Wahlkampf-Panne Münchner CSU will mit Pfarrer Schießler radeln - doch der weigert sich

"Kristina Frank tritt an", steht auf dem Dach ihres neuen Kampagnen-Radls. Damit will sie künftig – mit #BikeTalk-Gästen – durch München radeln. Foto: Daniel von Loeper

Das Kampagnen-Team von OB-Kandidatin Kristina Frank lädt Stadtpfarrer Schießler zum #BikeTalk. Der verweigert das Radeln unterm Partei-Logo: "Ich mache doch für niemanden Wahlkampf."

 

München - So richtig Glück hat die CSU-OB-Kandidatin Kristina Frank gerade nicht mit ihren PR-Auftritten.

Nach dem missglückten Pressetermin am Dienstag vor dem Rathaus, wo sie die Stadtrats-Entscheidung für die kostenfreie Kita allein für die CSU reklamieren wollte, unter dem Protest des GroKo-Partners SPD, ist ihr am Donnerstag zum zweiten Mal in dieser Woche eine PR-Panne passiert.

Der stadtbekannte Pfarrer Rainer Maria Schießler, den sie für 14 Uhr zu einem München-Gespräch vor laufenden Filmkameras geladen hatte, hat kurzfristig den Termin platzen lassen. Schießler verzopft zur AZ: "Mir waren bei der Einladung die Umstände nicht klar. Ich lasse mich doch unter keinem Partei-Logo filmen."

Wahlkampf: CSU entwirft besondere Kampagne

Erst zwei Stunden später einigte man sich doch noch gütlich – auf ein kurzes Gespräch ohne Wahlkampf-Radl. Auf einer Yoga-Matte an der Isar.

Dabei hatte sich Kristina Franks Wahlkampf-Team für die Kommunalwahl im März 2020 das so schön ausgedacht: #BikeTalk soll die Kampagne heißen, mit der sie in den nächsten Monaten dem amtierenden SPD-OB Dieter Reiter Konkurrenz machen will – und die die CSU erst Ende nächster Woche offiziell vorstellen wollte.

Dazu haben ihre Wahlkämpfer ein überdachtes Kampagnen-Radl auf vier Rädern gebaut. "Kristina Frank tritt an" und "OB für München" steht auf der weißen Bande rund ums Dach, mehrere weißblaue Herzl sind seitlich montiert – und das Logo "CSU" samt Löwe und Raute. Mit diesem Hingucker-Gefährt soll die CSU-Kandidatin künftig durch alle Stadtviertel Münchens radeln – jeweils mit einem stadtbekannten Münchner im Gepäck, der mit ihr über die Sorgen, Nöte und Wünsche der Münchner spricht. Hübsch fotografiert und gefilmt für erwünschte Breitenwirkung.

Schießler: "Unterhalte mich mit jedem – außer der AfD"

Ungut nur: Pfarrer Schießler – einer der ersten Talk-Gäste der geplanten Reihe – hat offenbar vorab niemand so genau erklärt, dass er unter einem Partei-Logo zu radeln hat. "Ich bin gefragt worden, ob ich mich mal mit Kristina Frank unterhalten möchte", so Schießler zu AZ. "Natürlich möchte ich das, ich unterhalte mich mit jedem – außer mit der AfD. Aber in ein Radl mit einem Partei-Logo steige ich ganz bestimmt nicht ein. So geht’s nicht. Ich mache für niemanden Wahlkampf."

Nachdem Schießler gegen 13.30 Uhr konsterniert abgesagt hatte und das Filmteam an der Reichenbachbrücke, wo das CSU-Radl stand, abgerückt war, führte man nochmal Gespräche – und disponierte rasch um.

"Wir haben uns jetzt ganz gemütlich in der Abendsonne sitzend an der Isar getroffen", berichtete Pfarrer Schießler später. Ohne CSU-Radl, drüben in der Au – mit romantischem Blick auf seine Kirche St. Maximilian.

Er habe Kristina Frank erklärt, was er sich für München wünsche: "Dass wir hier in der Stadt lernen, zu entschleunigen. Dass wir nicht immer nur das Maximum erreichen müssen. Dass jeder hier leben können muss." Eine "angenehme Gesprächspartnerin, die gut zuhören kann" sei sie, sagt Schießler.

Und Kristina Frank? Nahm die Angelegenheit sportlich. Schießlers Entscheidung sei "total okay", sagte sie zur AZ, "für mich spielt es keine Rolle, wo ich mit Menschen rede, auf dem Radl oder in der Wiese." Wer ihre nächsten Talk-Gäste sein werden, will sie aber noch nicht verraten.

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