Wahl-Fang in Milbertshofen Der Kampf der starken Frauen

Mechthilde Wittmann (CSU) will den Stimmkreis Milbertshofen für die CSU zurückgewinnen. Foto: ho

In Milbertshofen bieten CSU, SPD und Grüne neue Kandidaten auf. Das Rennen um den Sitz im Landtag ist noch vollkommen offen

 

Milbertshofen - Dieser Stimmkreis ist in München einmalig: In Milbertshofen treten bei den Großen drei starke Frauen gegeneinander an: Bezirksrätin Ruth Waldmann (SPD), Stadträtin Mechthilde Wittmann (CSU) und die Münchner Grünen-Vorsitzende Katharina Schulze. Und: Es ist der einzige Stimmkreis, in dem alle Kandidaten neu sind, keiner ist im Landtag.

CSU und SPD haben dort beide schon gewonnen. Bei der Wahl 2008 war es der einzige Stimmkreis in ganz Bayern, den die SPD gewinnen konnte – mit Franz Maget. Davor holte ihn die Ex-CSU-Ministerin Monika Hohlmeier. Die CSU hatte 2008 auch hier (wie überall) mit Roland Hoffmann kräftige Verluste (minus 16,2 Prozent), aber auch Franz Maget kam ins Minus (-1,9). Seitdem wurde der Stimmkreis verändert: Neuhausen kommt jetzt hinzu.

„Da kommt der rote Koffer“, heißt es schon, wenn Ruth Waldmann (42, SPD) auftritt. Der rote Koffer ist das Markenzeichen der Awo-Prokuristin. „Ich bin neu, und ich will damit ein neues Element in den Wahlkampf tragen.“ Auf jeder Veranstaltung ist der rote Koffer dabei, und die Leute können ihre Sorgen und Anregungen in den Koffer legen.

„Ich zeige damit, dass ich die Wünsche der Bürger ernst nehme“, erklärt sie: „Ich glaube nicht an den Politikstil der die Bürger belehrt, was wichtig für sie ist.“ Ruth Waldmann tritt in große Fußstapfen: Über Jahrzehnte war Franz Maget der geschätzte SPD-Repräsentant vor Ort. Jetzt tritt der Landtags-Vizepräsident nicht mehr an.

Immerhin ist Ruth Waldmann im Stimmkreis seit Jahren politisch aktiv: Seit 1998 vertritt sie Milbertshofen im Bezirkstag – und ebenso wie Franz Maget im Landtag gewann sie damit das einzige direkte Bezirksmandat für die SPD in Bayern. „Eine gemahde Wiesn ist das für die SPD aber nicht“, sagt sie, „ich muss hier viel persönliche Überzeugungsarbeit leisten.“ Für den Wahlkampf hat sie sich unbezahlten Urlaub genommen.

Mechthilde Wittmann (45, CSU) hat ihr Anwaltsbüro von der Kanzlei nach Hause verlegt. Auch das ist dem Wahlkampf geschuldet – und ihren beiden Töchtern (6 und 8 Jahre), die sie in den wenig gewordenen freien Stunden umsorgen will. „Den Beruf habe ich zurückgefahren, um allen drei Anforderungen gerechter werden zu können.“

Als Anwältin gehört die Spezialistin für Insolvenzrecht zu den Besten. Im Stadtrat ist die Planungsspezialistin eine der Angriffslustigsten: „Da bin ich der Terriertyp“, beschreibt sie sich. „Ich lasse nicht los, gehe in die Tiefe und suche die Lösung, die der Sache gerecht wird. Ich bin wahnsinnig temperamentvoll und habe viel Energie für jene Dinge, die ich für wichtig halte.“

In ihrem Wahlkampf kommen schlagartig neue Plakate. „Die Bilder zeigen mich in immer neuen Situationen. Die Menschen sollen so den Eindruck haben, dass sie mich schon oft gesehen haben.“ Statt Hausbesuchen sucht sie lieber den Kontakt auf der Straße: „Die Menschen wollen in ihrer Privatspähre nicht gestört sein.“

Katharina Schulze (28) ist eine echte Front-Frau: Die Münchner Grünen-Chefin hat in der Stadt, in ihrer Partei und im Rathaus mutig schon für viel Furore gesorgt: Sie führte den erfolgreichen Widerstand gegen die Olympiabewerbung an, und sie stand in vorderster Reihe beim Protest gegen die dritte Startbahn, die beim Bürgerentscheid im vergangenen Jahr abgelehnt wurde.

Wer sonst noch kandidiert: Freie Wähler: Felix Stahl. FDP: Andreas Keck. Linke: Jürgen Lohmüller-Kaupp. ÖDP: Klaus Buchner. BP: Johann Eberle. Piraten: Florian Deissenrieder.

 

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