Kritik

Igor Levit in der Isarphilharmonie: Die Stimme des Individuums

Pianist Igor Levit, Dirigent Manfred Honeck und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks mit Brahms und Dvorak in der Isarphilharmonie.
| Robert Braunmüller
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Der Pianist Igor Levit bei einer Probe mit dem BR-Symphonieorchester in der Isarphilharmonie.
Der Pianist Igor Levit bei einer Probe mit dem BR-Symphonieorchester in der Isarphilharmonie. © Astrid Ackermann/BR

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bringt Igor Levit gerne mit Edel-Kapellmeistern zusammen.

Hin und wieder ist die Kombination aus Originalität und solider Konvention schon schief gegangen, bei Manfred Honeck und dem Klavierkonzert Nr. 1 von Johannes Brahms funktioniert es perfekt: Der Kontrast macht deutlich, worauf Levit hinaus will.

Wenn das Klavier nach dem wilden d-moll-Beginn des Orchesters einsetzt, antwortet es auf eher lyrische Achtelfiguren der Bläser. Levit spielt sie weniger glatt und erfüllt sie mit einem subjektiv-nervösen Ausdruck. Auch später macht er wie kaum ein anderer Pianist deutlich, dass jedes große Klavierkonzert von der Stimme des Individuums und der Selbstbehauptung des Einzelnen gegenüber einer Gemeinschaft handelt.

Igor Levit und Brahms: In der Reprise übernimmt das Solo die Führung

Da gibt es in seiner Sicht auf Brahms viel Übereinstimmung, aber auch eine ganze Menge Individualismus. Levit spielt anfangs eher nachdenklich.

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der zu 25 Prozent besetzten Isarphilharmonie.
Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks in der zu 25 Prozent besetzten Isarphilharmonie. © Astrid Ackermann/BR

Wenn am Beginn der Durchführung das Klavier das hochdramatische Maestoso-Thema übernimmt, weist er die Masse mit einem das Orchester übertönenden Maximal-Fortissimo auf seine Grenzen hin. In der Reprise übernimmt das Solo dann vollends die Führung und steigert sich in einen kollektiven Rausch hinein.

Igor Levit wirkt nie routiniert

Levit ist - jenseits seiner exzellenten Technik - vor allem deshalb ein hinreißender Pianist, weil er mit Musik etwas erzählt und auf diese Weise nie routiniert wirkt. In der Kadenz und im langsamen Satz Ruhepunkte hart am Manierismus, ohne diese Grenze allerdings zu überschreiten. Im Rondo-Finale, das leicht einmal im Schatten des Kopfsatzes steht, schlägt er ein forsches Tempo an und entfesselt einen Brahms-Grimm, der in einer unablässigen Steigerung das bisher Gehörte überbietet.

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Dirigent Manfred Honeck wird vom Solisten herausgefordert

Als Zugabe dann eine sehr nachdenkliche Abkühlung mit "Der Dichter spricht" aus Robert Schumanns Kinderszenen. Vom Solisten herausgefordert dirigierte Manfred Honeck in der Isarphilharmonie noch eine strahlende und ekstatische Version von Antonin Dvoraks Achter.

Man kann darüber streiten, ob es richtig ist, diese Symphonie einseitig auf die stampfende Vitaliät der Slawischen Tänze zu reduzieren und ihr alle melancholischen Fragezeichen auszutreiben. Aber es passiert hier mit Glanz, Gloria und einer energetischen Hochspannung, die jeden Einspruch verstummen lässt. Und es ehrt das unermüdliche, auf 25 Prozent dezimierte Häuflein maskierter und getesteter Zuhörer, wenn für diese Wenigen gespielt wird, als sei der Saal bis auf den letzten Platz ausverkauft. Was er zwar wohl war, wenn's bei den vielen leeren Plätzen auch nicht so aussieht.


Noch einmal am 17. Dezember um 19 Uhr in der Isarphilharmonie. Einen Mitschnitt des Konzerts gibt es in Kürze auf www.br-klassik.de

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