WM 2010 Halbfinale! Deutschland schickt die Gauchos in die Pampa

Drin! Thomas Müller trifft zum 1:0 gegen Argentinien Foto: AP

KAPSTADT - Deutschland träumt vom vierten Weltmeistertitel. Mit dem 4:0 gegen Argentinien zieht die junge Mannschaft von Joachim Löw souverän ins Halbfinale ein, setzt einen Meilenstein auf dem Weg zum ganz großen Triumph.

 

Deutschland bleibt im Fußball-Rausch – nach demTorwirbel gegen Diego Maradonas Argentinier fehlen Joachim Löws „Boy-Group“ in Südafrika noch zwei Siege zum ganz großen Wurf. Am Mittwoch spielt die DFB-Elf in Durban das Halbfinale gegen Spanien (1:0 im Viertelfinale gegen Paraguay). Das Finale findet am 11. Juli in Johannesburg statt.

„Jetzt sind wir unter den besten Vier der Welt, aber da gehört diese Mannschaftauch hin“, sagte der beeindruckte Löw nach dem 4:0 (1:0) gegen die„Gauchos“, dem höchsten deutschen Sieg in einem WM-Viertelfinale seit1966 (4:0 gegen Uruguay). Und fügte hinzu: „Was die Mannschaft heutean Willen abgeliefert hat, das war Champions-Niveau.“

Selbst Tribünengast Angela Merkel geriet ins Schwärmen. „Es war einfachüberwältigend. Das ist ein Traum“, sagte die Kanzlerin, die derMannschaft noch in der Kabine gratuliert hatte.

Zum zwölften Mal in einem WM-Halbfinale

Angeführt vom neuen WM-Helden Thomas Müller entzauberte diedeutsche Elf auch Messi & Co. und marschierte souverän zum zwölftenMal in ein WM-Halbfinale. „Wir haben noch zwei Spiele vor uns. Jetzthaben wir es selbst in der Hand, hier noch etwas ganz Großes zuerreichen“, sagte Löw. „Wir sind stark genug, noch einen Schrittweiter zu machen“, sagte Bastian Schweinsteiger, der zu zwei Trefferndie Vorarbeit geleistet hatte, voller Selbstbewusstsein.

Nach Müllers Blitztor (3.) – zugleich das 200. der deutschen WM-Geschichte – machte die brillante Offensive mit einem Dreierpackdurch Miroslav Klose (68./89.) und Abwehrspieler Arne Friedrich (74.)den hochverdienten Erfolg perfekt.

Die Freude vor 64 100 Zuschauern im Green Point Stadion von Kapstadt wurde nur durch die zweite GelbeKarte für den Torschützen Müller getrübt, der in der Vorschlussrundeam Mittwoch in Durban gegen Spanien gesperrt fehlen wird. „Der Ausfall wiegt schwer. Da muss mankein Gelb geben. Aber wir werden ihn ersetzen können“, versprach Löw.

"Das ist Wahnsinn, was hier abgelaufen ist. Wenn man Argentinienmit 4:0 vom Platz fegt, dann muss man erstmal nach Worten suchen. DerStar war heute wieder die Mannschaft“, gab Matchwinner Müller das Lobweiter. „Ich hoffe, dass meine Kollegen im Halbfinale alles richtigmachen, dann kann ich ja im Finale wieder ein Tor machen“, kündigteder Bayern-Spieler nach seinem vierten Turniertor vollmundig an.

