Bildungsreferent Florian Kraus: Der Chef der Münchner Olympia-Bewerbung darf weitermachen

München darf sich für Olympische Spiele bewerben – und das hat auch mit einem Mann zu tun: Florian Kraus von den Grünen. Er ist Chef des Referats für Bildung und Sport (RBS), in dem die Bewerbung ausgearbeitet wurde. Seit diesem Mittwoch ist klar: Er darf weiter an dem Konzept feilen. Der Stadtrat hat ihn wiedergewählt – und zwar mit 62 von 79 Stimmen.
Kraus ist seit 2021 Leiter des RBS, dem größten städtischen Referat, 16.200 Mitarbeiter sind dort beschäftigt.
Vorher arbeitete er als Rechtsanwalt. Als er vor fast sechs Jahren zum ersten Mal antrat, hagelte es Kritik. Die damalige CSU-Stadträtin Beatrix Burkhardt bezeichnete den Vorschlag der Grünen als "erbärmlich". Auch Die Linke und die FDP waren gegen ihn.
Die Kritik war heftig, der Start nicht einfach
"Heftig" nennt Kraus die Kritik von damals zwar. "Doch wir haben uns schnell ausgesprochen und schnell ein gutes Verhältnis gefunden", sagt Kraus nach seiner Wahl zur AZ. Er gibt zu, dass der Start nicht einfach war: Das Politikfeld Bildung und Sport sei neu gewesen, Corona habe es nicht einfacher gemacht.
Doch ganz offensichtlich hat Kraus seine Kritiker überzeugt – zumindest teilweise. Auch CSU-Chef Manuel Pretzl kündigt an, dass seine Fraktion ihn wählen werde. "Eine uneingeschränkte Zustimmung ist allerdings nicht vorhanden", sagt er.
Kraus stehe als Bildungsreferent auch dafür, dass wieder Kita-Gebühren eingeführt werden und dass die Schulsanierungen stocken würden. Dass die CSU sich trotzdem für Kraus aussprach, liegt laut Pretzl an dem Olympia-Erfolg.
"Olympia beherrscht nicht meine tägliche Arbeit"
"Olympia ist ein wichtiges Thema", sagt Kraus. "Aber es beherrscht nicht meine tägliche Arbeit." Kraus ist verantwortlich für 127 städtische Schulen und 460 städtische Kitas. Außerdem beaufsichtigt sein Referat 1100 weitere Kitas in freier Trägerschaft.
Und so ist Olympia, wenn man Kraus nach seinen Zielen für die nächsten sechs Jahre fragt, nur ein Thema neben vielen. "Wir müssen den Rechtsanspruch auf Ganztag sicherstellen auch für Kinder mit Förderbedarf", sagt Kraus. Er wolle einen Schwerpunkt auf Inklusion setzen und freilich müssten auch weiterhin Schulen gebaut und saniert werden.
Und im nächsten Jahr wartet womöglich Ärger auf ihn: Ab September 2027 wird die Stadt wieder Gebühren für den Kindergarten erheben und mehr Geld für die Krippe verlangen. "Gerade läuft schon die Anhörung der Elternbeiräte", erzählt Kraus. Ihre Kritik halte sich in Grenzen. "Dass es zu einer größeren Protestwelle kommt, glaube ich nicht." Jetzt darf sich Kraus sowieso erst einmal freuen: über Olympia – und seine Wiederwahl.