Vorschläge von Schmid Neue Wiesn-Pläne: Das sagen Schausteller und Wirte

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Alles andere als begeistert sind die Wiesn-Wirte von Schmids neuen Wiesn-Plänen. Foto: Felix Hörhager/dpa/Petra Schramek/AZ

Der für die Wiesn zuständige Münchner Bürgermeister Josef Schmid will weitere Bierpreiserhöhungen verbieten. Bis einschließlich 2019 soll die Maß auf der Wiesn höchstens 10,70 Euro kosten dürfen - wie schon im vergangenen Jahr.

 

München - Außerdem will der CSU-Politiker von den Wiesn-Wirten statt 3,5 Millionen künftig rund 8 Millionen Euro kassieren, wie sein Sprecher am Dienstag mitteilte. Was Schausteller und Wirte zu Schmids neuen Wiesn-Plänen sagen.

Edmund Radlinger: Schausteller-Rabatte unter der Woche

In den Zelten wird gefeiert und auf der Festwiese drehen sich (fast) leer die Karusselle: Seit Jahren klagen die Schausteller darüber, dass das Oktoberfest mehr und mehr zum Sauffest wird. Deshalb, und wegen der allgemein herrschende Angst und den steigenden Preisen, bleiben die Familien weg. Das wollen die Schausteller jetzt ändern – mit satten Rabatten. Edmund Radlinger, der Sprecher der Schausteller, erklärt den Plan, der seit Monaten in einem Arbeitspapier erarbeitet wurde: "Am Wochenende haben wir auf der Wiesn den Supergau, weil sich die Leut’ übers Festgelände schieben und unter der Woche ist zu wenig los. Deshalb wollen wir Schausteller unter der Woche auf alles Rabatte geben."

Vom Mandelstand über die Schießbude bis zur Achterbahn sollen sich die Schausteller einig sein, dass der Wiesnbesuch an Werktagen günstiger werden soll. "Bei den Fahrgeschäften werden die Leut’ das sicher mehr merken als beim Süßigkeitenstandl, weil’s beim Liebesapfel halt einen Wareneinsatz gibt und der Verkäufer mit dem Preis nur a weng runter gehen kann", sagt Radlinger. Festlegen, wie hoch dieser Rabatt sein wird, will er sich nicht. Die Familientage, verspricht er, wird es aber natürlich weiterhin geben.

Mit dem Werktagsrabatt wollen die Schausteller die Menschen motivieren, wieder auf die Wiesn zu gehen – und ihren Geldbeutel zu öffnen. Zudem wollen die Schausteller auch mit Schulen und Vorschulen zusammenarbeiten und Kinder auf das Oktoberfest einladen. "Wir denken in dieser Sache langfristig. Wenn du als Kind eine schöne Fahrt im Karussell hattest, dann kommst du auch als Erwachsener gerne wieder und fährst ein oder zwei Runden."

Kinderkarussells hat die Stadt schon vor drei Jahren gesondert geschützt. Sie zahlen eine geringere Pacht, dafür garantieren die Betreiber, dass die Preise stabil bleiben.

Preisstabilität soll es laut dem Vorschlag von Josef Schmid ja auch bei den Fahrgeschäften geben – dafür wird ihre Pacht nicht erhöht. Das ist für jene Schausteller einfacher, die ein bestehendes Fahrgeschäft haben und für manche schwierig, die ein neues Fahrgeschäft abbezahlen. "Wir stehen zu unserem Wort und werden die Preise nicht erhöhen. Weil wir ja auch wollen, dass die Familien sich den Wiesnbesuch leisten können."

Toni Roiderer: "Wir investieren dann nicht mehr"

Leise war Toni Roiderer, Wirt vom Hackerzelt und Sprecher der großen Wiesnwirte, noch nie. Aber bei diesem AZ-Anruf muss er ordentlich poltern: "Eine Deckelung vom Bierpreis hat mit freier Marktwirtschaft ja nichts mehr zu tun."

Roiderer, der Wirt vom Gasthof zum Wildpark in Straßlach ist, zeigt sich verwundert, dass Josef Schmid mit seinem Vorschlag jetzt so vorprescht. Denn Politik und Wirte sitzen regelmäßig zusammen und beraten über Lösungsvorschläge für Probleme auf der Wiesn. Die Wirte hatten der Stadt bei diesen Runden Tischen unter anderem eine Reservierungsgebühr von einem Euro vorgeschlagen, um die Mehrkosten für die Sicherheit so auf die Besucher umzulegen. Dass jetzt die Wirte zahlen sollen, ärgert Toni Roiderer. "Ich zahle zwei Millionen für den Aufbau, allein 400 000 Euro für meinen Sicherheitsdienst. Ich hab ja auch meine Kosten, verstehst. Neid ist ein schlechter Ratgeber."

Weiter erklärt er, dass die Münchner für eine Maß Bier in der Innenstadt mittlerweile auch schon 10,40 Euro zahlen – ohne den Aufwand, der bei der Wiesn dahintersteht. Und macht der Stadt deutlich, was eine Bierpreisdeckelung und Umsatzpacht für Konsequenzen haben könnte: "Wir Wirte schauen ja, dass es immer besonders schön auf der Wiesn ist und investieren dafür viel Geld. Aber wenn die Stadt uns die Gewinnmöglichkeiten einschränkt, dann gibt’s eben auch keine Investitionen mehr."

Noch – so erklärt Toni Roiderer – ist’s ein Vorschlag von der CSU. "Wenn der Stadtrat das so entscheidet, dann werden wir Wirte das natürlich akzeptieren."

Stephan Kuffler: "Wieso zahlen nur die Wirte?"

Stephan Kuffler vom Weinzelt hat vor allem viele Fragen an Josef Schmid: "Werden den Brauereien auch die Bierpreise gedeckelt? Und den Fahrgeschäften? Ist es fair, wenn es rund 700 Beschicker auf der Wiesn gibt und nur einige wenige für die steigenden Kosten zahlen?" Stephan Kuffler hat durch die Presse von den Plänen erfahren.

"Klar finde ich eine Umsatzpacht nicht lustig, aber das ist schon okay. Mich stört’s, dass vorher keiner mit uns darüber geredet hat."

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Dass er auf dem Oktoberfest einen höheren Umsatz macht als andere Zelte – und dadurch von der Umsatzpacht besonders betroffen ist, weist Stephan Kuffler von sich: "Wir sind ein Abendzelt, bei uns geht’s erst relativ spät los und das wirkt sich natürlich auf den Umsatz aus."

Lorenz Stiftl: "Rechtlich unmöglich"

Eigentlich wollten sich in den nächsten Tagen die Sprecher der Wirte, der Brauereien und der Stadt wieder zusammensetzen und darüber beraten, wie die gestiegenen Kosten auf dem Oktoberfest zu aller Zufriedenheit getragen werden können. "Dass der Josef Schmid jetzt mit so einem Vorschlag ohne Rücksprache rausgeht, das geht so nicht", sagt Lorenz Stiftl, Wirt vom Spöckmeier und Sprecher der kleinen Wiesnwirte.

Die Stadt habe in den Gesprächen bisher ja noch nicht einmal mitgeteilt, um wie viel höher die Kosten überhaupt werden würden. "Letztes Jahr wurde ja teuer und kurzfristig ein Sicherheitsdienst eingekauft. Das wird’s heuer doch schon günstiger geben."

Stiftl hofft also, dass die Stadt sich nochmal bewegt. Und bezweifelt – wie viele im Rathaus, dass eine Bierpreisdeckelung kartellrechtlich überhaupt umgesetzt werden kann.

 

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