Kritik

"Mein Sohn" im Kino: Was es lohnt, festzuhalten

"Mein Sohn" ist ein ruhiger Film über schwelende Konflikte mit einer großartigen Anke Engelke.
| Matthias Pfeiffer
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Ein packendes Gespann als Mutter und Sohn: Jonas Dassler und Anke Engelke.
Ein packendes Gespann als Mutter und Sohn: Jonas Dassler und Anke Engelke. © Warner Bros

Ein Augenblick, der das ganze Leben aus den Fugen geraten lässt: Im alkoholisierten Übermut stößt der aufstrebende Skater Jason (Jonas Dassler) mit einem Auto zusammen, eine schwere Beinverletzung ist die Folge.

Skater-Unfall offenbart ganz andere Wunden

Zum Glück hat er seine aufopfernde Mutter Marlene (Anke Engelke), die dem 20-jährigen Heißsporn einen Platz in einer erstklassigen Reha-Klinik in der Schweiz besorgt und ihn sogar selbst dorthin chauffiert.

Zum Glück? Jason ist von der Initiative seiner Frau Mama alles andere als begeistert. Schnell wird auf dieser Fahrt klar, dass sich nach diesem Unfall noch ganz andere Wunden zeigen als die seines Körpers.

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Regisseurin Lena Stahl: Null Fokus auf die melodramatischen Aspekte 

Im Grunde zeigt Lena Stahl in ihrem ersten Langfilm "Mein Sohn" nichts Neues. Dreh- und Angelpunkt ist die schwierige Beziehung eines Elternteils, der festhalten und des Nachwuchses, der sich abkapseln will. Ein normaler Prozess des Familienlebens also. Und wirklich Großes passiert hier auch nicht.

Das Publikum begleitet das Paar auf seiner Autofahrt, beim Besuch bei alten Freunden und zeigt immer wieder die Konflikte, die in diesen Situationen hervorbrechen. Warum ist "Mein Sohn" dann trotzdem ein Film, der so beeindruckt? Es liegt daran, dass die Regisseurin den Fokus nicht auf die melodramatischen Aspekte legt, die man aus dieser Geschichte herausziehen könnte. Ihr Werk zieht ruhig dahin, auch wenn die Spannungen immer wieder überhandnehmen und den großen Knall erwarten lassen, der zum endgültigen Zerwürfnis führt.

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Anke Engelke überzeugt als Schauspielerin

Die Zwischentöne sind es, die hängenbleiben: Nebensätze, das unbekannte Mädchen, deren Anrufe Jason wegdrückt oder Marlenes leidenschaftliches Fotografieren (oder sollte man "Konservieren" sagen?).

Und dann wäre da noch Anke Engelke, die man hier nicht als gefeierte Komikerin, sondern als überzeugende Schauspielerin sieht. Es ist ihr mimischer Einsatz, der erahnen lässt, welche Ängste der Unfall freigelegt hat und mehr sagt als zwanzig Seiten Dialog.

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"Mein Sohn": Mehr als ein gewöhnliches Familiendrama

Die Figur von Jason ist hingegen selbst für einen 20-Jährigen etwas zu pubertär geraten, was man aber verzeihen kann, da Dassler zeigt, dass ihn im doch mehr Unsicherheit steckt, als man auf den ersten Blick sieht.

Überhaupt ist es schön zu sehen, dass sich Lena Stahl nicht in ausgeleierten Generationenkonflikten erschöpft, sondern mehr Wert auf die Tiefe der schlummernden Gefühle legt. So ist "Mein Sohn" mehr als ein gewöhnliches Familiendrama, sondern eine Meditation über das, was losgelassen werden muss und das, was es sich lohnt festzuhalten.


Kino: Rio Palast am Rosenheimer Platz, täglich 18.30 Uhr, Sonntag auch 12 Uhr, R: Lena Stahl (D, 94 Min.)

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