Trotz WM-Blamage Löw macht weiter: Der ewige Jogi

"Meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten", sagt Joachim Löw. Foto: Christian Charisius/dpa

Joachim Löw bleibt nach dem WM-Aus der deutschen Nationalelf in Russland weiter Nationaltrainer. "Ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten", sagt er. Doch kann ihm der Umbruch gelingen?

 

München - Er bleibt, macht weiter. Joachim Löw nimmt die Herausforderung an, will seinen bis 2022 gültigen Vertrag als Bundestrainer erfüllen – trotz des historisch schlechten Abschneidens bei der WM in Russland. Nach der Vorrunde war Endstation für den Titelverteidiger, aber nicht für Löw. Der 58-Jährige will seinen Weg weitergehen, seine – eine veränderte? – Mannschaft auf die EM 2020 und auf die WM in vier Jahren in Katar vorbereiten.

Diesen Entschluss soll Löw der Verbandsführung um DFB-Präsident Reinhard Grindel bereits am Montagabend übermittelt haben. Er fühle sich an seine Verpflichtungen, an sein Arbeitspapier, gebunden. Bereits vor dem Start der WM habe er dem DFB versichert, seine Arbeit unabhängig vom Abschneiden in Russland fortsetzen zu wollen.

Am Dienstagvormittag traf sich der Präsidialausschuss des DFB um Grindel, Vizepräsident Rainer Koch und Generalsekretär Friedrich Curtius zu einer kurzfristig anberaumten Sitzung mit Nationalelfdirektor Oliver Bierhoff und Löw. Am Nachmittag ließ Löw sein Statement verkünden: "Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt, und ich spüre trotz der berechtigten Kritik an unserem Ausscheiden auch generell viel Rückhalt und Zuspruch."

Bundestrainer Löw macht weiter: "Das alles braucht Zeit"

Nachdem der Bundestrainer in den vergangenen sechs Tagen seit dem Ausscheiden durch das 0:2 gegen Südkorea von seinen Spielern, zahlreichen Trainerkollegen sowie dem DFB ermutigende Rückendeckung erhalten hatte und die Stimmen-Front derjenigen, die einen sofortigen Rücktritt gefordert hatten, überschaubar war, sah sich Löw in seiner Absicht bestätigt, seinen Vertrag zu erfüllen.

Am Mittwoch betonte er: "Meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten. Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen. Das alles braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September geschehen."

Dass Löw, seit der Amtsübertragung von Jürgen Klinsmann im Anschluss an die Sommermärchen-WM 2006 in Deutschland Cheftrainer, einen Kader erneuern und für steten Umbruch sorgen kann, bewies er in den vergangenen zwölf Jahren. Bei allen Turnieren bis zur Vorrundenpleite in Russland führte Löw das DFB-Team mindestens ins Halbfinale. Bei der EM 2008 scheiterte die Nationalelf im Finale an Spanien, bei der WM 2014 in Brasilien führte er sein Team um Kapitän Philipp Lahm zum Triumph.

Bundestrainer Löw macht weiter: Mit welchem Personal?

Dass er einen Perspektivkader formen und zu Höchstleistungen pushen kann, zeigte der Erfolg beim Confed Cup 2017. Den Weitblick hatte er trotz der Fokussierung auf die aktuelle WM stets bewahrt. "In vier Jahren sind Spieler wie Kimmich, Werner, Sane, Süle, Brandt und Goretzka auf dem Zenit ihres Könnens. Das ist für mich spannend und eine reizvolle Aufgabe", meinte er bereits vor dem WM-Crash.

Doch wie sieht die Mannschaft der Zukunft aus? Von den neun Weltmeistern von 2014, die Löw mit ins unpopuläre WM-Quartier nach Watutinki genommen hatte, wären 2022 in Katar nur Julian Draxler und Matthias Ginter noch unter 30 Jahre alt. Was aber wird aus Kapitän Manuel Neuer (32) sowie den Führungsspielern Jérôme Boateng (29), Mats Hummels (29), Sami Khedira (31), Toni Kroos (28), Thomas Müller (28) und Mesut Özil (29)?

Bundestrainer Löw macht weiter: Frankreich erste Hürde

Bislang hat noch keiner – auch Mario Gomez (32) nicht – seinen Rücktritt erklärt, Boateng will weitermachen. Doch alle warteten auf Löws Entschluss. Nun ist es wahrscheinlicher, dass das Gros der alternden Helden mindestens bis zur EM 2020 weitermacht – wenn der neue, alte Bundestrainer sie denn lässt.

"Es braucht tiefgreifende Maßnahmen, klare Veränderungen", hatte er betont. Betrifft das seine Arbeitsweise, sein zuletzt angeknackstes Verhältnis zu Bierhoff oder seine Personalplanung? Neuer begrüßte die Entscheidung, sagte: "Ich freue mich, dass wir mit Jogi Löw unseren lange Zeit erfolgreichen Weg fortsetzen können. Und ich habe das Vertrauen, dass wir gemeinsam wieder zu unserer Stärke finden."

Schon am 6. September startet die DFB-Elf in München mit dem Spiel gegen Frankreich in die neu gegründete Nations League.

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