Wie sich die Bayern-Stars sozial engagieren "Jérôme Boateng ist der erste kickende Sozialarbeiter"

Starbesuch an der Willy-Brandt-Gesamtschule: Bayerns Boateng engagiert sich für das Projekt "Living a dream". Foto: Nicolas Armer/dpa

FC Bayern? FC Charity! Jérôme Boateng unterstützt zwei ambitionierte Jugendprojekte. Auch Philipp Lahm, Manuel Neuer und Co. engagieren sich sozial. Die AZ zeigt, wer wo wem hilft.

München - Diesmal kommt Jérôme Boateng mit dem Schulbus. Als der Bayern-Star am Dienstag aus dem gelb-schwarzen US-Bus steigt, gibt’s für die Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule im Hasenbergl kein Halten mehr. Kreischende Mädchen, Jungs mit funkelnden Augen stürmen auf den Fußballer zu. Und Kinder, die sich an den Fenstern die Nasen platt drücken, zücken ihre Smartphones.

Bereitwillig gibt Boateng Autogramme, sich als Star zum Anfassen. Er ist am trainingsfreien Tag gekommen, um für das Spendenprojekt "Living a Dream" zu werben, das Kinder in Brasilien unterstützt, die von Hunger, Gewalt und Kriminalität bedroht sind. Die Gesamtschule im Münchner Norden ist Aktionspartner, hat 739,04 Euro gesammelt. "Wir wollen in Rio eine Schule bauen für Kinder, die den Traum haben, Fußball zu spielen", sagt Boateng. "Dort leben über sechs Millionen Kinder auf der Straße."

Der FC Bayern ist ein echter FC Charity: Wie viele der Bayern-Stars engagiert sich der 25-Jährige sozial, gibt etwas zurück, was ihm der Fußball gegeben hat. Mit ihrer Popularität, aber auch mit ihrem Portemonnaie, setzen sich die Spieler für Projekte ein. Die "Philipp Lahm Stiftung" dürfte das bekannteste sein. Den Kapitän hatte 2007 ein Besuch in den Townships Südafrikas wachgerüttelt, jetzt kümmert sich seine Organisation darum, "benachteiligte Kinder und Jugendliche in den Bereichen Sport und Bildung zu fördern, in Deutschland sowie in Südafrika", sagt Lahm.

Die "Manuel Neuer Kids Foundation" hilft derweil um Kinder und Jugendliche im Ruhrgebiet; am Mittwoch wird Neuer bekannt geben, dass sie nun auch in München aktiv ist. Thomas Müller hat sich dagegen eines nicht ganz alltäglichen Themas angenommen: Trauerarbeit für Jugendliche. "YoungWings" richtet sich an diejenigen, die sich mit dem Tod eines geliebten Menschen auseinandersetzen müssen. Der Bayern-Profi ist Botschafter des Projekts, wirbt unter anderem mit einem Golfturnier.

Thiago Alcántara war 2011 Gesicht der Kampagne "Que no falte de nada", übersetzt: "Auf dass es an nichts fehle", die sich um Weihnachtsgeschenke für bedürftige Kinder kümmert. 2013 waren es über 17 000. Dante ist Botschafter der SOS Kinderdörfer, trägt immer ein orangenes Armband der Organisation, dass er bei Spielen wegen der Verletzungsgefahr übertapen muss. "Ich stamme selbst aus armen Verhältnissen", sagt Dante.

Toni Kroos hat mit "Playstation" Bolzplätze gebaut, Bastian Schweinsteiger stand für "Amnesty International" mit einem Werbespot "für eine Welt ohne Todesstrafe" vor der Kamera. Holger Badstuber setzt sich mit "I am Jonny" für mehr Zivilcourage ein, Rafinha unterstützt Projekte in seiner Heimatstadt Londrina. Und die Liste ist noch länger.

Der Charity-King ist aber Boateng, der 2010 mit seinem Freund Ismail Öner in Berlin den Verein "Mitternachtssport" gegründet hat. 2013 gab’s den Ritterschlag: Bambi für Integration. "Er geht viel zu bescheiden damit um, dass er der Gründer eines der erfolgreichsten und renommiertesten Jugendprojekte Deutschlands ist", sagt Öner zur AZ. "Er ist für uns ein Segen Gottes."

Die Idee: In Spandau können Jugendliche freitags bis sonntags zwischen 20 und 3 Uhr Hallenfußball spielen, statt draußen Blödsinn anzustellen. "Lieber ein Zweikampf auf dem Platz als auf der Straße", sagt Boateng, der so oft wie möglich vorbeischaut, oder 30, 40 Mann nach München einlädt, weil es den Youngstern viel gibt: "Eine Begegnung mit Jérôme ist wie 100 Liter Selbstbewusstsein tanken", sagt Öner.

"Wer kommt, kann viel mitnehmen: lebenspraktisches Wissen, soziale Kompetenzen. Das ist einfach ganz tief an der Basis, Jérôme engagiert sich immens." Öner behauptet gar: "Er ist der erste kickende Sozialarbeiter in der Bayern-Historie. Wenn er nicht Fußballer geworden wäre, wäre er tausendprozentig Sozialarbeiter." Und würde jeden Tag Bus fahren.

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