Interview

Bühnen-Betreiber: "So unentschlossen wie bei dieser Wahl war ich noch nie"

Markus Kraft bietet Künstlern in München eine Bühne. Was er sich von der Wahl erhofft.
| Lisa Marie Albrecht
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AZ-Interview mit Markus Kraft: Der 32-Jährige ist Betreiber der Bühne im Schlachthof München und leitet auch das Wirtshaus.
AZ-Interview mit Markus Kraft: Der 32-Jährige ist Betreiber der Bühne im Schlachthof München und leitet auch das Wirtshaus. © privat

AZ: Herr Kraft, was wünschen Sie sich von der neuen Regierung?
MARKUS KRAFT: Ich wünsche mir, dass Versprechen, die gemacht, auch eingehalten werden. Und auch, dass die Kultur nicht so stiefmütterlich behandelt wird wie jetzt. Es gab mehrere Beispiele in den letzten anderthalb Jahren, wo die Kultur einfach vergessen wurde oder hinter anderen Wirtschaftszweigen anstehen musste, die eher Hilfe bekommen haben. Das liegt auch daran, dass wir so zersplittert sind und keine Lobby haben. Dennoch würde ich mir von der neuen Regierung wünschen, dass die Kultur einen höheren Stellenwert bekommt.

Welche Corona-bezogenen politischen Entscheidungen haben Sie besonders geärgert?
Ehrlich gesagt sind es zu viele, um sie alle aufzuzählen. Ein ganz aktuelles Beispiel: Im Kulturbetrieb haben wir in Bayern derzeit die Wahl, ob wir Abstände einhalten bei unseren Veranstaltungen und dafür auf die Maskenpflicht verzichten, oder ob wir unter Vollauslastung wieder aufmachen, dafür aber die Maskenpflicht am Sitzplatz haben. Da frage ich mich: Wieso müssen wir in der Kultur diese Wahl treffen, in der Gastronomie gibt es die aber nicht? Da darf jeder reingehen, sich mit seiner 20-Personen-Gruppe am Tisch treffen und hat keine Abstände zu anderen Gästen einzuhalten.

Kultur: Keinen großen Stellenwert im Wahlkampf

Sehen Sie eine Chance, dass sich mit der neuen Regierung etwas ändert - und wenn ja, bei welcher Partei?
Ich sehe da ehrlich gesagt wenig Chancen, weil die Kultur auch im Wahlkampf keinen großen Stellenwert eingenommen hat. In Bezug auf die Gastronomie - ich bin ja auch Gastronom -, hat SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz versprochen, dass der verringerte Mehrwertsteuersatz auf Speisen bleiben soll. Das aber bestreitet die SPD selbst und sagt, das soll nur bis Ende 2022 gelten. Insgesamt denke ich nicht, dass sich großartig etwas ändert.

Das klingt resigniert. Gehen Sie denn trotzdem wählen?
Natürlich. Sich enthalten ist die schlechteste Variante. Mein Problem ist eher, dass ich eine unternehmerische Meinung und auch eine private Meinung habe, beides geht nicht immer ganz d'accord miteinander.

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Haben Sie sich schon für eine Partei entschieden?
Ich habe Favoriten, zwischen denen ich schwanke, aber so unentschlossen wie ich zu dieser Wahl bin, war ich tatsächlich seitdem ich wählen darf noch nie. Ich werde es davon abhängig machen, was jetzt noch passiert.

Warum schwanken Sie?
Als "Privatmensch" ist mir natürlich unter anderem auch der Umweltschutz wichtig, auch mit Blick auf die jüngsten Ereignisse in der Welt. Manche Lösungen sind mir da aber aktuell zu radikal. Ich bin der Meinung, dass die Wirtschaft nicht kaputt gemacht werden darf. Hier muss man einen guten Konsens finden.

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