Kritik

Aretha Franklin - "Respect": Ein Leben wird Musik

Aretha Franklin - "Respect": Das Leben der Soulkönigin wurde mit Jennifer Hudson verfilmt.
| Martin Schwickert
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Jennifer Hudson spielt und singt Aretha Franklin.
Jennifer Hudson spielt und singt Aretha Franklin. © Andre D. Wagner

Der Film beginnt mit der zehnjährigen Aretha (Skye Dakota Turner), die am Samstag mitten in der Nacht von ihrem Vater C.L. Franklin (Forest Whitaker) geweckt wird. Unten im Wohnzimmer ist die Party in vollem Gange. Artig grüßt Aretha im Vorbeigehen Onkel Duke (Ellington), Tante Ella (Fitzgerald) und Tante Dinah (Washington), bevor sie mit einer Verve, die weit über ihr Alter hinaus geht, "My Baby Likes to Bebop” zum Besten gibt. Mit ähnlicher Inbrunst singt sie dann Sonntags in der baptistischen Kirchengemeinde, wo ihr Vater als prominenter Prediger auf der Bühne steht und seinen Freund Martin Luther King Jr. als Gast begrüßt.

Seit ihrem Tod im August 2018 wird die unangefochtene "Queen of Soul" Aretha Franklin fimisch auf vielfache Weise wieder zum Leben erweckt. Nach dem Dokumentarfilm "Amazing Grace" und der Disney-Serie "Genius: Aretha Franklin", bereitet Regisseurin Liesl Tommy in "Respect" nun das Leben der Soul-Diva noch einmal für die große Kinoleinwand auf - und da gehört es auch hin.

"Deine Stimme gehört nicht deinem Vater"

Aretha wächst mitten im musikalischen, religiösen und politischen Adel der afroamerikanischen Community auf und C.L. führt seine hochbegabte Tochter nur zu gerne vor. "Deine Stimme gehört nicht deinem Vater. Sie gehört niemanden außer Gott" sagt die Mutter, die seit der Scheidung im fernen New York wohnt und noch vor Arethas elften Geburtstag stirbt.

Ein Jahr später folgt ein weiteres, traumatisierendes Erlebnis: Ein Partygast vergeht sich an dem Mädchen, das bereits im Alter von 12 Jahren ein Kind und mit 14 das zweite Kind zur Welt bringt. Diese schweren Kindheitstraumata sind prägend für den weiteren Lebensweg Arethas, deren Talent in den frühen Jahren ihrer Karriere maßgeblich von zwei Männern vereinnahmt wird: Dem Vater, der ihr einen lukrativen Plattenvertrag bei Columbia Records besorgt, sowie dem Manager Ted White (Marlon Wayans), der in ihrer Ehe zu handgreiflichen Auseinandersetzungen neigt. Acht Jahre braucht Franklin um sich aus der gewalttätigen Beziehung zu lösen. Derweil engagiert sie sich zunehmend in der Bürgerrechtsbewegung und wechselt zu Atlantic Records, wo sie mit Produzent Jerry Wexler und einer Gruppe von hippen, weißen Musikern im Studio ihren eigenen Sound findet.

Aretha Franklin – "Respect": Emanzipationsgeschichte und Selbstfindungsprozess

Als Aretha darauf besteht, 1972 in einer baptistischen Kirche ein reines Gospel-Album aufzunehmen, erklärt Wexler sie für verrückt. Aber die Rückkehr zu ihren musikalischen Wurzeln markiert für die Sängerin eine spirituelle Aussöhnung mit der eigenen Vergangenheit. Mit diesem Konzert in der "New Temple Missionary Baptist Church" endet der Erzählbogen von "Respect", in dem eine Emanzipationsgeschichte und ein persönlicher wie musikalischer Selbstfindungsprozess vorgeführt wird. Dass der Film, dessen Hauptdarstellerin Jennifer Hudson von Franklin noch zu Lebzeiten abgesegnet wurde, sich daran nicht überhebt, liegt daran, dass er maßgeblich über die Musik erzählt wird.

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Regisseurin Tommy kommt aus der Musical-Branche und das merkt man ihrem Kinodebüt wohltuend an. Die Allgegenwart von Musik in Franklins Leben, die einzelnen Songs und ihre Entstehung von "I Never Loved A Man (The Way I Love You)" über "Respect" bis zu "(You Make Me Feel Like A) Natural Woman" nehmen gefühlt ein Drittel der 145 Filmminuten ein. Besonders gelungen sind die Szenen im Studio oder zu Hause am Klavier mit den Schwestern als Background-Sängerinnen, in denen die Songs im kollektiven Musizieren Gestalt annehmen.

Grandios natürlich auch die glamourösen Konzertauftritte, wo die begnadete Jennifer Hudson mit ihrer eigenen Interpretation der Soul-Klassiker auch die Herzen des Publikums im Kino zum Fliegen bringt.


Kino: Cinemaxx, Mathäser, Rio,City (OmU), Museum (OV), Regie: Liesl Tommy (USA, 145 Min.)

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