Tätlichkeit nicht geahndet Pokal-Aufreger: Ribérys Finger in Castros Auge

, aktualisiert am 22.05.2016 - 11:21 Uhr
Unschöne Szene am Rande des DFB-Pokalfinales. Foto: dpa

Ein "Augenstecher" von Franck Ribéry im DFB-Pokalfinale hat noch lange nach dem letzten Elfmeterschuss die Gemüter erhitzt - naturgemäß besonders bei Borussia Dortmund. Ribéry fällt nicht zum ersten Mal auf.

 

Berlin - Unschöne Szenen in der ersten Halbzeit im DFB-Pokalfinale beim 4:3 i.E. des FC Bayern gegen Borussia Dortmund im Berliner Olympiastadion. Franck Ribéry wird gefoult, das Foul wird aber nicht geahndet. Dies regt den Franzosen offenbar so sehr auf, dass er erst Julian Weigl wegcheckt und dann auf Gonzalo Castro losgeht.

Der Dortmunder wird heftig angegangen, Ribéry bohrt ihm seinen Finger ins Auge - direkt vor Pep Guardiola. Doch der Schiedsrichter ahndet die Tätlichkeit nicht, Ribéry sieht lediglich Gelb.

Es ist nicht das erste Mal, dass Bayerns Flügelflitzer in einem wichtigen Spiel seine Nerven nicht im Griff hat, bereits beim Rückspiel gegen Atletico Madrid geriet Ribery mit Diego Simeone aneinander.

Der "Augenstecher" erhitzte noch lange nach dem letzten Elfmeterschuss die Gemüter - naturgemäß besonders bei Borussia Dortmund.

"Wenn wir einen Vierten Offiziellen haben, der das aus zehn Zentimetern sehen kann, macht es echt keinen Spaß, zum dritten Mal nach einem Finale über die Schiedsrichterentscheidungen zu sprechen", sagte Verteidiger Marcel Schmelzer.

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Ribéry hatte seinem Gegenspieler Gonzalo Castro nach einer Rangelei ins Gesicht gefasst (38.). Ein Finger seiner rechten Hand landete in Castros Auge, einer in dessen Mund, einer in der Nase und einer im Ohr. Schiedsrichter Marco Fritz (Korb) beließ es bei einer Gelben Karte - für beide!

 

"2013, 2014, 2016. Geschichte wiederholt sich", sagte BVB-Kapitän Mats Hummels in Anspielung auf die verlorenen Endspiele gegen den FC Bayern in Champions League und DFB-Pokal: "Ein Hattrick von Finalspielen, die der Schiedsrichter wesentlich beeinflusst hat. Niemand im Stadion hat nicht gesehen, was passiert ist."

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Er habe bereits in der Halbzeit auf Fritz eingeredet, erzählte Hummels, und auch nach dem Spiel habe er die Szene dem Unparteiischen gegenüber noch einmal thematisiert. Fritz entgegnete, er habe die Rückmeldung bekommen, dass Gelb angemessen gewesen sei.

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"Wer ihm das gesagt hat - keine Ahnung", sagte Hummels in einer Mischung aus Verwunderung und Unverständnis.

Was die Dortmunder besonders ärgerte: Ribéry ist Wiederholungstäter. Im Endspiel der Königsklasse vor drei Jahren in Wembley schlug er dem damaligen BVB-Star Robert Lewandowski den Ellbogen ins Gesicht - und kam ungeschoren davon. Später leitete er das 1:0 von Mario Mandzukic ein und legte Arjen Robben den Siegtreffer auf.

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Ribéry wird wegen seiner überragenden Fähigkeiten oft hart angegangen - und lässt sich fast genauso oft provozieren. Im Halbfinal-Rückspiel der Champions League 2014 ohrfeigte er Madrids Daniel Carvajal. In der Gruppenphase 2014/15 schlug er Manchester Citys Vincent Kompany ins Gesicht. Beide Male passierte - nichts. Im Dezember 2013 flog er nach einem Gesichtgrapscher im DFB-Pokal gegen Augsburgs Ja-Cheol Koo vom Platz.

Es war einer von vier Platzverweisen des Franzosen in neun Jahren beim FC Bayern (je zweimal Gelb-Rot und Rot). Bayern-Coach Pep Guardiola ermahnte ihn nach Ausrastern mehrfach - erfolglos.

Öffentlich entschuldigt hat sich Ribéry übrigens bei keinem seiner "Opfer", auch bei Castro nicht. Am Samstag lachte und feixte er auf dem Münchner Bankett bis tief in die Nacht.

 

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