Viel Lärm um Nichts bei Plasberg

Frank Plasberg lud wieder ein: Prominente Vertreter der fünf zentralen Parteien kamen knapp vier Wochen vor der Bundestagswahl zu Wort. Doch das Recht auf Redezeit schein den Politikern wichtiger zu sein, als die Themen.
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Frank Plasberg in seiner Sendung "Hart aber fair"
dpa Frank Plasberg in seiner Sendung "Hart aber fair"

Frank Plasberg lud wieder ein: Prominente Vertreter der fünf zentralen Parteien kamen knapp vier Wochen vor der Bundestagswahl zu Wort. Doch das Recht auf Redezeit schein den Politikern wichtiger zu sein, als die Themen.

Die Schlachten der Landtagswahlen im Saarland, in Thüringen und Sachsen sind geschlagen. Jetzt zerbrechen sich die Parteistrategen ihre Köpfe über mögliche Konstellationen für die Bundestagswahl – besonders der Vormarsch der Linken wirbelt die Parteienlandschaft durcheinander. Frank Plasberg ging in seiner Sendung den rot-roten Perspektiven auf die Spur.

Plasbergs Polittalksendung im Ersten "Hart aber Fair" bot dem Zuseher eine illustre Runde der fünf zentralen Parteien für die Bundestagswahl – Sigmar Gabriel (SPD), Renate Künast (B´90/Grüne), Roland Koch (CDU), Guido Westerwelle (FDP) und Oskar Lafontaine (Die Linke) kämpften um die Meinungshoheit bei der Wählerschaft. Das Motto der Sendung: „Ausgeschlafen, Frau Merkel? Rot-Rot elektrisiert die Republik“.

Die Sitzordnung der fünf Diskutanten war mit Bedacht gewählt: links – Lafontaine und Gabriel, rechts – Westerwelle und Koch, in der Mitte Renate Künast von den Grünen, denen vom Politikprofessor Karl-Rudolf Korte die frühere Rolle der FDP als Mehrheitsbeschaffer zugeschrieben wurde. Plasberg versuchte gleich zu Beginn die Diskussion auf Rot-Rot zu lenken („Sie können nicht miteinander, sie können nicht ohne einander.“). Doch davon wollte der CDUler Koch nichts wissen - er prügelt gleich zu Beginn sein Wahlprogramm in die Runde und verteidigt den Führungsstil der Kanzlerin. Schon da platzt Künast der Kragen und legt einen „engagierten Redevortrag“ hin.

Überhaupt präsentiert sich die grüne Fraktionsvorsitzende wie eine Vollblut-Oppositionelle, und zuweilen auch wie ein kleines Mädchen, dem der Lolly weggenommen wurde („Ich hab schon sooo lange nüschts mehr gesagt!“). Plasberg bemühte sich um Struktur und warf die Abwrackprämie in die Runde. Jetzt war die Zeit für den bemüht staatsmännischen und empathischen Westerwelle gekommen. Erst als der Moderator ihn unterbricht wird Westerwelle leicht bockig und besteht auf sein Rederecht – doch Plasberg setzt sich vorläufig durch. Nach einem kurzen Filmbeitrag verwirrt Künast die Zuschauer mit ihrer Zuordnung der Grünen in einem fiktiven Koordinatensystem, vulgo „Malerei“ (Westerwelle). Nun brachte „Oberlehrer“ Plasberg explizit Rot-Rot ins Spiel und damit auch Oskar Lafontaine, dem vor lauter Rededrang schon das Gesicht rot anlief: er wettert gegen Hartz IV, Abwrackprämie, soziale Ungerechtigkeit, die undemokratische EU und gegen Krieg. Doch Westerwelle holte ihn gleich wieder von seiner rosaroten Anti-Kriegs-Wolke herunter und hauchte der Diskussion wieder ein wenig Realpolitik ein. Bundesumweltminister Gabriel blieb während der Sendung zumeist blass, Koch unsicher und ungewohnt schüchtern.

Fazit: Alle Parteien bemühen sich um die wählende Mittelschicht. Die zentrale Frage für den Wähler – „Was passiert mit meiner Stimme nach der Wahl?“ – bleibt indes weitläufig unbeantwortet. Das eigentliche Thema der Sendung wurde leider nur in Ansätzen ernsthaft diskutiert. Dann wird der Gordische Knoten wohl doch erst nach dem 27. September gelöst werden.

Robert Heis

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