Von allen Trainern des FC Bayern Der junge Jupp: Kovac ist Heynckes am ähnlichsten

Nicht als Novize, aber auch nicht als Trainer mit Weltruhm startet Niko Kovac in seine Amtszeit als Trainer des FC Bayern. Ähnlich wie 1987 Jupp Heynckes (r.). Foto: Rauchensteiner/Augenklick, imago, dpa

Mit dem Spiel gegen Hoffenheim, dem "D-Day", startet Bayerns neuer Trainer, Niko Kovac, in die Mission siebter Titel in Folge. Die AZ erklärt, warum er von allen Trainern am meisten dem jungen Heynckes ähnelt.

 

München – Am Freitag ist’s vorbei. Mit der Hitze dieses Dürre-Sommers. Wenn Trainer Niko Kovac und seine Bayern gegen Hoffenheim die Saison eröffnen, kühlt es sich ab. Ein Temperatursturz am "D-Day", wie der Neue Donnerstagmittag an der Säbener Straße über den Bundesliga-Start sagte (hier die PK nachlesen). "Wir freuen uns", meinte der 46-Jährige, und das sah man ihm auch an – nach sieben Wochen Vorbereitung.

"Ich bin überzeugt, dass meine Mannschaft einen Top-Tag erwischen wird, weil wir körperlich und taktisch auf einem guten Stand sind", erklärte Kovac, in der Vorsaison DFB-Pokalsieger mit Frankfurt, "uns erwartet ein sehr schwieriges Spiel, wir müssen uns wirklich strecken."

Für den Abo-Meister mit sechs Titeln in Folge zählt nur Titel Nummer sieben. Ob diese Saison eine glorreiche für die Bayern wird, liegt auch und vor allem an Kovac. Über die Triple-Jagd spricht er nicht so gerne, Fragen danach wehrt der gebürtige Berliner mit der (be-)ruhigen(-den) Stimme und dem dunklen Timbre charmant ab.

Kovac sieht die Heynckes-Nachfolge als Chance

"Wir können alles erzählen, von den Lippen geht’s schnell. Die Umsetzung ist das Schwierige." Ab Freitag schaut alles auf Kovac und dessen Liga-Debüt im Premierenjahr. Der Job als Nachfolger von Jupp Heynckes ist für ihn mehr Chance denn Belastung. Die Tatsache, nach Eintracht Frankfurt nun einen ganz großen Klub mit 23 Stars im Kader samt hohem Konfliktpotenzial zu trainieren ebenso – das strahlt er zumindest nach außen aus.

Bisher schlägt sich Kovac gut. Durch sein Fachwissen, seine Analysen und die Ansprache hat er in der Kürze der Zeit den Respekt der Mannschaft gewonnen, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge attestierte ihm "Feuereifer". Bei allen Vorschusslorbeeren: Es ist ein Experiment – vor allem nach dem Wohlfühl-Coach Heynckes, der den Verein ab Oktober letzten Jahres stabilisierte und sogar die Alphatiere Rummenigge und Präsident Uli Hoeneß wieder an einem Strang ziehen ließ.

15 Jahre nach seiner Zeit als Spieler bei Bayern (2001-2003) beginnt Kovac auf einer anderen Hierarchie-Ebene. Er ist kein Coach von Weltruhm mit unzähligen Titeln am Revers wie Giovanni Trapattoni, Louis van Gaal, Pep Guardiola oder zuletzt Carlo Ancelotti, wurde nicht mit großem Tamtam geholt und vorgestellt. Kein Hoffnungsträger-Trainer wie Otto Rehhagel und Ottmar Hitzfeld, die zuvor in der Bundesliga reüssiert hatten, dann aber bei Bayern floppten oder zu "Gottmar" wurden.

Kovac ist kein Anfänger, kein Risiko-Coach

Kovac gilt jedoch auch nicht als Novize der Zunft, er hat zweieinviertel Jahre Frankfurt auf dem Buckel und die kroatische Nationalelf trainiert, zuvor in Salzburg gelernt. Ihn kann man daher nicht als Risiko-Coach einstufen wie etwa Jürgen Klinsmann, der Sommermärchen-Moderator. 2008 als Messias geholt, neun Monate später als Coaching-Praktikant und Möchtegern-Revoluzzer entlarvt. Oder Sören Lerby. Im Herbst 1991 hatte Hoeneß die ziemlich optimistische Idee, den ehemaligen Spielmacher aus dem Nichts in die Verantwortung zu heben. Nach fünf turbulenten Monaten stieß Lerby an seine Grenzen.

Er hatte damals Heynckes abgelöst. Den jungen Heynckes, der 1987 mit 42 Jahren und der Erfahrung von acht (!) Spielzeiten mit Borussia Mönchengladbach, jedoch ohne Titel – anders als der aktuelle Pokalsiegertrainer Kovac – nach München kam. Der junge Jupp, ihm ähnelt Kovac am ehesten. Er ist jedoch selbstbewusster, aufgeräumter, im Umgang mit Bossen, Spielern und Medien lockerer und gelassener. Erst in seinen Amtszeiten zwei bis vier wurde Heynckes zum empathischen Menschenfänger.

Als Spieler trainierte Kovac unter anderem bei Christoph Daum, Hans Meyer, Trapattoni, Hitzfeld. "Das waren Legenden", sagt er, "da kann man sich Sachen abschauen. Aber ich habe meine eigene Denkweise entwickelt, wie ich Fußball sehe." Die Mischung macht’s, findet Kovac. Wichtig sind ihm, und das vermittelte er seinen Spielern von Tag eins, dem 2. Juli, in seinen Ansprachen: Mentalität und Ernsthaftigkeit im Training. Im Umgang der Spieler untereinander fordert er Respekt und Loyalität.

Sein aktuelles Credo erinnert an den Teamspirit, mit dem er das Patchwork-Team der Eintracht zu einer fußballerischen Glaubensgemeinschaft formte: "Wir müssen eine verschworene Truppe werden, die nichts auseinanderreißt. Dann ist es schwierig, uns zu besiegen."

Heynckes wurde übrigens 1987/88 nur Zweiter, holte keinen Titel, erst im Jahr darauf die Meisterschaft. Ob man Kovac auch so viel Zeit gibt?

 

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