Abgewählter SPD-Mann Florian Post: "Ich befinde mich auf dem Weg in ein neues Leben"

Der SPDler Florian Post verliert sein Bundestagsmandat. Was er nun plant.
| Christina Hertel
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Eigene Wahlparty: (v.l.) Florians Posts Mutter, Christian Ude, Florian Post und Andreas Lotte am Sonntagabend.
Eigene Wahlparty: (v.l.) Florians Posts Mutter, Christian Ude, Florian Post und Andreas Lotte am Sonntagabend. © Christina Hertel

München - Kurz nachdem eigentlich der große Jubel ausbrechen müsste, weil die Balken auf dem Fernsehbildschirm zum ersten Mal seit Jahren für die SPD am längsten sind, fallen ein paar dicke Regentropfen durch das Dachfenster auf Florian Posts Kopf.

Er sitzt seit 2013 für die SPD im Bundestag und an diesem Abend in einem Wirtshaus in der Altstadt. Doch freuen kann sich Florian Post (40) nicht. Dabei weiß er da noch gar nicht, dass er dem nächsten Bundestag nicht mehr angehören wird.

Florian Post kämpfte allein - auch gegen "seine" SPD

Florian Post hatte sich mit der Münchner SPD so sehr zerstritten, dass er nicht auf der bayerischen Landesliste vertreten war. Im Münchner Norden führte er deshalb einen einsamen Wahlkampf ums Direktmandat - mit eigener Werbeagentur, eigenen Plakaten und am Ende einer eigenen Wahlparty.

An den Tischen sitzen Altgediente, die manche wohl als SPD-Urgesteine bezeichnen würden: der ehemalige Münchner OB Christian Ude, Florian Posts Mutter, die einst für die SPD Bürgermeisterin in einem tiefschwarzen Dorf in der Oberpfalz war, oder Wolfgang Jean Stock, der Enkel des ersten bayerischen SPD-Ministerpräsidenten nach der Nazi-Zeit.

Die Ablehnung von Kühnert eint hier alle

Einig sind sich die meisten hier, warum sie Kevin Kühnert ablehnen (keine Ausbildung, schlampige T-Shirts) und warum sie die SPD gut finden (Willy Brandts Bildungspolitik). Außerdem sind in dem Raum viele in Tracht - zum Beispiel der Prinz von Bayern, ein Urenkel von Ludwig II., dem König, der Schloss Neuschwanstein baute. Der Prinz will gratulieren. Nicht zu früh freuen, sagt Post, gut drei Stunden, bevor klar ist, dass er sich an diesem Abend nicht mehr freuen kann. An die 40.000 Euro habe er aus privater Tasche für den Wahlkampf ausgegeben, erzählt Post.

Wie 2017 verlor Post mit einem guten Ergebnis

Das Direktmandat errang wie bei der Wahl zuvor trotzdem der CSUler Bernhard Loos. Er holte 25,7 Prozent, Post bloß 21,9 Prozent. Es ist das beste Ergebnis unter allen SPD-Direktkandidaten. Doch das Rennen machten im Norden so wie in den anderen Wahlkreisen CSU und Grüne unter sich aus.

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Welche Schlüsse die Münchner SPD daraus ziehen sollte, will Post, der so gerne Krawall gegen die eigene Partei machte, am nächsten Morgen nicht kommentieren. Er wolle nicht als einer wahrgenommen werden, der nachtritt, sagt Post. "Ich befinde mich auf dem Weg in ein neues Leben."

"Ich hatte nie einen Plan B"

Was er nun mit seinem Leben anfangen will, weiß Post allerdings nicht. "Ich hatte nie einen Plan B. Ich bin 40 Jahre alt, habe eine gute Ausbildung. Ich sortiere mich jetzt erst einmal."

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Florian Post studierte BWL, bevor er Bundestagsabgeordneter wurde, arbeitete er als Manager bei den Stadtwerken im Bereich Energiepolitik. Seine Familie, meint Post, sei auch froh, wenn er mehr Zeit für sie habe. Dieses Jahr wurde er Vater von Zwillingen.

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