Das geheime Netzwerk der Gangster

Eine Einbrecherbande treibt zehn Jahre ihr Unwesen. Eine Rechtsanwältin, ein Polizist und eine Mitarbeiterin im Finanzamt sollen den Gangstern Infos geliefert haben.
| Ralph Hub
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München - Zehn Jahre haben Gangster hunderte Einbrüche in München und Ingolstadt verübt. Insgesamt rund 2,4 Millionen Euro erbeuteten sie. Möglich war das nur, wie sich jetzt herausstellt, weil die Einbrecher über ein geheimes Netzwerk von Informanten verfügten.

In bester Salamitaktik kommt jetzt häppchenweise ans Licht, wie die Bande all die Jahre bei den Einbrüchen vorgegangen ist. Scheibchen eins präsentierte die Münchner Staatsanwaltschaft am 19. Januar. In einer mehrseitigen Erklärung wurde mitgeteilt, dass gegen insgesamt sechs Männer und eine Frau Anklage wegen schweren Bandendiebstahls erhoben wurde.

Die Männer sollen in wechselnder Besetzung seit 2004 in Häuser und Villen eingebrochen sein. Im Großraum Ingolstadt sind 141 Fälle nachgewiesen, in München 136 Fälle (AZ berichtete).
Einen Tag später gab es in den Polizeipräsidien in München und Ingolstadt Pressekonferenzen, bei denen weitere Details genannt wurden. Kein Wort wurde allerdings darüber verloren, dass die Bande Hilfe vom Finanzamt hatte.

Scheibchen Nummer zwei wurde erst am 9. Februar durch Medienberichte bekannt: Demnach hat eine Mitarbeiterin im Finanzamt Ingolstadt die Bande über Jahre hinweg mit streng vertraulichen Insiderinfos versorgt. Die 43-Jährige soll ihrem damaligen Ehemann, einem Mitglied der Bande, verraten haben, in welchen Häusern etwas zu holen ist. Sie soll gezielt in Steuerunterlagen von vermögenden Privat- und Geschäftsleute geforscht haben, wer sich einen Tresor einbauen ließ und das steuermindernd beim Fiskus angegeben hatte.
Die Einbrecher wussten deshalb vorab sogar, mit welchem Tresortyp sie es zu tun haben.

Das dritte und vorerst letzte Salamischeibchen wurde gestern bekannt. Die Staatsanwaltschaft bestätigte einen Bericht, wonach die Bande offenbar Unterstützung durch eine Rechtsanwältin hatte, die über hervorragende Kontakte zur Münchner Polizei verfügte.
Die Juristin soll in mindestens zwei Fällen bei einem befreundeten Kommissar angefragt haben, ob nach einem bestimmten Auto, dem Fluchwagen der Bande, gefahndet werde oder Haftbefehle gegen bestimmte Personen vorlägen. Der Beamte forschte im Polizeicomputer nach und gab die Infos weiter. „Er hatte keine Ahnung, dass es um die Einbrecherbande ging“, beteuert ein Polizeisprecher. Er habe keine Gegenleistung erhalten, er sei auch nicht Teil der Bande.

Gegen den Kommissar, der zeitweise vom Dienst suspendiert war, erging ein Strafbefehl über 9000 Euro wegen des Verrats von Dienstgeheimnissen. Zudem blüht ihm ein Disziplinarverfahren.
Seine Ex-Freundin sitzt seit neun Monaten in U-Haft. Die Rechtsanwältin muss sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft wegen gewerbsmäßiger Bandenhehlerei, Geldwäsche und Anstiftung zum Verrat von Dienstgeheimnissen verantworten. Eine Anklage wird vorbereitet.

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