Merkel: Opel hat Perspektive für die Zukunft

Der Autozulieferer Magna will nach einer Übernahme alle vier Opel-Standorte erhalten. Ganz ohen Stellenabbau wird dies aber nicht vonstatten gehen. Kanzlerin Merkel sieht wieder eine Zukunft für den Autobauer.
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Das Opel-Werk in Bochum
dpa Das Opel-Werk in Bochum

Der Autozulieferer Magna will nach einer Übernahme alle vier Opel-Standorte erhalten. Ganz ohen Stellenabbau wird dies aber nicht vonstatten gehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht wieder eine Zukunft für den Autobauer.

Erstmals seit vielen Wochen können die Opel-Belegschaften echte Hoffnung schöpfen: Bund, Länder sowie derOpel- Mutterkonzern General Motors (GM) , der Investor Magna und das US-Finanzministerium einigten sich am frühen Samstag in Berlin auf ein Rettungskonzept. Opel wird damit rechtzeitig vor einer Insolvenz des Mutterkonzerns aus dem GM-Verbund herausgelöst. «Das ist der Beginn einer neuen Zukunft für Opel», sagte der GM-Europa-Chefs Carl-Peter Forster. Opel ist nach seinen Worten «im Moment absolut gerettet».

Alle vier Standorte erhalten

Magna will alle vier deutschen Opel-Standorte erhalten. Das Konzept umfasst aber keine verbindlichen Absprachen zu den Arbeitsplätzen von Opel. Aus Regierungskreisen hieß es am Samstag, eine entsprechende Vereinbarung zum Arbeitsplatzerhalt wäre EU-rechtlich nicht zulässig gewesen. Der kanadisch-österreichische Zulieferer Magna spreche in seinem Konzept von einem Abbau von 11 000 Arbeitsplätzen bei General Motors Europe. 2500 Stellen sollen demnach in Deutschland wegfallen, wo Opel bislang 26 000 Arbeitnehmer beschäftigt. Wie viele Arbeitsplätze jedoch tatsächlich gefährdet sind, ist offen. Dies will Magna in den kommenden Wochen untersuchen. In Bochum steht nach Angaben von Nordrhein- Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU ) jeder dritte Arbeitsplatz auf der Kippe. Allerdings soll es ihm zufolge dort keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) sagte nach dem Spitzentreffen, das Konzept bestehe aus drei wesentlichen Einigungen. Es gebe es einen Vorvertrag zwischen GM und dem Magna- Konzern, der zusammen mit russischen Partnern bei Opel einsteigen will. Hinzu komme ein Treuhand-Vertrag, der in Kürze rechtswirksam umgesetzt werden müsse und der die «dingliche Sicherung» für den Bund regele. Zudem liegt laut Steinbrück ein Konsortialvertrag für den staatlichen Überbrückungskredit von 1,5 Milliarden Euro vor. Der Kredit soll helfen, die Zeit bis zu einen abschließenden Vertrag mit Magna zu überbrücken, den es noch auszuhandeln gilt.

Fiat nicht beim Gipfel

Der andere, ernstzunehmende Favorit für Opel, der italienische Autobauer Fiat, hatte nicht an den gut sechseinhalbstündigen Gesprächen im Kanzleramt teilgenommen.Die Zwischenfinanzierung solle innerhalb von fünf Jahren in einen 4,5-Milliarden-Bürgschaftsrahmen übergeführt werden. Magna will laut Steinbrück kurzfristig benötigte Finanzmittel in Höhe von 300 Millionen Euro in der nächsten Woche bereitstellen, ehe das Geld aus dem staatlichen Zwischenkredit fließt. Für den Überbrückungskredit sorgen je zur Hälfte der Bund und die vier Bundesländer mit Opel- Standorten. Auf Bundesseite ist die staatliche Kfw-Bank für den Kredit zuständig, auf Landesseite sind dies die Landesförderinstitute. Das Ausfallrisiko tragen der Bund und die Länder. Sie erhalten dafür Sicherheiten von Opel. Auf Bundesseite kommt das Geld aus dem Wirtschaftsfonds Deutschland, der zum Konjunkturprogramm II gehört. Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte am Samstag, damit bekomme Opel eine «Perspektive für die Zukunft». Dies sei eine Chance, die die Arbeitnehmer verdient hätten. Die Abwägung der Risiken sei nicht einfach gewesen. Mit Blick auf die von Wirtschaftsminister Karl- Theodor zu Guttenberg (CSU) diskutierten «Planinsolvenz» von Opel, sagte Merkel, die Risiken einer Alternative zu einem Rettungskonzept seien für sie «politisch absolut nicht verantwortbar». Laut Merkel gibt es aber unterm Strich eine einheitliche Haltung der Bundesregierung. Guttenberg bekräftigte am Samstag jedoch seine Zweifel an dem Rettungskonzept für Opel: Er sei zu einer anderen Risikoeinschätzung als seine Kollegen gekommen.

Haushaltspolitiker am Zug

Der hessische Ministerpräsident Roland Koch (CDU) verwies darauf, dass den Verträgen auch die Haushaltspolitiker in Hessen und Nordrhein-Westfalen zustimmen müssten. Die Länder, in den die FDP mitregiert, hätten klare Bedingungen an ein staatliches Engagement gestellt. «Ich bin der Auffassung, dass diese Bedingungen erfüllt sind», sagte Koch. Es gebe ein beachtliches, aber noch vertretbares Risiko - insbesondere mit Blick auf die Alternativen. Bei einer Insolvenz wäre ein Massekredit von mindestens 1,5 Milliarden Euro nötig gewesen, um das Geschäft am Laufen zu halten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) bezeichnete die Einigung als «tragfähige Lösung». Der Standort Bochum mit insgesamt 5170 Stellen habe damit eine Zukunftsperspektive bekommen. Es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Neben dem Modell Zafira werde dort auch das Elektroauto Ampera produziert. Der Ko-Vorstandsvorsitzende von Magna, Siegfried Wolf , sagte: «Wir sind jetzt in den nächsten Wochen unterwegs, mit allen Ländern Gespräche zu führen, wo Opel-Standorte sind. Wir sind sehr zuversichtlich, Lösungen zu finden, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten.» Konkrete Zahlen nannte Wolf nicht (dpa)

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