Masterplan: Bundesregierung will sie stärker fördern

Mit Vergünstigungen und Sonderrechten will die Regierung das Geschäft ankurbeln. Wie sinnvoll diese Maßnahmen sind – und was Sie sonst noch alles über E-Autos wissen müssen.
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Mit Steuervergünstigungen und Sonderrechten will die Regierung das Geschäft ankurbeln. Wie sinnvoll diese Maßnahmen sind – und was Sie sonst noch alles über E-Autos wissen müssen.

Berlin Das Ziel ist anspruchsvoll. Bis 2020 sollen eine Milliarde Elektroautos
in Deutschland fahren, derzeit sind es gerade einmal 2300. Gestern hat die Regierung nun beschlossen, das Geschäft mit den Elektroautos anzuschieben. Steuervergünstigungen und Sonderrechte soll es geben. Doch wie ist es eigentlich um Elektroautos bestellt in Deutschland? Was kosten sie, und sind Elektroautos
in der Gesamtbilanz wirklich umweltfreundlich? Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen.

Was genau wurde mit dem E-Paket beschlossen? Elektroautos werden nicht mehr nur fünf, sondern nun zehn Jahre von der Kfz-Steuer
befreit. Die Dienstwagenbesteuerung wurde so geändert, dass die teuereren E-Autos nicht weniger attraktiv sind als herkömmliche Wagen. Zudem sollen Kommunen den E-Autos die Benutzung von Busspuren erlauben können. Auch Fahrspuren nur für Elektroautos sollen möglich sein. Außerdem beinhaltet das E-Paket die Zusage der Regierung, die Forschung und hier vor allem die Batterietechnik bis 2013 mit zusätzlich einer Milliarde Euro zu fördern.

Wie sinnvoll sind diese Maßnahmen? Es sind vor allem die Subventionen an die
Autoindustrie sowie die Dienstwagen-Regelung, die auf Kritik stoßen. Nach Schätzungen von Analysten werden die drei Autobauer BMW, VW und Daimler
bis 2013 36,6 Millionen Euro an frei verfügbaren Mitteln erwirtschaften. Hier stellt sich die Frage, warum der Staat, respektive der Steuerzahler, eine Industrie mit Forschungsgeldern unterstützen muss, die sie ohnehin ausgeben muss, will sie auf dem Automarkt der Zukunft bestehen. Bei der Dienstwagen-Regelung gibt es sogar Kritik aus den eigenen Reihen. „Es kann nicht angehen, dass derjenige, der privat ein E-Auto anschafft, leer ausgeht und am Ende auch noch die Steuersubvention
der Dienstwagenbesitzer mitbezahlen muss”, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), der „Berliner Zeitung”.

Wird es eine Art Kaufprämie für Elektroautos geben? Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Kaufprämie bisher ab, gefordert wird sie von der Autoindustrie und vor allem den Grünen. Renate Künast will 5000 Euro pro Elektroauto zuschießen. Vorbild sind Länder wie Frankreich, Italien und Dänemark, die den Kauf von Stromern finanziell fördern. Hintergrund ist, dass Elektroautos noch relativ teuer sind. Im Durchschnitt kosten sie etwa 9000 Euro mehr als ein Auto mit Verbrennungsmotor.

Was kosten Elektroautos, welche Modelle gibt’s zu kaufen? Der Markt ist noch relativ übersichtlich. Modelle gibt’s von Citroen, Peugeot, Mitsubishi, Karabag, Tazzari, Fräger und Tesla. Mit am günstigsten ist derzeit der Tazzari Zero für rund 24000 Euro. Am teuersten ist der Tesla Roadster mit gut 100000 Euro.

Was machen die großen deutschen Autobauer? Die deutsche Industrie hinkt beim Elektroauto hinterher – so das Ergebnis des Elektro-Index der Unternehmensberatung McKinsey und der Zeitschrift „Wirtschaftswoche”. Hier belegt Deutschland hinter den USA, Frankreich, Japan nur Platz vier. Bis es E-Autos der deutschen Autobauer zu kaufen gibt, dauert’s noch. BWM will 2013 unter der Marke BMW-i zwei Elektro-Modelle auf den Markt bringen, VW 2013 den Elektro-Kleinstwagen E-UP. Audi hat für Ende 2012 den Elektro-Sportwagen R8-Etron angekündigt und für 2013 den Kleinwagen A1 E-Tron.

Wie groß ist bisher die Reichweite von Elektroautos? Die Reichweite der Stromer liegt, je nach Batteriekapazität, Temperatur und Fahrweise zwischen 100 und 150 Kilometer. Modelle wie der A1 E-Tron wollen die Reichweite mithilfe des so genannten Wankelmotors auf 250 Kilometer steigern. Was die Geschwindigkeit angeht, schaffen die meisten Modelle zwischen 150 und 190 km/h. Spitzenreiter ist derzeit der Tesla Roadster mit 212 km/h.

Rechnen sich Elektroautos? Bei einer Jahresleistung von 15000 Kilometern erzeugt ein Elektroauto etwa 622 Euro Stromkosten, so Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Ein vergleichbarer Benziner käme bei gleicher Fahrleistung auf Spritkosten von 1597 Euro.

Wie ökologisch sinnvoll sind Elektroautos? Umweltorganisationen sehen Elektroautos derzeit nur als bedingt klimaschonend. „Elektroautos sind keine CO2-Sparer”, sagt Wolfgang Lohbeck von Greenpeace. Unter realistischen Bedingungen emittiere ein Elektroauto das Eineinhalbfache eines konventionellen Autos. Das liegt vor allem am bundesdeutschen Strommix, in dem erneuerbare Energien bisher nur rund 16 Prozent ausmachen. Eine Überlegenheit des Elektroantriebs, so Lohbeck, könne sich erst bei einem Anteil von 50 Prozent ergeben, also frühestens 2030 – und auch nur dann, wenn der Elektromotor effizienter wird. oss

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