35 Euro für ein Schnitzel? Münchner Wirt erklärt steigende Gastro-Preise

Ein Versprechen von Markus Söder, steigende Preise in den Restaurants und verärgerte Leser. Jetzt schaltet sich ein Münchner Wirt aus der Innenstadt in die Debatte ein.
von  Alexander Spöri
Gregor Lemke ist der Chef vom Augustiner Klosterwirt und Sprecher der Münchner Innenstadtwirte.
Gregor Lemke ist der Chef vom Augustiner Klosterwirt und Sprecher der Münchner Innenstadtwirte. © STL Studio Liebhart/imago

Seit Jahresbeginn gilt die Mehrwertsteuersenkung auf Speisen – und Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte versprochen, die Bürger dadurch zu entlasten, wie er im Herbst auf Facebook schrieb. Doch die Gastro-Preise in Bayern stiegen im Januar trotzdem im Vergleich zum Vorjahr um 3,9 Prozent.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kritisierte Söder dafür scharf: Sein Versprechen, die Bürger zu entlasten, sei nicht eingelöst worden. Nun meldet sich ein Münchner Wirt aus der Innenstadt zu Wort – und erklärt, warum die Branche die Steuersenkung in derzeitiger Lage gar nicht weitergeben kann: Das Wasser stehe ihr bis zum Hals.

"Wenn die Politik sich nicht erst Mitte Dezember entschieden hätte"

Gregor Lemke, Vorsitzender der Münchner Innenstadtwirte und Chef des Augustiner Klosterwirts an der Frauenkirche, stellt sich angesichts der Kritik – auch von AZ-Lesern – vor seine Kollegen. Der Vorwurf, die Wirte hätten die Steuerentlastung einfach eingesteckt, greife zu kurz.

"So viele Kollegen haben die Preise letztes Jahr nicht erhöht", sagt er der AZ. Den jetzigen Anstieg begründet er neben den generell gestiegenen Kosten mit dem späten Beschluss der Politik: Die Entscheidung zur Steuersenkung fiel im Bundesrat erst Mitte Dezember – zu einem Zeitpunkt, als viele Betriebe mitten in der Unsicherheit für 2026 planen mussten.

"Wenn die Politik sich nicht erst am 19. Dezember final entschieden hätte, wäre der Preisanstieg geringer ausgefallen." Für die kommenden Monate erwartet er jedoch Stabilität: "Ich bin mir sicher, dass kein weiterer Anstieg mehr verzeichnet wird."

Münchner Wirt: Die Branche kann die Steuersenkung nicht weitergeben

Dass die Preise bereits 2025 nicht noch stärker gestiegen sind, sei kein Zufall, sondern das Ergebnis bewusster Zurückhaltung – die Kostensteigerungen hätten viele Wirte selbst getragen. Hätten die Wirte den vollen Betrag an die Kunden weitergegeben, wäre das Ergebnis deutlich schmerzhafter: "Da kämen wir in Bereiche, in denen man für ein Schnitzel 35 bis 38 Euro verlangen müsste."

An den SPD-Politiker Florian von Brunn richtet Lemke daher eine direkte Frage: "Wie soll die Gastronomie in der jetzigen Lage denn die Preise senken?", so der Wirt. Er fügt hinzu: "Vielleicht hat Florian von Brunn einen Tipp für uns." Dass manche Gerichte in der Münchner Innenstadt trotzdem Beträge erreichen, bei denen auch Lemke kurz zögert – Kasspatzn für 22 Euro etwa –, gibt er zu. Sein Blick geht allerdings auf ländlichere Regionen.

SPD-Abgeordneter Florian von Brunn: "Von Söder hört man plötzlich gar nichts mehr"

"Wir reden hier nicht über die Innenstadtwirte, weil wir in der Stadt betriebswirtschaftlich gut leben können – es geht um die große Breite der Gastronomie in Dörfern und auf dem Land." Dort sei die Steuersenkung das Mindeste, um gesellschaftlich relevante Betriebe zu erhalten. Sein Appell an die Gäste: "Geht zu eurem Wirt, sonst ist er bald nicht mehr da."

Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kritisiert Markus Söder im Zusammenhang mit der Gastro-Steuersenkung.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn kritisiert Markus Söder im Zusammenhang mit der Gastro-Steuersenkung. © R.Poss/imago

Von Brunn lässt Lemkes Ausführungen auf AZ-Anfrage nicht unkommentiert. Die Kalkulationsentscheidungen der Wirte seien deren Sache, so der Abgeordnete: "Da misch' ich mich nicht ein." Ihm gehe es um etwas anderes:

"Mir geht es um die falschen Versprechungen von Herrn Söder. Ich wusste schon vorher von Gastwirten, dass sie die Senkung nicht weitergeben werden. Das habe ich im Landtag auch gesagt." Söder habe trotzdem damals das Gegenteil behauptet – "und interessanterweise hört man jetzt gar nichts mehr von ihm dazu", so der Sozialdemokrat.

Finanzministerium, Staatskanzlei und CSU-Landesleitung ließen AZ-Anfragen bisher unkommentiert. Gastronom Lemke jedenfalls weiß, dass die Lage für alle schwierig bleibt und es am Ende einen Kompromiss braucht: "Es hilft nichts, wenn der Wirt nichts mehr verdient und genauso wenig, wenn es sich der Gast nicht mehr leisten kann."

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