Bundestagswahl 2017 Von CDU/CSU über SPD bis FDP: So viel Geld versprechen die Parteien

, aktualisiert am 12.09.2017 - 22:37 Uhr
Die Parteien machen zur Bundestagswahl 2017 große Versprechen zum Thema Steuern. Foto: dpa

Was wollen CDU/CSU? Was hat die SPD vor? Die Steuerpläne zur Bundestagswahl 2017 hat die AZ bereits vorgestellt, jetzt hat das Münchner ifo-Institut errechnet, wer dadurch um wie viel entlastet würde – und welche Summen das den Staat kostet.

 

MünchenDie Parteien versprechen, die Bürger bei der Einkommenssteuer kräftig zu entlasten. Um welche Summen es dabei geht, haben die Ökonomen des ifo-Instituts nun berechnet. Basis waren eine Datenbank des Statistischen Bundesamts mit über drei Millionen Steuererklärungen sowie die Steuerpläne der Parteien in ihren Wahlprogrammen.

CDU/CSU: Singles sparen mehr

Die Union will den derzeitigen Spitzensteuersatz von 42 Prozent erst ab 60 000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen gelten lassen. Sie möchte zudem den Mittelstandsbauch verkleinern. Diese Pläne entlasten laut ifo-Institut zwar auch sehr niedrige Einkommen ab 8821 Euro im Jahr (der steuerliche Grundfreibetrag liegt aktuell bei 8220 Euro), das aber in deutlich geringerem Umfang als höhere Einkommen. So spart ein Single mit 30 000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen 744 Euro im Jahr (verheiratet: -353 Euro), während ein Alleinstehender mit 60 000 Euro Jahreseinkommen 1637 Euro Steuern spart (verheiratet: -1488 Euro). Mindereinnahmen von 21,6 Milliarden Euro

SPD: bis 45 Porzent Einkommenssteuer

Die SPD will wie die Union den Spitzensteuersatz (42 Prozent) erst ab 60 000 Euro gelten lassen. Zwischen 60 000 und 76 200 Euro wollen die Sozialdemokraten aber eine neue Progressionszone einführen, in der der Einkommensteuersatz auf 45 Prozent steigt. Das bedeutet: Je mehr man in diesem Bereich verdient, desto stärker wird man belastet. Zudem will die SPD hohe Einkommen stärker besteuern, indem sie die Reichensteuer auf 48 Prozent erhöht. Wer als Alleinstehender 30 000 Euro im Jahr verdient, dem bleiben demnach nur 75 Euro mehr im Geldbeutel (bei Verheirateten bleibt die Steuerlast in etwa gleich). Am meisten profitieren Singles mit einem zu versteuernden Jahreseinkommen von 60 000 Euro, sie würden 557 Euro sparen (verheiratet: -150 Euro). Ab 86 000 Euro müssen Single-Haushalte mit Mehrbelastungen rechnen, ein Alleinstehender mit 100 000 Euro Einkommen zahlt etwa 450 Euro mehr Steuern im Jahr. Verheiratete werden in diesem Bereich um gut 500 bis knapp 800 Euro entlastet. Mehreinnahmen von 1,2 Milliarden Euro

Die Linke: höherer Grundfreibetrag

Die Linke will den Grundfreibetrag auf 12 600 Euro anheben. Alleinstehende mit 20 000 Euro zu versteuerndem Einkommen können dadurch etwa 1200 Euro pro Jahr sparen (verheiratet: - 359 Euro). Die Partei will zudem die zweite Progressionszone länger ansteigen lassen, sodass sich bei Einkommen von 70 000 Euro mit 53 Prozent ein Steuersatz auf dem Niveau des Spitzensteuersatzes zu Zeiten von Helmut Kohl ergibt. Single-Haushalte ab 77 000 Euro Einkommen müssen demnach mehr zahlen, alle darunter weniger. Am größten ist die Ersparnis für Alleinstehende mit einem Einkommen von 47 500 Euro (-1852 Euro). Verheiratete hingegen sparen bei einem Haushaltseinkommen von 95 000 Euro am meisten (-3703 Euro). Außerdem plant die Linke eine zweistufige Reichensteuer mit Steuersätzen von 60 Prozent ab 260 533 Euro und 75 Prozent ab einer Million. Alleinstehende Einkommensmillionäre würden nach ifo-Berechnungen etwa 138 000 Euro mehr Steuern im Jahr zahlen. Mindereinnahmen von 7,6 Milliarden Euro

FDP: Steuersatz wird langsamer erhöht

Die FDP möchte „den Tarif nach rechts verschieben“ und den „Mittelstandsbauch abflachen“. Das heißt, dass sich der Steuersatz langsamer von 14 Prozent auf 24 Prozent erhöht und zudem der Spitzensteuersatz (42 Prozent) erst ab einem Einkommen von 59 057 Euro gilt. Dadurch sparen beispielsweise Single-Haushalte mit einem Einkommen von 30 000 Euro jährlich 587 Euro Steuern (verheiratet: - 436). Haushalte mit 60 000 Euro sparen sogar 1214 Euro im Jahr (verheiratet: - 1174). Mindereinnahmen von 17 Milliarden Euro

Das Grünen-Programm enthält keinen konkreten Tarifverlauf. Das ifo-Institut hat deshalb von genauen Berechnungen abgesehen. Und die AfD hat den Ökonomen gar kein Steuermodell zur Verfügung gestellt.

 

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