Münchner Kulturjahr 2021: Versäumnisse und Verzögerungen

Vom Lockdown bis zur 25-Prozent-Regel: Die darstellenden Künste zwischen Aufbruch und neuem Dämpfer.
| Robert Braunmüller
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Die neue Isarphilharmonie an der Brudermühlbrücke bei einem Konzert der Münchner Philharmoniker Anfang Dezember unter den Bedingungen der 25-Prozent-Regel.
Die neue Isarphilharmonie an der Brudermühlbrücke bei einem Konzert der Münchner Philharmoniker Anfang Dezember unter den Bedingungen der 25-Prozent-Regel. © Tobias Hase/mphil

München - Das Jahr begann im Lockdown. Erst ab dem 22. März durften Theater und Konzertsäle wieder mit dem Spielbetrieb für getestete Zuschauer beginnen - was dann mangels Testkapazitäten eher schleppend anlief. Den Anfang machte "Macbeth" im Volkstheater, kurz danach folgte das Gärtnerplatztheater mit der mehrfach verschobenen Uraufführung der Oper "Schuberts Reise nach Atzenbrugg".

Münchner "Kultursommer" erfüllt die Erwartungen nicht

Im Frühsommer normalisierte sich der Betrieb mit etwa zur Hälfte besetzten Theatern halbwegs, zumal mit steigender Impfquote immer mehr Besucher problemlos die Vorstellungen besuchen konnten. Wagners "Tristan" unter Kirill Petrenko mit Anja Harteros und Jonas Kaufmann erfüllte nicht ganz die hohen Erwartungen, aber zuletzt gelang dem scheidenden Intendanten Nikolaus Bachler ein fulminantes Finale mit einem Konzert im Nationaltheater, bei dem neben Petrenko auch sein Vorgänger Kent Nagano dirigierte.

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Der unermüdliche Kabarett-Impresario Till Hofmann veranstaltete vieles an der frischen Luft, trotzdem erfüllte der vom Kunstminister Bernd Sibler ausgerufene "Kultursommer" nicht die in ihn gesetzten Erwartungen. "Sibler ist zum Staatsminister für Versäumnisse, Verzögerungen und Untätigkeit geworden", sagte Volkmar Halbleib, der Kultursprecher der Landtags-SPD einmal, und daran änderte sich das ganze Jahr über nicht viel.

Philharmoniker eröffnen die Isarphilharmonie, das Volkstheater sein neues Haus

Bayreuth brachte im halb besetzten Festspielhaus einen neuen "Fliegenden Holländer" unter der musikalischen Leitung von Oksana Lyniv heraus, Salzburg spielte mit voll besetzten Spielstätten wieder auf Risiko - an den ersten Tagen sogar ohne Maskenpflicht, die allerdings nach einem bekanntgewordenen Coronafall schnell wieder eingeführt wurde. Weitere Infektionen wurden allerdings nicht bekannt.

Der Herbst begann mit "Oper für alle" in Ansbach: ein kulturpolitischer Paukenschlag, mit dem die Bayerische Staatsoper demonstrierte, dass sie nicht nur für Hauptstadtbewohner spielt, sondern für alle Bürger Bayerns. Dann folgte eine fulminante "Nase", inszeniert von Kirill Serebrennikov und dirigiert vom neuen Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski. Die Philharmoniker eröffneten die Isarphilharmonie, das Volkstheater sein neues Haus.

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Vierte Corona-Welle: Private Veranstalter stehen im Regen

Es hätte ohne Pandemie wunderbar weitergehen können. Doch dann kam die von allen ernstzunehmenden Experten vorhergesagte vierte Welle, die uns seither nicht verlassen hat. Und mit ihr die üblichen Probleme aus dem Jahr davor: Private Veranstalter werden weitgehend im Regen stehengelassen.

Die staatliche Entschädigung ist bürokratisch, die Politik lässt die privaten Veranstalter am ausgestreckten Arm verhungern. Theoretisch könnte man für die Besucher auf dem erlaubten Viertel der Plätze was veranstalten, was sich aber wirtschaftlich nicht lohnt: Das private Metropoltheater hat seinen Spielbetrieb bis Ende Januar eingestellt. Auch Till Hofmann hat seine Häuser zugesperrt.

Kulturbereich nicht im Fokus der Politik

Es ist ärgerlich, dass die Politik noch immer die wirtschaftliche Bedeutung des Kulturbereichs ignoriert. Dabei arbeiten dort in Bayern mehr Leute als in der Chemieindustrie. Aber es ist leider sehr einfach, bei Spielstätten aller Art eine Schließung durchzusetzen. Ärgern könnte man sich auch über die ungeimpfte Minderheit an Künstlern, die lieber rechthaberische Manifeste verfasst.

Aber lassen wir das. Schön wäre, wenn die Bayerische Staatsregierung die von ihr selbst in Auftrag gegebenen Gutachten zu den Hygienekonzepten der Spielstätten zur Kenntnis nehmen würde. Denn die betonen die Sicherheit und raten keineswegs dazu, kulturelle Einrichtungen als erstes zuzusperren und als letztes wieder aufzumachen. Etwas mehr Fingerspitzengefühl würde da nicht schaden.

Wenn Christkindlmärkte ausfallen, ist das Heulen groß. Aber von den gleichen Politikern hört man nichts bis wenig, wenn wieder mal Theater, Museen und Konzerthäuser schließen.

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