Interview

Gitarrist Derek Trucks im Interview: Demut tut gut

Gitarrist Derek Trucks über sein Projekt "Layla Revisited", über Eric Clapton, indische Musik und die Ehefrau in der Band.
| Dominik Petzold
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Die Gitarristen Doyle Bramhall II, Derek Trucks, Trey Anastasio und Susan Tedeschi 2019 beim Lockn' Music Festival (von links).
Die Gitarristen Doyle Bramhall II, Derek Trucks, Trey Anastasio und Susan Tedeschi 2019 beim Lockn' Music Festival (von links). © Dave Vann

Derek and the Dominos, die kurzlebige Band mit Eric Clapton und Duane Allman, nahm nur ein einziges Studioalbum auf: "Layla And Other Assorted Love Songs". Die Tedeschi Trucks Band um den einzigartigen Gitarristen Derek Trucks und dessen Ehefrau Susan Tedeschi hat mit Trey Anastasio den Klassiker 2019 in einem Konzert von Anfang bis Ende gespielt, nun erscheint das Live-Album.

Derek Trucks verdankt seinen Vornamen "Derek and the Dominos" 

Damit schließen sich mehrere Kreise: Derek Trucks hatte als 19-Jähriger bei der Allman Brothers Band die Rolle von Duane Allman übernommen, 2007 ging er mit Eric Claptons Band auf Welttournee.

Den Vornamen verdankt er "Derek and the Dominos" - sein Vater war glühender Fan und spielte ihm das Album als Kind zum Einschlafen vor. Zu all dem kommt noch ein kosmischer Zufall: Susan Tedeschi wurde am 9. November 1970 geboren - dem Tag, als das Originalalbum erschien.

Derek Trucks: "Man muss wie in einem Orchester denken"

AZ: Mr. Trucks, die Frage, warum Sie ausgerechnet dieses Album live spielten, können wir uns wohl sparen. Was war Ihr Ansatz bei der Neuinterpretation?
DEREK TRUCKS: Wir wollten den Originalarrangements treu bleiben - und wussten, dass es Momente geben würde, wo wir die Songs ausdehnen und etwas hinzufügen können.

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Wie lange haben Sie dafür geprobt?
Mit Trey Anastasio einen Tag, mit ihm und Doyle Bramhall II nochmal einen halben Tag. Zuvor waren wir mit der Tedeschi Trucks Band auf Tour und haben ein paar Wochen lang immer bei den Soundchecks geprobt. Aber alle waren gut vorbereitet.

Wieso haben Sie Ihre Band nicht nur um Trey Anastasio, sondern auch um den Gitarristen Doyle Bramhall II verstärkt?
Auf dem Album gibt es ja auch ein paar Overdubs. Und als ich mit Eric Clapton und Doyle Bramhall II ein Jahr lang auf Tour war, wurde mir klar: Es funktioniert großartig mit drei oder sogar vier Gitarristen, wenn jeder intensiv zuhört.

Wird es mit jedem zusätzlichen Gitarristen schwieriger?
Wenn es die falschen vier sind: auf jeden Fall. Die Leute sollten ihre Hände von der Gitarre lassen, wenn es nicht nötig ist, etwas zu spielen. Wenn so viele Leute auf der Bühne stehen, muss man wie in einem Orchester denken.

Trucks über Clapton: "Niemand kommt ohne Narben durchs Leben"

Welcher Song des "Layla"-Konzerts gefällt Ihnen am besten?
Ich wusste schon bei der ersten Nummer "I Looked Away", dass das toll werden würde. Besonders liebe ich "I Am Yours", und ich erinnere mich, dass bei "Little Wing" die Hütte brannte.

Eric Clapton war auf einem persönlichen Tiefpunkt, als er das Album aufnahm. Spürten Sie diesen Schmerz, als Sie die Musik spielten?
Wir sind alle keine Kinder mehr, haben lange genug gelebt, um etwas Ähnliches zu erleben. Niemand kommt ohne Narben durchs Leben, es ist also leicht, sich da einzufühlen. Das wäre vor zwanzig Jahren schwerer gewesen, in einem Alter also, bevor man sich diese Narben einfängt.

