2G+ in der Gastro: "Der Untergang der Gastronomie"

Sollte für die Lokale in München bald 2G+ gelten, sehen viele schwarz für die Zukunft der Branche. Andere haben sich einigermaßen gerüstet für diesen Fall.
| Ruth Frömmer
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Sylvia Bönner von der Antonius-Tenne in Sendling möchte ihren Gästen wieder etwas bieten.
Sylvia Bönner von der Antonius-Tenne in Sendling möchte ihren Gästen wieder etwas bieten. © Daniel von Loeper

München - Das Jahr 2022 hat kaum angefangen und den Wirten droht schon wieder ein heftiger Schlag. Am Freitag haben die Ministerpräsidenten der Länder eine 2G+ für die Gastronomie beschlossen. Für Bayern wird erst am kommenden Dienstag entschieden, ob auch Geimpfte einen Selbsttest vorzeigen müssen, wenn sie in ein Lokal möchten.

Neue Regelung ist wie ein "Quasi-Lockdown"

Schon im Vorfeld hatte die Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Angela Inselkammer, vor panischem Aktionismus gewarnt: "2G+ stürzt Betriebe in Existenznot ohne Mehrwert für das Infektionsgeschehen." Eine solche Verschärfung lehne der Verband daher kategorisch ab.

Der Beschluss komme im ohnehin extrem umsatzschwachen Januar einem Quasi-Lockdown gleich. Für viele Betriebe würde sich eine weitere Öffnung dann nicht mehr rechnen.

Stephan Kuffler: "Ich werde langsam zum Wutbürger!"

Spatenhaus-Chef Stephan Kuffler ärgert der Plan aus Berlin: "Ich werde langsam zum Wutbürger!" Noch im letzten Jahr wurde verkündet, dass es für Geimpfte kaum noch Einschränkungen geben werde. Für ihn hat die Politik komplett versagt. "Und ausbaden dürfen es nun ein paar wenige Branchen, unter anderem die Gastronomie." 2G, 3G - das alles würde Kuffler akzeptieren. "Die Ungeimpften sollen gerne zuhause bleiben." Aber 2G plus wäre nichts anderes als ein heimlicher Lockdown.

Fürs Spatenhaus war das letzte Jahr ohnehin schwierig und die abgesagten Weihnachtsfeiern und die Einführung der Sperrstunde schließlich "der Genickbruch". Die Sperrstunde hält er für Unsinn. "Was machen denn die Leute nach dem Essen um 22 Uhr? Sie gehen nach Hause und treffen sich da." Kontrollen gebe es da nämlich keine.

Kurzarbeit oder sogar ganz zusperren?

Wie es mit 2G+ weitergehen würde, ist noch nicht abzusehen. "Vermutlich müsste unser Personal wieder in Kurzarbeit. Eventuell würden wir versuchen, mit nur noch einer Schicht zurechtzukommen." Außerdem behält das Spatenhaus sich in diesem Fall vor, zuzusperren, wenn gar nichts los ist.

Asam-Schlössl-Wirt Shane McMahon hat klare Worte: "2G+ ist natürlich ein Riesen-Druck für die Leute, die nicht geimpft sind. Aber darunter leiden müssten wir." Die Stimmung im Thalkirchner Wirtshaus sei auch so schon angespannt.

Katharina Stadler hat viel mitgemacht im letzten Jahr. Ihr Café Kustermann war gerade wieder angelaufen. Jetzt bereitet sie sich auf den schlimmsten Fall vor.
Katharina Stadler hat viel mitgemacht im letzten Jahr. Ihr Café Kustermann war gerade wieder angelaufen. Jetzt bereitet sie sich auf den schlimmsten Fall vor. © Daniel von Loeper

Mit spontanen Besuchen ist erstmal Schluss

"Wir halten uns an alles, weil wir geöffnet bleiben wollen", sagt seine Frau Barbara. Da sich die Vorgaben zum Teil wöchentlich ändern, sei das jetzt schon schwierig. Und spontane Besuche wären mit dem neuen Beschluss jedenfalls endgültig tabu. "Man musste ja in den letzten Wochen schon immer ein kleines Büro dabeihaben, wenn man ins Lokal wollte."

Im Notfall gibt's wieder Straßenverkauf

Egal, wie's letztendlich kommt, das Café Kustermann am Goetheplatz hat sich vorbereitet, erzählt Katharina Stadler. "Wenn keine Gäste mehr kommen, können wir von heute auf morgen das Café schließen und auf Straßenverkauf umstellen", so die Betreiberin. Die Kurzarbeit sei schon angemeldet. Aber das ist nur ein Notfallplan. "Ich bin ein optimistischer Mensch und hoffe, das wir das mit Teamgeist und Ideen hinbekommen", sagt sie hoffnungsvoll.

