Video widerlegt AfD-Statement Posse bei AfD-Veranstaltung: Das Rätsel um den Kung-Fu-Treter

Vor dem Lokal der AfD-Wahlparty: Rapper Chris A. tritt nach einem Fotografen. Foto: Anne Wild

Bei einer Wahlkampfveranstaltung der AfD tritt ein Mann auf Journalisten ein. Die Partei behauptet, der Rapper habe nicht zu ihren Gästen gehört. Ein Video scheint das nun zu widerlegen.

München – Dritter Akt in der Posse um einen Kung-Fu-Tritt vor einem Münchner Lokal. In dem Restaurant hatte sich der AfD-Kreisverband München-Ost am vergangenen Sonntag getroffen, um das Wahlergebnis in Mecklenburg-Vorpommern zu feiern. Als Antifa-Aktivisten gegen die Rechtspopulisten demonstrierten, eskalierte die Situation.

Der Rapper Chris A. ("Deutscher Patriot") griff Fotojournalisten, die ebenfalls vor Ort waren, tätlich an. Er trat spektakulär nach einem Fotografen und schlug ihn ins Gesicht. Das Bild von der Szene verbreitete sich schnell im Internet und wurde auch von der AZ dokumentiert.

Am darauffolgenden Tag distanzierte sich die AfD München-Ost mit deutlichen Worten von dem Vorfall. Der Vorsitzende des Kreisverbands München-Ost, Wilfried Biedermann, ließ mitteilen, dass drei von ihm als "Täter aus der rechten Szene" bezeichneten Personen, darunter Chris A., nicht auf der Gästeliste der AfD-Wahlparty gestanden hätten "und auch künftig bei allen AfD-Veranstaltungen in München Hausverbot bekommen, falls sie dort auftauchen sollten". Zudem sei die Identität aller Teilnehmer der Wahlparty "mit Vorlage ihres Personal- und Mitgliedsausweises kontrolliert worden".

Video zeigt Chris A. als Gast auf der AfD-Veranstaltung

Dieser offiziellen Version scheint nun allerdings ein Video zu widersprechen, das die AfD selbst veröffentlicht hat. Auf dem YouTube-Kanal "AFD-Television", der laut eigener Angabe "von einem Mitglied der AfD Bayern betrieben" wird, ist am gestrigen Dienstag ein knapp 100 Sekunden langer Clip erschienen, der die Reaktion der Münchner AfD-Mitglieder auf die erste ZDF-Hochrechnung zur Landtagswahl zeigt.

 

Nachdem der Balken mit den Prozentzahlen der AfD den der CDU überholt, brandet im Saal Jubel auf und die Kamera schwenkt von der Videoleinwand auf den Zuschauerraum. Just in diesem Moment betritt eben jener Chris A. den Raum, um sich das Wahlergebnis anzusehen (ungefähr bei Sekunde 38). Er wirkt dabei ganz offensichtlich wie ein Teilnehmer der Veranstaltung, die Identitätskontrolle mit Vorlage des Personalausweises müsste er an dieser Stelle längst durchschritten haben.

Schlich sich Chris A. durch den Lieferanteneingang rein?

Die Szene aus dem Video scheint damit die Aussagen der Pressemitteilung von Wilfried Biedermann zu widerlegen. Entweder gab es keine Kontrollen, oder Chris A. war doch ein offizieller Teilnehmer der Veranstaltung.

Mit diesem augenscheinlichen Widerspruch konfrontiert, ließ Biedermann gegenüber der AZ ausrichten, dass Chris A. und seine zwei Begleiter "definitiv nicht auf der Gästeliste" standen. Eine mögliche Erklärung dafür, dass A. dennoch auf der Veranstaltung zugegen war, sei demnach, dass der Rapper "vielleicht durch den Lieferanteneingang reingeschlichen oder mit dem Ausweis von jemand anderem" durch die Kontrolle gelangt sei.

Der Vorgang zeige jedenfalls, "dass die AfD künftig noch gründlicher aufpassen muss, um unerwünschte Personen rauszuhalten."

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