1.000 Parkplätze will die Stadt abschaffen: Dafür kommen Leihwagen-Stellplätze

Bis 2026 will die Stadt etwa 1.000 Parkplätze in der ganzen Stadt abschaffen und dafür 100 "Mobilstationen" bauen. Parken dürfen dort dann nur noch geliehene Autos.
| Christina Hertel
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An der Münchner Freiheit gibt es bereits Platz nur für Leihautos, die sind sogar elektrisch.
An der Münchner Freiheit gibt es bereits Platz nur für Leihautos, die sind sogar elektrisch. © Sigi Müller

München - Ein Auto, das in der Mitte einmal durchgeschnitten ist, drum herum vier kleine Figuren in Hosen und Kleidern - dieses Schild wird bald häufiger in München zu sehen sein. Es kennzeichnet Parkplätze, die für Carsharing-Autos reserviert sind.

Denn in München sollen es Menschen, die Carsharing nutzen, bald leichter haben einen Parkplatz zu finden. Dafür soll es für alle anderen Autofahrer noch unbequemer werden.

Parkplätze fürs Carsharing: Neue "Mobilpunkte" sollen kommen

Das Mobilitätsreferat plant, in den nächsten vier Jahren zwischen 100 und 200 sogenannter "Mobilpunkte" zu schaffen. Dort sollen vom Leihrad über ÖPNV und den Elektroroller verschiedene Verkehrsmittel zur Verfügung stehen.

Auch Parkplätze, an denen man mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Leihauto findet, weil dort sonst keiner parken darf, sollen an diesen Punkten geschaffen werden. Das kostet Platz: Deshalb will die Stadt bis zu 1.000 Parkplätze, an denen gerade jeder sein Auto abstellen darf, bis 2026 abschaffen.

Hier dürfen nur Carsharing-Autos stehen.
Hier dürfen nur Carsharing-Autos stehen. © Sigi Müller

Private Pkws in München: Zahl der Autos soll reduziert werden

Am Donnerstag will der Stadtrat im Mobilitätsausschuss darüber diskutieren. Weil die Sitzungen momentan nur virtuell stattfinden, ist ein Beschluss erst einmal nicht möglich. Der soll voraussichtlich Anfang Februar folgen. So erklärt der Verkehrsexperte der SPD Nikolaus Gradl das Vorhaben.

Gradl ist davon überzeugt, dass es der Stadt mit dieser Idee gelingen kann, dass die Zahl an privaten Autos zurückgeht. Vorbild dafür sei Bremen: Dort gibt es in der ganzen Stadt 45 "Mobilpunkte" an Straßenbahn- und Bushaltestellen, wo man ein Leihauto findet - und auch wieder abstellen kann. Einer Studie zufolge konnte in Bremen ein Leihauto 17 private Pkw ersetzen, weil der Nutzer das eigene Auto entweder abschafft oder sich keines zulegt.

Studienergebnis: Wann schaffen Carsharing-Kunden das eigene Auto ab?

Auch eine Studie, die das Bundesverkehrsministerium in Auftrag gab, kommt zu dem Schluss, dass Carsharing-Nutzer vor allem dann auf ihr eigenes Auto verzichten, wenn sie ein "stationsbasiertes" Angebot mit einem eigenen Parkplatz wie in Bremen nutzen. 15 Prozent dieser Kunden schafften das eigene Auto ab. Bei dem Anbieter, bei dem die Kunden das Auto abstellen konnten, wo sie wollten und womöglich lange nach einem Parkplatz suchen mussten, waren es nur sechs Prozent.

Parkplätze nur für Leihautos an der Münchner Freiheit oder am Zenettiplatz

Bis jetzt gibt es in München erst ein paar Mobilstationen, an denen ein Parkplatz fürs Leihauto reserviert ist - zum Beispiel an der Münchner Freiheit oder am Zenettiplatz beim Schlachthof. An der Limesstraße in Aubing hingegen wird die Mobilstation wieder abgeschafft, weil die Nachfrage zu gering war.

Carsharing-Anbieter sollen Geschäftsfeld ausweiten

Woran das liegt? Ein Grund könnte sein, dass Carsharing bis jetzt vor allem die Bewohner der Innenstadt nutzen. Bis zum Stadtrand, etwa nach Feldmoching oder Hadern, reicht das Angebot der Carsharer bislang nicht einmal. Ziel der Stadt sei deshalb, so Gradl, die Anbieter dazu zu bringen, ihr Geschäftsfeld auszuweiten. Zwingen kann die Stadt die Unternehmen dazu allerdings nicht.

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Wünschenswert sei jedenfalls, so Gradl, dass es überall in München viele Mobilstationen gibt. "Man sollte nicht mehr als 300 Meter von der eigenen Wohnung bis zur Mobilstation gehen müssen", meint Gradl. Das Mobilitätsreferat nennt eine maximale Entfernung von fünf Gehminuten einen "wesentlichen Erfolgsfaktor".

Plan in Freiham: Gar keine Parkplätze mehr für Anwohner

In Freiham plant die Stadt laut Gradl sogar, dass es selbst für Anwohner gar keine Parkplätze an der Oberfläche mehr geben soll - höchstens zum Be- und Entladen. Der Rest soll für Carsharing reserviert sein.

Wo genau und wann in den anderen Vierteln die Parkplätze abgeschafft werden, ist noch unklar.

Sogar CSU stimmt zu: "Wir unterstützen Shared Mobility"

Dagegen ist nicht einmal die CSU: Deren Chef Manuel Pretzl sagt: "Wir unterstützen Shared Mobility." Und die brauche natürlich auch Platz. Jeden einzelnen Parkplatz wolle sich die CSU aber genau anschauen.

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