direkt aus dem Finanzamt.
dpa Die Tipps für lohnende Objekte erhielt die Bande direkt aus dem Finanzamt.

Eine Serie von 202 Einbrüchen im Raum München und Ingolstadt mit einer Beute im Wert von insgesamt rund 2,4 Millionen Euro. Unglaublich: Die Tipps für lohnende Objekte kamen offensichtlich aus dem Finanzamt

München – Gegen die vier mutmaßliche Mitglieder einer Einbrecherbande hat am Mittwoch der Prozess vor dem Münchner Landgericht begonnen. Laut Staatsanwaltschaft geht auf das Konto der Gruppe eine Serie von 202 Einbrüchen im Raum München und Ingolstadt mit einer Beute im Wert von insgesamt rund 2,4 Millionen Euro. Tipps für lohnende Objekte kamen aus dem Finanzamt, eine der Angeklagten war Mitarbeiterin im Bereich Datenerfassung.

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Die Gruppe soll bei ihren Taten von 2004 bis 2014 auch juristischen Beistand gehabt haben. Eine Anwältin steht noch in diesem Monat vor einer anderen Strafkammer des Landgerichts. Sie soll den Einbrechern verraten haben, ob sie bereits unter Verdacht standen und gesucht wurden. Die Informationen hat sich die Juristin angeblich von einem Polizisten beschafft, der ihr die vertraulichen Daten ahnungslos weitergegeben habe.

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Auf die Spur der Bande führte schließlich das von Zeugen notierte Kennzeichen ihres Fluchtfahrzeugs. Die 43-jährige Fiskus-Angestellte, ihr fünf Jahre jüngerer Mann und zwei 44 und 47 Jahre alte Komplizen werden des gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls beschuldigt. Alle haben im Ermittlungsverfahren die Einbrüche gestanden. Der Prozess ist auf sechs Tage angesetzt.

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Den Geständnissen zufolge plante die Bande ihre Taten 2004 in einem Fastfood-Lokal in Ingolstadt. "Bei der Durchführung gingen die Angeklagten arbeitsteilig vor", so die Staatsanwaltschaft: Einer stellte seine Wohnung als Unterkunft und Lager für Einbruchswerkzeug und erbeutete Tresore zur Verfügung und war auch der Fahrer der Gruppe. Die Datenerfasserin beim Finanzamt besorgte Adressen und Hinweise auf die finanziellen Verhältnisse möglicher Opfer, ihr Mann kundschaftete die Objekte aus. Die "Brüche" verübte er mit zwei Komplizen, die noch auf ihren Prozess warten.

Die Männer waren professionell ausgerüstet mit Werkzeug zum Aufhebeln von Türen und Fenstern und technischem Gerät zum Ausschalten von Alarmanlagen. Aus den Wohnungen nahmen sie hauptsächlich Schmuck, Uhren und Bargeld mit.

Nach ihrer Festnahme machten sie reinen Tisch. Ihre Einbrüche hat die Staatsanwaltschaft auf 58 Seiten aufgelistet. Für schweren Bandendiebstahl sieht das Gesetz Strafen von einem bis zehn Jahren vor. Gespräche zwischen den Beteiligten über eine Verfahrensbeschleunigung durch Einigung über das Strafmaß haben noch zu keiner Einigung geführt.

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