Bundestagswahl 2017: Das sind die Münchner Kandidaten im Vergleich

Sie wissen immer noch nicht, wen Sie am Sonntag wählen sollen? Die AZ fasst für Sie kurz vor knapp noch einmal die wichtigsten Informationen zu jedem Münchner Wahlkreis zusammen.
| Irene Kleber, Florian Zick
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Bernhard Loos (l., CSU), 62, Unternehmer, tritt heuer erstmals zur Wahl an. Florian Post (SPD), 36, Diplom-Kaufmann, ist schon seit 2013 im Bundestag.
Bernhard Loos (l., CSU), 62, Unternehmer, tritt heuer erstmals zur Wahl an. Florian Post (SPD), 36, Diplom-Kaufmann, ist schon seit 2013 im Bundestag.

München - Am Sonntag gilt’s, dann dürfen 923.686 Münchner ihre Kreuzerl für die Bundestagswahl machen. München ist in vier Wahlkreise eingeteilt: Nord, Ost, West und Süd. In jedem schicken zehn Parteien je einen "Direktkandidaten" ins Rennen, der mit der Erststimme ("München-Stimme") gewählt wird. Nur der Sieger des Wahlkreises zieht dann "direkt" in den Bundestag. Mit der Zweitstimme ("Kanzler-Stimme") wählt man seine Wunsch-Partei.

Wenige Tage vor der Bundestagswahl liefert Ihnen die AZ nochmals die wichtigsten Informationen zu den Münchner Wahlkreisen. Welche beiden Kontrahenten kämpfen im Münchner Norden um die Stimmen? Wer bildet den Dreikampf im Osten der Stadt? Und wie sah es mit den Erststimmen vor vier Jahren aus? Norden, Osten, Süden, Westen: Klicken Sie sich durch die einzelnen Wahlkreise.


Bernhard Loos (l., CSU), 62, Unternehmer, tritt heuer erstmals zur Wahl an. Florian Post (SPD), 36, Diplom-Kaufmann, ist schon seit 2013 im Bundestag.
Bernhard Loos (l., CSU), 62, Unternehmer, tritt heuer erstmals zur Wahl an. Florian Post (SPD), 36, Diplom-Kaufmann, ist schon seit 2013 im Bundestag.

Bernhard Loos (l., CSU), 62, Unternehmer, tritt heuer erstmals zur Wahl an. Florian Post (SPD), 36, Diplom-Kaufmann, ist schon seit 2013 im Bundestag. Foto: Daniel von Loeper

Der Wahlkreis Nord ist der spannendste in München – denn nur hier hat in der Vergangenheit auch schon ein SPD-Direktkandidat gewonnen (wie Axel Berg 1998, 2002 und 2005; danach übernahm die CSU wieder). Auch heuer könnte es ein enges Rennen werden: Klassische Arbeiterviertel wie Milbertshofen oder das Hasenbergl gehören genauso dazu wie wohlhabende Stadtteile wie Schwabing oder die Maxvorstadt.

Der SPDler Florian Post (der schon Abgeordneter ist) rechnet sich Chancen aus, zumal die CSU mit Bernhard Loos einen eher Unbekannten ins Rennen schickt. Loos hat sich im Wahlkampf deshalb oft mit Amtsträger und Bundestags-Vizepräsident Johannes Singhammer umgeben. Post arbeitet dagegen – mit Hilfe seines Wahlkampfmanagers, Alt-OB Christian Ude.

Erststimmen – So lief's 2013: Johannes Singhammer (CSU): 43,2 Prozent, Florian Post (SPD): 31,4 Prozent, Doris Wagner (Grüne): 10,3 Prozent, Wahlbeteiligung: 69,2 Prozent


Die Kandidaten im Münchner Osten: Claudia Tausend (l., SPD), 53, Diplom-Geografin, seit 2013 im Bundestag. Margarete Bause (Grüne), 58, Sozialwissenschaftlerin, seit 1986/2003 im Landtag. Wolfgang Stefinger (CSU), 32, Betriebswirt, seit 2013 im Bundestag. Foto: Petra Schramek

Der Wahlkreis München-Ost wählt traditionell: rabenschwarz. Seit 1976 haben hier durchweg die CSU-Kandidaten über die Erststimmen das Bundestags-Direktmandat geholt. So geht der junge Wolfgang Stefinger, der schon seit vier Jahren Abgeordneter in Berlin ist, als Favorit ins Rennen. Er gilt als "liberal-konservativer Querkopf" in der CSU (und stimmte in Berlin auch für die Öffnung der Ehe).

Hilfreich für ihn dürfte auch sein, dass bei der politischen Konkurrenz gleich zwei bekannte Gesichter antreten, die sich gegenseitig Erststimmen wegnehmen dürften: die SPD-Abgeordnete und zuvor langjährige Stadträtin Claudia Tausend (die es bei der letzten Wahl 2013 dann doch noch über die SPD-Landesliste nach Berlin schaffte). Und die prominente Grüne Margarete Bause, die viele Jahre im Landtag saß und jetzt erstmals in den Bundestag will.

