So steht's um München Hochrisikospiele kosten den Steuerzahler 30 bis 50 Millionen im Jahr

Fußball-"Fans" in einem Regionalzug. Foto: Andreas Rosar/dpa

Die Polizeigewerkschaft DPolG fordert, dass sich Fußballverbände an den Kosten für Einsätze bei Risikospielen beteiligen.

 

München - Die Massenschlägerei in der Schillerstraße ist erst drei Wochen her: Etwa 100 Hooligans vom VfL Wolfsburg und dem FC Bayern prügelten am 9. März aufeinander ein. Für die Polizei bedeuten Spieltage, an denen verfeindete Fußball-Fangruppen aufeinandertreffen, einen hohen Personalaufwand. Die Kosten trägt der Steuerzahler.

Heute entscheidet das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, ob sich Deutscher Fußballbund (DFB) Fußball Liga (DFL) künftig an den Kosten beteiligen müssen. Die Hansestadt Bremen hatte der DFL nach einem Hochrisikospiel 425 718 Euro in Rechnung gestellt. Die AZ sprach mit Rainer Nachtigall, Chef der DPolG in Bayern.

AZ: Herr Nachtigall, wie viel teurer sind denn die Polizeieinsätze an Tagen mit Hochrisikospielen bzw. welche Kosten kämen auf DFB und DFL zu?
RAINER NACHTIGALL: Es geht um bundesweit etwa 30 bis 50 Millionen Euro im Jahr.

Warum sollen sich DFB und DFL an den Kosten beteiligen?
Bei diesen Fußballspielen verdienen die Veranstalter enorme Summen, die Kosten für die Sicherheit muss die Allgemeinheit zahlen. Es kann nicht sein, dass alle Steuerzahler die Leidtragenden sind. Die Mehrheit hat mit Fußball nichts am Hut.

Aber die Polizei hat den verfassungsrechtlichen Auftrag, für Sicherheit zu sorgen.
Keine Frage. Aber hier geht es um ein Extrem. Wir sprechen nicht von einem normalen Spiel, bei dem 200 Beamte eingesetzt sind, sondern von einem Hochrisikospiel mit etwa 1000 Beamten. Der Veranstalter muss in die Pflicht genommen werden. Das ist nach dem Kostenrecht möglich und wird beim Bürger bereits praktiziert.

Nennen Sie ein Beispiel.
Wenn Ihr Auto abgeschleppt wird, bekommen Sie von der Polizei eine Rechnung über die Personalkosten der Polizei. Ebenso, wenn die Polizei zu einem Wildtier-Unfall kommt oder Sie eine Nacht in der Ausnüchterungszelle verbringen.

Stichwort Oktoberfest. Sollten die Polizeikosten hier auch umgelegt werden auf die Wiesnwirte oder die Stadt? Hier sind Gewalt- und andere Straftaten durch Alkoholexzesse ja auch vorhersehbar.
Man darf nicht alle über einen Kamm scheren. Hier gehen keine rivalisierenden Gruppierungen aufeinander los. Wir halten die drei Kriterien für ausschlaggebend, mit denen auch die Stadt Bremen eine Kostenbeteiligung eingefordert hat.

Und die wären?
Eine rein kommerzielle Veranstaltung. Mehr als 5.000 erwartete Teilnehmer. Gewalt ist absehbar.


FC Bayern und TSV 1860: Bayerns Weg

Spiele der Deutschen Fußball-Liga wären theoretisch direkt von dem Urteil betroffen. In München wären das Risikospiele des FC Bayern. Also solche werden von den Behörden etwa die Spiele gegen den VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt oder den 1. FC Nürnberg oft eingeordnet. Auch Spiele des TSV 1860 könnten betroffen sein. Aber nur, wenn der Freistaat die Polizeikosten in Rechnung stellen will. Das schließt Innenminister Joachim Herrmann (CSU) aber aus. Zumindest bisher.

Lesen Sie hier den AZ-Kommentar zum Thema: Sollen Fußball-Vereine Polizeikosten tragen? Unfair und unlogisch

 

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