Und das mitten in München Seit 10 Jahren: Diese Schule steht leer!

Der Blick auf die Schule von der Berg-am-Laim-Straße aus gesehen. Foto: Lukas Schauer

Schon seit 2006 gammelt die ehemalige Landwirtschaftsschule des Landkreises vor sich hin. Jetzt haben sich Stadt und Land geeinigt, was damit passieren soll – zumindest teilweise.

Vor dem Eingang und im Garten wuchert inzwischen ein halber Urwald, die Fenster im Erdgeschoss und ersten Stock sind verschalt, Müll und leere Bierflaschen liegen herum. Am Klingelschild ist in abgeblätterten Lettern noch „Hausmeister“ und „Schule“ zu lesen. Doch wo früher angehende Landwirte geschult wurden, lernen heute wahrscheinlich nicht mal mehr die Ratten neue Räume kennen.

Direkt neben dem Technischen Rathaus steht seit nunmehr fast zehn Jahren die ehemalige Landwirtschaftsschule des Landkreises München leer. Im Jahr 2006 wurde der Lehrbetrieb in dem viergeschossigen Gebäude in der Berg-am-Laim-Straße 38 eingestellt, seither stritten sich Landratsamt München und die Stadt um die weitere Nutzung. Doch Substanzielles geschehen ist nichts – bis jetzt.

Das Haus steht seit 2006 leer

Nach jahrelangem Leerstand soll das Haus nun abgerissen werden. Es wäre das Ende einer fast unendlichen Geschichte: In unzähligen Bürgerversammlungen ist und war die Weiternutzung seit der Schließung Thema, zuletzt im April dieses Jahres. „Das geht schon ewig hin und her“, sagt BA-Chef Robert Kulzer (SPD), „das ist ein Dauerbrennerthema bei uns“. Ein wenig erfreuliches natürlich.

Und nicht nur der Bezirksausschuss interessierte sich für das Haus, auch der Stadtrat wunderte sich bald: Die Fraktionsgemeinschaft aus FDP, Hut und Piraten im Rathaus stellte im Jahr 2014 einen Antrag an OB Reiter, mit der Bitte um Bekanntgabe des (damals aktuellen) Planungsstatus. Die Fraktion bekam fünf Monate später einen Antwortbrief, in dem es hieß, dass das „Referat für Bildung und Sport Interesse an dem Standort angemeldet hat“. Deswegen würden „derzeit Verhandlungen mit dem Landkreis über den Erwerb der Flächen“ laufen.

„Wir wissen aktuell nichts über den Stand

„Wir wissen aktuell aber nichts über den Stand“, sagt der Vorsitzende der Fraktion, Michael Mattar (FDP), zur AZ. Und auch das Kommunalreferat schreibt, dass man „aktuell mit der Landwirtschaftsschule nichts zu tun hat. Die Schule ist uns vom Landkreis vor circa zwei Jahren zum Kauf angeboten worden, dann haben sich die Pläne des Landratsamtes aber geändert.“

Wie diese Pläne aussehen, wusste seit dem Brief aus dem September 2014 niemand mehr, der Urwald auf dem Gelände wucherte so immer weiter. Doch kurz vor dem zehnten Geburtstag des Auszugs scheint sich nun etwas zu tun.

Der Abriss kommt jetzt wohl im Herbst

Das Landratsamt bestätigt der AZ, dass der Abriss des Hauses beantragt ist. „Wir haben uns für den Abriss entschieden, weil das Gebäude nicht mehr nutzbar ist. Dies gilt auch für die haustechnischen Anlagen sowie die gesamte Verkabelung“, sagt Pressesprecherin Christine Spiegel. Der Abbruch ist für den Herbst vorgesehen.

Die Lokalbaukommission wiederum schreibt, er sei schon genehmigt, ihm stehe also „nichts mehr im Wege“. Der Abriss allerdings scheint die einzige Lösung zu sein, auf die man sich einigen konnte. „Wie das Grundstück künftig genutzt werden soll, ist derzeit noch nicht absehbar“, heißt es weiter aus dem Landratsamt. Und auch die Lokalbaukommission weiß nur, dass abgerissen werden soll. Weitere Nutzung? Unbekannt.

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Laut Bebauungsplan ist das Gelände „Gemeinbedarfsfläche Erziehung“. Das heißt, dass hier beispielsweise Kitas, Kindergärten und eben (Berufs-)Schulen Einzug halten können. Kreisräte der SPD wollten das Gebäude bereits 2009 als Fachoberschule nutzen, doch das ließ sich nicht umsetzen.

Man konnte sich nicht auf eine Nutzung einigen

Der Landkreis München durfte auf dem Gebiet der Stadt München nicht als Träger einer solchen Schule auftreten. Auch eine (temporäre) Nutzung als Flüchtlingsunterkunft wäre denkbar (gewesen). Wohnungen aber oder Gewerbeflächen können nicht ohne Weiteres auf dem Gelände gebaut werden, dazu müsste man den Bebauungsplan ändern.

Ob sich daran die Geister scheiden, oder ob schlicht der Bedarf an der Nutzung einer solchen Immobilie unweit des neuen Werksviertels beim Landkreis als nicht gegeben angesehen wird, war nicht zu erfahren. Bis Herbst also bleibt alles so, wie es ist.

Der Urwald darf noch ein bisschen weiter wuchern – und die Ratten weiter ungestört wuseln.

 

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