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"Wenn mit 2G+ andere Beschränkungen, wie die Sperrstunde und die Maskenpflicht wegfallen würden, würde ich das sogar begrüßen", sagt Sylvia Bönner von der Antonius-Tenne in Sendling. Dann hätte das Nachtlokal zwar immer noch weniger Gäste, aber die hätten ihren Abend wenigstens genossen. Aber 2G+ zusätzlich zu Sperrstunde und Maskenpflicht? "Wem sollte man das noch erklären?", fragt Bönner. "Das wäre der Untergang der Gastronomie."

Von einem Wegfall ist keine Rede. Die Aussichten sind also mehr als düster für die Wirte. 


Das sagen die Münchner zur neuen Regel für die Gastronomie

Tom Kirchherr (19), Mechatroniker.
Tom Kirchherr (19), Mechatroniker. © Daniel von Loeper

Tom Kirchherr: "Ich bin geboostert - von daher betrifft es mich persönlich nicht, wenn es eine 2G-plus-Regel für die Gastronomie gibt. Ich bin selbst kein Experte, dennoch halte ich es für gut, dass versucht wird, die Pandemie in Griff zu bekommen. Tests machen schon Sinn. Jetzt braucht es die Corona-Maßnahmen noch. Irgendwann die Normalität zurück zu haben, wäre allerdings toll. Bislang konnte ich mein Jung-Sein nicht wirklich genießen."

Reinhold Laufs (79), Werbeleiter.
Reinhold Laufs (79), Werbeleiter. © Daniel von Loeper

Reinhold Laufs: "Eine 2G-plus-Regel in der Gastronomie ist schlimm für Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Dadurch fühlen sich einige ausgeschlossen. Ich nehme eine Spaltung innerhalb der Gesellschaft und in meinem eigenen Freundeskreis wahr aufgrund der Impfdiskussion. Es sollte nicht sein, dass Ungeimpfte diskriminiert werden. Meiner Meinung nach ist 2G+ übertrieben."

Julia Porer (20), Friseurin.
Julia Porer (20), Friseurin. © Daniel von Loeper

Julia Porer: "Extrem leid tut es mir für die Gastronomie, wenn 2G+ vorgeschrieben ist. Es werden womöglich weniger Leute in Cafés und Restaurants gehen und Mitarbeiter gekündigt. Ich finde es jedoch gut, wenn sich Geimpfte testen lassen müssen. Das macht durchaus Sinn. Meiner Meinung nach ist es nicht okay, wenn sich Geboosterte nicht mehr testen lassen müssen. Die Gefahr einer Ansteckung besteht schließlich auch für Dreifach-Geimpfte."

Ben Dornfeld (33), Steuerassistent.
Ben Dornfeld (33), Steuerassistent. © Daniel von Loeper

Ben Dornfeld: "Ich sehe die aktuellen Maßnahmen ganz nüchtern. Einerseits ist es möglicherweise sinnvoll, andererseits müsste meiner Auffassung nach zweimal impfen für den Gastrobesuch ausreichen. Vermutlich werden viele dann nicht mehr täglich essen gehen. Ich bin demnächst geboostert. Schrittweises öffnen von Bars und Clubs und mehr kulturelle Veranstaltungen wäre wünschenswert."


Hier gilt 2G+ schon jetzt

In bayerischen Städten und Landkreisen, deren Inzidenz unter 1.000 liegt (in München lag sie am Freitag laut RKI bei 305,8), gilt seit dem 28. Dezember 2021 in folgenden Bereichen 2G plus:

  • Auf öffentlichen und privaten Veranstaltungen außerhalb privater Räumlichkeiten, die in geschlossenen Räumen stattfinden.
  • In Sportstätten und bei der praktischen Sportausbildung in geschlossenen Räumen.
  • Bei Sportveranstaltungen unter freiem Himmel außerhalb der eigenen sportlichen Betätigung.
  • Im Kulturbereich bei Theatern, Opern, Konzerthäusern, Bühnen, Kinos, Museen, Messen, Tagungen, Kongressen, Ausstellungen, zu geschlossenen Räumlichkeiten der Objekte der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen.
  • In Freizeiteinrichtungen einschließlich Bädern, Thermen, Saunen, Solarien, Fitnessstudios.
  • Bei Führungen in geschlossenen Räumen.
  • In Schauhöhlen und Besucherbergwerken
  • Auf Indoorspielplätzen.
  • In Spielhallen und -banken.
  • In Wettannahmestellen.
  • In Freizeitparks und im Tierpark Hellabrunn braucht es keinen zusätzlichen Test.
  • Wer seit 14 Tagen geboostert ist, braucht keinen zusätzlichen, tagesaktuellen Antigen-Test. Ob gastronomische Betriebe unter die 2G-plus-Regel fallen sollen, will die Staatsregierung noch prüfen.
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