Sie waren mit Clapton 2007 ein Jahr lang auf Tour. Wie war das?
Ich konnte viel lernen, zum Beispiel, wie er allen Musikern erlaubte, ihr Ding zu machen und doch jeder wusste, was sein Rolle war. Da ich mit dieser Musik aufgewachsen bin, war die Tour auch eine surreale Erfahrung für mich. Genauso wie mit den Allman Brothers zu spielen.

"Indische Musik hatte einen gewaltigen Einfluss auf mich"

Sie sind der Neffe von deren Schlagzeuger Butch Trucks. Kannten Sie die Allman Brothers schon als Kind?
Ich habe mit neun, zehn Jahren angefangen, Gitarre zu spielen, nicht allzu viel später habe ich ab und zu mit ihnen gespielt. Als ich 19 war, bin ich in die Band eingestiegen. Eine überlebensgroße Erfahrung.

Der früh verstorbene Duane Allman war ein großes Vorbild für Sie, oder?
Wie Duane Allman und Dickie Betts gespielt haben, fühlte sich einfach anders an: Man hatte nicht das Gefühl, dass es ihnen darum ging, nur zu unterhalten. Später entdeckte ich John Coltrane, und seine Musik gab mir ein ähnliches Gefühl, war eine ähnliche Offenbarung.

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Bahnbrechend ist an Ihrem Gitarrenspiel, dass Sie Rock und indische Musik verknüpft haben. Stimmen Sie zu?
Indische Musik hatte einen gewaltigen Einfluss auf mich. Als ich Ali Akbar Khan und Nusrat Fateh Ali Khan entdeckte, als ich klassische indische Musik und Qawwali-Musik entdeckte, hat das nochmal alles für mich verändert. Besonders mit Blick auf die Slide-Gitarre wurde mir klar, dass es so viel Nuancen und Mikrotöne gibt, die man erforschen kann. Es gab so viel, wovon ich den Eindruck hatte, dass es noch nicht wirklich gemacht wurde. Und ich habe entdeckt, dass es viele Ähnlichkeiten zwischen indischer Musik und Delta Blues gab. Je öfter man etwas hört, desto mehr schleicht es sich in das eigene Spiel ein, ob man will oder nicht.

Trucks über seine Frau Susan: "Stehen uns nach 20 Jahren Ehe näher als je zuvor"

In den Sechzigern und Siebzigern wurden Gitarristen wie Helden verehrt. Sind Sie traurig über Ihre späte Geburt?
Spaß hätte das wohl schon gemacht. Aber vermutlich ist es ein Segen. Denn es ging ja nicht für alle Gitarristen gut aus, wir haben viele Helden verloren. Zuviel Aufmerksamkeit ist nicht unbedingt gut. Mit der Tedeschi Trucks Band haben wir in den letzten zehn Jahren Alben rausgebracht, die in die Rock Top Ten kamen, aber das bedeutet ja nicht mal mehr, dass man die Miete zahlen kann. Manchmal denke ich mir schon, dass wir mit dieser Band vor 20, 30, 40 Jahren ganz anders dagestanden wären. Aber vermutlich ist es besser so: Wir müssen ständig arbeiten, damit es funktioniert, und ein bisschen Demut tut allen gut.

In fast allen Bands gibt es irgendwann Ärger, und Ehen gelten auch nicht als völlig unkompliziert. Wie ist es, mit seiner Frau in einer Band zu sein?
Manche Tage sind natürlich schwieriger als andere, aber wir waren schon ein ganzes Jahrzehnt zusammen, bevor wir entschieden haben, gemeinsam eine Band zu gründen. Wir kennen uns gut genug, um zu wissen, wann der andere Raum braucht. Und es macht einen großen Unterschied, dass wir machen können, was wir lieben. Wenn man zusammen nach einer tollen Show von der Bühne geht oder eine tolle Aufnahme gemacht hat, bringt einen das enger zusammen. Wir stehen uns nach 20 Jahren Ehe näher als je zuvor.


Tedeschi Trucks Band feat. Trey Anastasio: "Layla Revisited" (Live At Lockn')" (3 LPs, CD oder digital, bei Fantasy/ Concord / Universal Music)

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