Auch Kapitän Philipp Lahm war überwältigt: „Dass man dieArgentinier 4:0 schlägt, ist unglaublich. Wir wurden sehr gutvorbereitet, dass hat man gesehen. Jeder, der im Halbfinale steht,hat das Zeug, ins Finale zu kommen und Weltmeister zu werden.“ ArneFriedrich meinte: „Was hier im Moment los ist, das kann ich garnicht beschreiben. Das ist ein unglaublicher Teamspirit.“

Maradona weint in den Armen seiner Tochter

Während die Deutschen noch auf dem Rasen ausgelassen feierten,suchte „Gaucho“-Coach Maradona weinend in den Armen seiner TochterTrost. Trotz aller Enttäuschung über das Debakel hielt sich der 50-Jährige eine Entscheidung über seine Zukunft offen: „Das ist diehärteste Niederlage meines Lebens. Das war ein Tiefschlag. Der Traumist zu Ende. Ich weiß nicht, was morgen mit mir passiert.“

Die DFB-Auswahl lieferte gegen den Turnierfavoriten eineDemonstration der Stärke ab. Im Kollektiv gelang es, die Kreise vonLionel Messi einzuengen, der klar im Schatten des überragenden Müllerstand. Im Stile eines „alten Hasen“ drückte der 20-jährige Youngsterdem Spiel beim höchsten Länderspiel-Sieg gegen Argentinien seinenStempel auf, glänzte mit klugen Pässen und erzielte seinen viertenTurniertreffer. Schneller als der junge Bayern-Akteur traf in einemdeutschen WM-Spiel nur Ernst Lehner 1934 beim 3:2 gegen Österreich.

Um Messi kümmerten sich abwechselnd Schweinsteiger und SamiKhedira. Es gelang ihnen zwar nicht, den Weltfußballer völlig aus demSpiel zu nehmen, doch wurde ihm durch konsequentes Pressing viel anWirkung genommen. Schweinsteiger, dem Löw ein „ein grandiosesLänderspiel“ bescheinigte, überzeugte auch offensiv. Er leitete dasFührungstor per Freistoß ein und war auch Wegbereiter von Friedrichserstem Länderspiel-Treffer bei dessen 77. DFB-Einsatz.

Klose hatte in seinem 100. Länderspiel noch mehr Grund zur Freude.Nachdem der Angreifer Mitte der ersten Halbzeit eine große Chancevergeben hatte, stand er später zweimal goldrichtig und schloss mitseinem insgesamt 14. WM-Treffer zu dem in der ewigen Rangliste anzweiter Stelle hinter Ronaldo (15) liegenden Gerd Müller auf.

Nach den verbalen Scharmützeln im Vorfeld der Partie ging es aufdem Rasen gleich körperbetont zur Sache, als wollten einige dieReizschwelle des usbekischen Schiedsrichters Rawschan Irmatow testen.Gerade einmal 55 Sekunden waren gespielt, als Klose von hinten JavierMascherano in die Beine grätschte, nach exakt zwei Minuten wurdePodolski am linken Flügel von Nicolas Otamendi zu Fall gebracht.Schweinsteigers Freistoß verwertete Müller per Kopf.

Der bisher schnellste Treffer des Turniers verlieh dem Teamweitere Sicherheit. In der 24. Minute schien das 2:0 perfekt. Müllersetzte sich auf der rechten Seite energisch gegen zwei Abwehrspielerdurch und passte nach innen auf Klose, doch der Münchner jagte denBall aus elf Metern über die Latte. Mitte der ersten Hälfte schienendie Südamerikaner den Schock überwunden zu haben, während imdeutschen Spiel ein wenig die Struktur verloren ging.

Zu Beginn des zweiten Durchgangs geriet die deutsche Mannschaftsogar ein paar Mal in Bedrängnis. Ein Warnschuss von Angel di Maria(48.) pfiff knapp an Neuers Kasten vorbei, fünf Minuten späterblockte Per Mertesacker mit dem Kopf einen Schuss von Carlos Tevezab. Dann wurde auch Löws Elf endlich wieder aktiver. Ein energischerEinsatz von Müller, der den Ball wie einst sein Namensvetter Gerd imLiegen weiterspitzelte, leitete das 2:0 ein, Klose vollendete dasZuspiel von Podolski. Danach gab es kein Halten mehr. (dpa)

 

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