Dass es Claudia Tausend erneut in den Bundestag schafft, ist immerhin möglich, sie scheint als Nummer 12 auf der Landesliste gut abgesichert (zuletzt waren 22 Bayerische SPDler nach Berlin gezogen). Damit es für Bause reicht (Listenplatz 9 der Bayern-Grünen), müsste ihre Partei – so schätzt sie – rund neun Prozent der Zweitstimmen holen.

Erststimmen – So lief's 2013: Wolfgang Stefinger (CSU): 44,7 Prozent, Claudia Tausend (SPD): 28,7 Prozent, Ulrike Goldstein (Grüne): 10,1 Prozent, Wahlbeteiligung: 71,3 Prozent



Michael Kuffer (l., CSU), 45, Rechtsanwalt, tritt heuer erstmals an gegen Sebastian Roloff (SPD), 34, Rechtsanwalt, tritt heuer ebenfalls zum ersten Mal an. Foto: ho/AZ

Nur ein Mal in den letzten 40 Jahren hat ein Roter den Bundestagswahlkreis München-Süd geholt, zu dem das bürgerliche Hadern genauso gehört wie das Arbeiterviertel Sendling und das geldige Harlaching – das war 1998.

Ansonsten wählt der Süden: Schwarz. Der CSU-Direktkandidat Michael Kuffer ist damit Favorit. Zumal er als CSU-Stadtrat und Fraktions-Vize (einer aus der "Abteilung Attacke") einen präsenten Wahlkampf hingelegt hat: Er forderte bewaffnete Hilfssheriffs am Hauptbahnhof, mehr Kameraüberwachung, erfand einen "Angstraum-Atlas" und inszeniert sich damit als "Law-and-Order"-Mann (wie sein Wahlkreis-Vorgänger Peter Gauweiler).

Gegen Kuffer tritt bei der SPD der Gewerkschafter und IG-Metall-Jurist Sebastian Roloff an, der als "Kümmerer" um Erststimmen wirbt und sich dem Reizthema Miete verschrieben hat. Roloff geht zum ersten Mal ins Rennen und war letztes Jahr noch unbekannt im Wahlkreis.

Bauchschmerzen bereitet der CSU eher, dass für die FDP der (vor allem in den sozialen Netzwerken) umtriebige Ex-Telekom-Manager Thomas Sattelberger kandidiert und dem CSU-Mann Kuffer viele Erststimmen abjagen könnte. Wie viele Wähler AfD-Kandidat Wolfgang Wiehle (früher CSU-Stadtrat) mobilisieren kann, lässt sich noch nicht abschätzen.

Erststimmen – So lief's 2013: Peter Gauweiler (CSU): 43,4 Prozent, Christian Vorländer (SPD): 28,4 Prozent, Jerzy Montag (Grüne): 11,4 Prozent, Wahlbeteiligung: 71,6 Prozent



Der Dreikampf im Westen: Dieter Janecek (l., Grüne), 41, Politologe, sitzt seit 2013 im Bundestag. Bernhard Goodwin (m., SPD), 38, Sozialwissenschaftler, tritt heuer erstmals an. Stephan Pilsinger (CSU), 30, Arzt, tritt heuer erstmals an. Foto: Stefan Kaminski/Daniel von Loeper/ho/AZ

Im Münchner Westen muss man ziemlich weit in der Geschichte zurückgehen, um einen Nicht-CSUler zu finden, der dort mal etwas gerissen hat. Manfred Marschall war es. Der holte bei der Bundestagswahl 1972 das Direktmandat für die SPD. Seitdem ist der Wahlkreis fest in schwarzer Hand.

CSU-Direktkandidat Stephan Pilsinger würde diese Serie gerne fortsetzen. Der junge Arzt aus Obermenzing geht aufgrund der konservativen Prägung des Wahlkreises als Favorit in die Wahl. Hilfreich könnte für ihn sein, dass die Grünen mit dem ehemaligen Münchner Parteichef Dieter Janecek wieder einen durchaus namhaften Kandidaten aufgestellt haben. Gut möglich, dass sich Janecek und sein SPD-Kontrahent Bernhard Goodwin am Ende gegenseitig Stimmen abluchsen.

Darauf verlassen will sich Pilsinger aber offenbar nicht. Im CSU-internen Wettstreit um Platz 1 im Häuserwahlkampf hat der 30-Jährige bis zuletzt fleißig Klingelschilder geputzt. Janecek versuchte mit umweltpolitischen Themen zu punkten, Goodwin setzte vor allem bei der Wohnungsnot an.

Erststimmen – So lief's 2013: Hans-Peter Uhl (CSU): 42,6 Prozent, Roland Fischer (SPD): 28,6 Prozent, Dieter Janecek (Grüne): 13,1 Prozent, Wahlbeteiligung: 72,7 Prozent

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