"Der Sturm" mit Peter Simonischek - ein laues Lüftchen

Salzburger Festspiele: Shakespeares „Sturm“ mit Peter Simonischek und Jens Harzer auf der Perner-Insel in Hallein  
| Robert Braunmüller
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William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Anne Kirchbach 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Anne Kirchbach 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Anne Kirchbach 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Anne Kirchbach 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Anne Kirchbach 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Anne Kirchbach 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Anne Kirchbach 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Monika Rittershaus 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.
Monika Rittershaus 9 William Shakespeares "Der Sturm" in der Inszenierung von Deborah Warner.

Salzburger Festspiele: Shakespeares „Sturm“ mit Peter Simonischek und Jens Harzer auf der Perner-Insel in Hallein

SALZBURG - Auf der Bühne: eine alte Wanne. Jemand ordnet mit großer Sorgfalt Treibholz. Im Hintergrund lehnen Holz- und Kupferplatten. Über allem schwebt eine weiße Wolke. Christoph Hetzers Bühne erinnert an eine Galerie oder einen Museumsraum. Und dann setzt sich Peter Simonischek hin und sieht dabei aus wie Joseph Beuys kurz vor Beginn einer Performance.

Prospero, als Künstler, Schamane und Weltenschöpfer. Eine mögliche Idee, um Shakespeares „Sturm“ beizukommen. Aber die Regisseurin kommt aus London. Da gibt es keine deutschen Konzepte, nur das gute alte Schauspielertheater, wie es der scheidende Salzburger Festspielchef Sven-Eric Bechtolf liebt. Eine Liebe, die man von Herzen gern erwidern würde, wenn der Rahmen so gut gefügt wäre wie in den Achtzigern und Neunzigern an Dieter Dorns Münchner Kammerspielen.

Shakespeares Verflimmerung

Aber der hängt schief. Deborah Warner möchte offenkundig auf das Magische hinaus. Das funktioniert halbwegs bei dem von Prospero in Dienst genommenen Luftgeist Ariel (Dickie Beau). Der spricht englisch. Wenn Untertitel auf die Rückwand projiziert werden, rauschen die Videos des Künstlerduos fettFilm wie ein alter Fernseher. Deutsch spricht der aus der Londoner Transvestitenszene stammende Playback-Performer mit den Stimmen von Simonischek und Angela Winkler. Und die Glasharmonika säuselt dazu.

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Alle Magie bleibt bei Deborah Warner Budenzauber. Sie beißt sich mit dem Spiel-Realismus und den gegenwärtigen Kostümen. Eine These zur Wiederverzauberung der Welt hat die Regisseurin nicht. Man wäre schon mit einer Meinung zufrieden. Sie addiert lieber ein paar Effekte. Die Videos sind – wieder mal – keine Videokunst, sondern nur eine brave Verflimmerung von Shakespeares Wortkulisse. Schwarze Wellen türmen sich. Dann ruht die See und die Schiffbrüchigen marschieren über den Strand, ehe sie persönlich auftreten.

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Einmal, immerhin, führt Warner richtig Regie: wenn die machtgierigen Schurken Antonio (Daniel Friedrich) und Sebastian (Max Urlacher) trocken und locker wie zwei Kabarettisten kommentieren, wie Gonzalo (Charles Brauer) den Schiffbruch auf der Insel schönredet. Danach treten wieder Säufer auf, und die gepflegteste Theaterroutine macht sich auf der Bühne der Perner-Insel breit.

Den Prospero spielt Peter Simonischek als Brummel-Grantler. Man könnte meinen, sein eifersüchtiger Bruder habe ihm höchstens den weißen Mercedes zerkratzt, aber weder das Herzogtum geraubt noch nach dem Leben getrachtet. Weil die große Verletzung fehlt, wachsen sein Wandel zur Güte und der humane Verzicht auf Rache auch nur zur Mittelgröße auf.

Der Harpyienflug fällt heute aus!

Jens Harzer spricht den Caliban, als habe er Bruno Ganz verschluckt. Und mit Bart sieht er ihm sogar ähnlich. Er läuft nackt über die Bühne, leckt Stiefel und spielt in Maßen exzessiv. Aber was ist sein Caliban? Ein schlechter Mensch? Ein Tier? Ein Opfer der Umstände? Für die texttreue Regisseurin ist er ein Rätsel. Das ist klug, aber auch eine bequeme Kapitulation vor Shakespeares Ansprüchen. Der wunderbare Branko Samarowski steht als König von Neapel herum. Sara Tamburini spielt eine natürliche, naive und zauberhaft bodenständige Miranda. Viele Edelchargen messen mit langsamen Schritten den Raum aus. Gegenüber den Knattermimen im Vorjahres-Shakespeare „Die Komödie der Irrungen“ immerhin eine Verbesserung.

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Am Ende blitzte mal so etwas wie Interpretation auf: Sebastiano verdrückt sich vor der allgemeinen Versöhnung. Und Prospero zerbricht den Spiegel, mit dem er über Ariel herrscht, worauf dieser zusammenbricht. Das ungeduldige Premierenpublikum dachte, die Aufführung habe damit auch ohne Schlussmonolog bereits ein schönes Ende gefunden.

Vier Stunden früher, vor Beginn der Vorstellung, schallte eine Durchsage des Inspizienten über den Hof: „Der Harpyienflug fällt heute aus!“ Man kann es nie wissen – vielleicht wäre es mit Harpyien ganz großartig geworden.

Wieder am 4., 5., 7., 9., 10., 12., 13., 15., 16., 18., 19., und 21. August auf der Perner-Insel, Hallein. Infos zu Karten unter www.salzburgfestival.at

 

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