Trainer des FC Bayern unter Druck Scheitert Niko Kovac an denselben Spielern wie Carlo Ancelotti?

Filmtitel aus dem Jahr 1991, Krisencoach aus dem Jahr 2018: Niko Kovac, der offenbar Feinde in seinem Bett hat. Vorgänger Carlo Ancelotti hat ähnliche Erfahrungen machen dürfen. Foto: AZ-Fotomontage, sampics/Augenklick

Niko Kovac ist beim FC Bayern ein einsamer Coach. Geheimnisse werden weitererzählt, immer mehr Spieler begehren auf – und die Bosse schweigen nur. "Der Trainer wird demontiert", vermutet Dietmar Hamann.

München - Irgendwann im Frühjahr, als die Anfrage des FC Bayern dann tatsächlich konkret wurde, hatte Niko Kovac so ein Bauchgefühl. Wie die AZ erfuhr, stellte sich der Trainer damals die Frage, ob er wirklich schon bereit sei für diesen großen Verein, er, der junge und titellose Coach von Eintracht Frankfurt, der das Pokalfinale erst Monate später gewinnen sollte. Es waren echte Zweifel, die Kovac in dieser Zeit umtrieben. Und es brauchte Zuspruch, um ihn vom Ja-Wort für den FC Bayern zu überzeugen.

Ein gutes halbes Jahr später weiß man, dass Kovacs Zweifel berechtigt waren. Der 47-Jährige wirkt bei den Bayern von Spieltag zu Spieltag ratloser – und vor allem: einsamer. Fast jede Woche werden Interna aus der Kabine an die Öffentlichkeit getragen, und nun scheint es so, als habe Kovac auch noch einige der wichtigsten Spieler gegen sich aufgebracht.

Der "Kicker" berichtet etwa, dass es zwischen dem Coach und Arjen Robben "knirscht", weil den Niederländer die vielen Auswechslungen nerven würden. Außerdem seien Mats Hummels, Franck Ribéry und Thomas Müller "angefressen". Der Grund: Zu wenig Spielzeit aus ihrer Sicht. Es verfestigt sich der Eindruck, dass diese Bayern-Mannschaft ihren Trainer nicht genügend respektiert.

Denn wenn man den Instagram-Post von Müllers Frau Lisa am Wochenende gelesen hat, ahnt man, wie in so manchem Wohnzimmer wohl über Kovac gesprochen wird. "Ich habe in meinem Leben einen Spruch kennengelernt: Der Feind in deinem Bett ist der gefährlichste. Deswegen mussten wir handeln." Das sagte Bayerns Präsident Uli Hoeneß vor gut einem Jahr dem hessischen Radiosender FFH, als er die Entlassung von Carlo Ancelotti erklärte. Der Italiener hatte mit seinem Team 0:3 bei Paris Saint-Germain verloren – und zuvor schon den Rückhalt in der Kabine.

"Der Trainer hat fünf Spieler auf einen Schlag gegen sich gebracht", sagte Hoeneß: "Das hätte er niemals durchgestanden. Du kannst als Trainer nicht deine prominentesten Spieler als Gegner haben."

Kovac droht das gleiche Schicksal. "Der Feind in meinem Bett" – dieser Filmtitel aus dem Jahr 1991 passt zur aktuellen Situation des Bayern-Trainers. Auch wenn es im Schocker mit Julia Roberts noch viel heftiger zugeht.

Kovac kämpft bei den Bayern nicht nur um die Anerkennung bei seinen unzufriedenen Stars, die übrigens weit unter Normalform spielen. Ihm fehlt genauso die Unterstützung der Vereinsführung. Außer des einen Hoeneß-Satzes, er werde Kovac "bis aufs Blut" verteidigen, der auf den anderen Hoeneß-Satz einige Tage zuvor folgte, Kovac müsse angesichts der großen Rotation "den Kopf hinhalten", ist wenig Rückendeckung erkennbar – weder von Hoeneß noch von Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge oder von Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

"Der Trainer wird demontiert", meinte sogar Ex-Bayern-Profi Didi Hamann in der Talk-Sendung "Sky 90" und stützte seine These darauf, dass keiner der Bosse gegen den Maulwurf aus der Mannschaft vorgehen würde: "Umso länger das nicht passiert, ist es der Führung wohl nicht zu ungelegen." Hamanns Vermutung: "Egal, ob sie in Dortmund gewinnen oder nicht: Ich glaube nicht, dass Kovac in München alt wird."

Die Frage ist, ob das in der aktuellen Bayern-Lage überhaupt einem Trainer gelingen würde – bei solch mächtigen Feinden im Bett. Vielleicht hatte Kovac im Frühjahr auch diesen Gedanken im Kopf.

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