WM 2010 Sturmlos glücklich?

Kämpfen um den Platz im Sturm: Miro Klose (l.) oder Mario Gomez. Foto: dpa

EPPAN - Joachim Löw setzt taktisch auf nur eine einzige Spitze. Aber selbst die ist schwer zu fuinden. Klose schwächelt. Und Gomez soll "zu Hause bleiben".

 

Nichts ging, fast 70 Minuten lang. Die Slowenen verzweifelten an der Auswahl des FC Südtirol. Erst im Schlussspurt sicherte sich der WM-Teilnehmer mit drei Treffern immerhin noch den Sieg gegen die Landesauswahl im Sportpark Reischach, unweit vom Quartier der DFB-Truppe. „Da haben ja sogar die Deutschen bessere Stürmer“, spotteten Augenzeugen. Die hatten am Mittwoch in einem vergleichbaren Freundschaftsspiel mit 24:0 gewonnen.

So kann man sich die Situation im deutschen Angriff zwölf Tage vor dem Auftaktspiel gegen Australien in Durban (13. Juni, 20.30 Uhr) auch schönreden. Denn trotz der drei Stürmer-Treffer von Lukas Podolski (per Elfmeter), von den eingewechselten Mario Gomez und Cacau beim 3:0 gegen Ungarn wirkt die Angriffsarmada nicht gerade Furcht einflößend – vor allem was die Keilstürmer betrifft, also die Männer an vorderster Front.

Da hat sich Joachim Löw schon recht früh auf Miroslav Klose festgelegt – und man darf sich fragen, warum. Der 31-Jährige hat bei Bayern den Großteil der Saison im Sitzen verbracht, auf der Ersatzbank als Joker für Ivica Olic. Klose hat unbestrittene Verdienste: 95 Länderspiele, 48 Tore, WM-Torschützenkönig 2002 - doch er lebt von der Vergangenheit. In Budapest trat er derart gehemmt und zögerlich auf, als müsse man ihm – wie einem älteren Mann über die Straße – in den Strafraum helfen.

Doch Löw kämpft um seinen Ein-Mann-Sturm. „Es war klar, dass es kein leichtes Unterfangen sein wird, Miro in Form zu bringen. Das wird harte Arbeit. Für ihn, für uns. Er muss noch sehr viel arbeiten. Er hat noch nicht die Form, die er eigentlich zeigen kann.“ Die Mannschaft unterstützt ihn. „Miro hat in den letzten Jahren bewiesen, wie wertvoll er für uns ist, etwa im letzten Herbst als er das Siegtor beim WM-Quali-Spiel in Russland gemacht hat“, sagte der neue Kapitän Philipp Lahm am Montag, „er gibt in jedem Training alles, damit er topfit in die Spiele gehen kann.“ Aber reicht das?

Die Alternativen machen auch keine bessere Figur. Stefan Kießling, der beste deutsche Stürmer der abgelaufenen Saison, den Löw in Ungarn nicht einsetzte, hat keine rechte Lobby, fliegt aber mit nach Südafrika. Mario Gomez litt noch mehr, stand in Bayerns Stürmer-Hierarchie sogar hinter Klose. Im „Audi Star-Talk“ von „Sport1“ sagte Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher: „Gomez hat sehr, sehr oft auch auf der Bank gesessen. Und wenn er dann einmal gespielt hat, hat er nicht gut gespielt. Ich glaube auch, dass Gomez eher ein Spieler ist, der von Beginn an spielen muss. Aber sicherlich nicht bei dieser WM. Deshalb ist Gomez für mich der Kandidat, zu dem man sagen muss: Du musst zu Hause bleiben!“ Schumacher plädiert für Kießling als Klose-Alternative.

Einzig Cacau und Thomas Müller gelten als Hoffnungsträger für die WM. Dazu passt: Lukas Podolski ist laut „kicker“-Umfrage unter 241 Bundesliga-Profis mit 30,9 Prozent der „Absteiger der Saison“ - vor Klose (15,7) und Gomez (14,3). ps

 

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