Ein neuer Kultur-Ort wird fertig: Doch droht erst einmal Leerstand?

Die Stadt saniert die Jutier- und die Tonnenhalle im Kreativquartier. Beide Hallen sollen Orte für Künstler und Kreative werden. Die Jutierhalle wird diesen Sommer fertig, zwei Jahre vor der Tonnenhalle. Die Frage ist nun: Wer zieht dort ein? Oder droht erst einmal ein Leerstand? 
von  Carmen Meckenschlager
Die Jutierhalle wird noch diesen Sommer fertig. Darin sind Ateliers und Probenräume. Nur: Wer sie nutzen darf, steht noch nicht fest.
Die Jutierhalle wird noch diesen Sommer fertig. Darin sind Ateliers und Probenräume. Nur: Wer sie nutzen darf, steht noch nicht fest. © Loeper

Münchens Kulturszene bekommt neue Räume: Schon vor sieben Jahren hatte der Stadtrat beschlossen, die Jutier- und die Tonnenhalle im Kreativquartier zu sanieren. 2022 startete die Stadt den Umbau der 100 Jahre alten Hallen.

Das Konzept sieht vor, dass in die Jutierhalle Ateliers und Probenräume einziehen. Die Tonnenhalle soll für die freie Tanz-, Theater-, und Musikszene als Veranstaltungsort nutzbar gemacht werden. Vor zwei Jahren allerdings stellte das Baureferat beim Stahl der Tonnenhalle Korrosionen fest. Klar war damals schon, dass sich die Fertigstellung wohl um zwei Jahre verzögern würde.

Die Jutierhalle hingegen wird diesen Sommer fertig. Die Frage ist allerdings, wer dort einzieht. Diesen Mittwoch sollte der Stadtrat über ein vorläufiges Konzept entscheiden, das greifen soll, bis die Tonnenhalle fertig ist. Einen zwei Jahre langen Leerstand bis dahin will Kulturreferent Marek Wiechers (parteilos) vermeiden.

Doch zumindest für einige Wochen oder Monate wird es den wohl geben. Denn die Grünen beantragten, die Vorlage zu vertagen. Warum? Die Kritik an Wiechers Vorschlag war groß: CSU, FDP, ÖDP und die Fraktion Linke/Die Partei wollten das Ganze ablehnen. Gleichzeitig führen Grüne, SPD und FDP und Freie Wähler gerade Koalitionsverhandlungen. Ein Konflikt gleich zu Beginn? Kein guter Start.

Auch die Kämmerei lehnt die Kosten ab

Der Grund für die Kritik: Der Kulturreferent will für den Interimsbetrieb der Jutierhalle fünf befristete Stellen schaffen – unter anderem um den technischen Betrieb sicherzustellen. Er rechnet insgesamt mit Kosten von 480.000 Euro in diesem und mehr als eine Million im nächsten Jahr – an Personal-, Betriebs- und sonstigen Kosten. Allerdings ist die Haushaltslage schlecht. Kämmerer Christoph Frey (SPD) gab eine kritische Stellungnahme ab.

"An allen Ecken und Enden wollen wir sparen, nur hier hört man nicht auf die warnenden Worte der Kämmerei", sagte die FDPlerin Gabriele Neff. Auch für den CSUler Leo Agerer waren die Kosten Grund für die Ablehnung. Sonja Haider von der ÖDP und Marie Burneleit (Die Partei) erinnerten daran, dass seit zwei Jahren feststeht, dass eine Halle früher fertig wird als die andere. Schon längst hätte man sich aus deren Sicht über die Bespielung Gedanken machen müssen.

David Süß von den Grünen kann sich vorstellen, dass Künstler aus dem Fat Cat in die Jutierhalle ziehen. Denn die Gasteig-Zwischennutzung geht im Herbst wohl zu Ende. Ob sie wirklich ins Kreativquartier umziehen? Darüber wird der neue Stadtrat beraten.

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