WM-Qualifikation DFB-Team in Kasachstan: Spiel auf Bewährung

Das Spiel in Kasachstan wird zum Charaktertest für die deutsche Mannschaft. Und nicht nur das: Viele Spieler stehen auf dem Prüfstand – sogar Müller, Schweinsteiger und Dortmunds Götze.

 

Frankfurt - Lufthansa-Streik? Für den DFB-Tross kein Problem. Planmäßig hob die deutsche Nationalmannschaft gestern um 10.05 Uhr in Richtung Astana ab.

8476 Kilometer hin und zurück, Anpfiff um Mitternacht, Kunstrasen – eine Lustreise ist die Partie in der WM-Qualifikation aber nicht. Für Manuel Neuer, Philipp Lahm, Sami Khedira und Mesut Özil ist es eine lästige Pflichtaufgabe – sie sind unumstrittene Stammspieler.

Der Rest spielt in Astana auf Bewährung – die letzten WM-Quali-Spiele waren im Oktober, die nächsten sind im September 2013. Wer patzt, ist unten durch. Selbst Bastian Schweinsteiger muss sich strecken, will er seine Kritiker mundtot machen.

Wer auf dem Prüfstand steht:

Jérôme Boateng: Ist bei Bayern wie beim DFB nicht unumstritten. Löw setzte ihn zuletzt immer als Aushilfsrechtsverteidiger ein. In Astana darf er nun erstmals seit 2011 wieder auf seiner Lieblingsposition in der Innenverteidigung ran – und muss sich beweisen.

Per Mertesacker: Der lange Londoner überraschte unter der Woche mit einer Medienschelte, ihn stören Wechselgerüchte. Die englische Presse hat den Arsenal-Innenverteidiger auf dem Kieker. In der Nationalelf ist er eigentlich nur zweite Wahl, wenn Badstuber und Hummels fit sind. Astana ist seine Chance, es allen zu beweisen.

Marcel Schmelzer: Beim BVB hui, beim DFB – eher so lala. Der Linksverteidiger kämpft weiter um landesweite Anerkennung. Oder soll Lahm doch wieder nach links...?

Bastian Schweinsteiger: Neun Freundschaftsspiele abgesagt – das sorgte für Unmut. Gündogan holte in Abwesenheit des Vize-Kapitäns auf. Der kontert: "Heute weiß ich, dass ich mein Topniveau erreiche, wenn ich gesund bin." Auftrag fürs 98. Länderspiel: zeigen!

Thomas Müller: Mit 23 Scorerpunkten in der Liga in Top-Form, bei Löw auf rechts wieder gesetzt. Der Haken: Die Konkurrenz (Schürrle, Reus, Götze) schläft nicht. Wie schnell so ein Fix-Platz futsch sein kann, hat er im EM-Halbfinale zu spüren bekommen.

Lukas Podolski: Reus muss gelbgesperrt zusehen, der Arsenal-Linksaußen profitiert wohl davon: 108. Länderspiel als Bewährungsprobe. Und dass nach 19 Tagen Verletzungspause (Knöchel). Gesetzt ist er bei Löw längst nicht mehr, weil er beim schnellen Kombinationsspiel Probleme bekommt und sein Defensivspiel nicht das konsequenteste ist. Dafür glänzt er bei Arsenal als Vorbereiter (neun Torvorlagen).

Mario Götze: Der Dortmunder erhält im Angriff wohl den Vorzug vor Mario Gomez. "Falsche Neun" oder "Tarnstürmer" wird das genannt, wenn sich ein Mittelfeldspieler anstatt des Mittelstürmers vorne rumtreibt. "Es nicht unbedingt immer ein großer, bulliger Zentrumsstürmer auf dem Platz stehen", sagt Löw. Zumal man auf Kunstrasen flach und schnell spielen muss – prädestiniert für Götze. "Mit einem spielenden Neuner kann man sehr flexibel spielen, hat offensiv viele Möglichkeiten", sagt er. Reus gesperrt, Kroos verletzt – Astana ist Götzes Chance, sich im Offensivbereich unentbehrlich zu machen.

 

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